Jülich: Jazz Festival: Durch Jülich weht ein Hauch von New Orleans

Jülich : Jazz Festival: Durch Jülich weht ein Hauch von New Orleans

„Ein Abend, fünf Stationen und fünf Bands“ lautete das Erfolgsrezept des 5. Euregio Jazz Festivals, das vom Jazzclub Jülich in Form einer Kneipenrallye ausgerichtet wurde.

Es wehte ein feiner Hauch von New Orleans durch Jülichs Innenstadt, die wieder einmal zum Swingen gebracht wurde. Es herrschte Partystimmung und gute Laune in den Gaststätten, in denen musikalisch für jeden der zahlreichen Gäste etwas dabei war.

Die Freude an ihrer Musik ist der „Gumbo Jazzband“ und hier René Cardynaals deutlich anzusehen. Foto: Kròl

Die Aachener „Sun Lane New Orleans Jazzband“ gehört mittlerweile einfach dazu. Seit über 40 Jahre hält die Formation die Fahne des ursprünglichen und reinen New Orleans Stils hoch. Im „Liebevoll“ hatte das Septett seine Instrumente aufgebaut, und rund um die Musiker wurde es ganz schön eng in der gemütlichen Kneipe. Die sieben Musiker brachten die Wände zum Beben mit ihrer überschäumenden Musik. Bei so viel Spielfreude schlug der Funke zum Publikum schnell über. Mit den Jahren haben sie einen eigenen, kraftvollen Sound mit einer zeitgemäßen Ausrichtung des New Orleans entwickelt.

Nur wenige Schritte weiter im Caseus & Vinum spielte ebenfalls eine Band aus der Kaiserstadt. Die „Revival Band“ wartete mit Jazzstandards und Latin-Jazz auf höchstem Niveau auf. Dabei verirrt sich auch schon einmal ein alter deutscher Schlager ins Repertoire. Vor 60 Jahren hatte das Quartett um Prof. Rolf Theenhaus in seiner Studentenzeit die Jazzbühne betreten. Dann verlor man sich aus den Augen und traf sich als Rentner wieder, um der alten Leidenschaft, dem Jazz, zu frönen. Seit einigen Jahren sind sie auch in Jülich mit dabei und hatten zu diesjährigen Jazzfestival mit Heike Kraske eine junge Sängerin gewinnen können, die die Musik des Quartetts mit ihrer kraftvollen Stimme bereicherte.

Im Cafe Fleur sorgte die „Ol‘ Stars Jazzband“, die erst seit 2012 besteht, für beste Stimmung. Die neun Musiker spielten volle Kanne und sprengten fast die Bühne im Café. Die „alten Jazzsterne“ aus dem niederländischen ‘s-Hertogenbosch sind eine Formation, deren Mitglieder ihre musikalischen Erfahrungen in den verschiedensten Bands gesammelt haben. Bei ihnen steht das Vergnügen an der Musik im Vordergrund, das sie gerne mit ihrem Publikum teilen. So war es auch bei ihrem Auftritt in Jülich — es gab immer wieder ­Applaus auf offener Szene. „Wir setzen unsere Akzente natürlich im klassischen Jazz, aber kleine Ausflüge in die Popmusik bereiten uns auch viel Spaß“, sagte Henri Giebels von den „Ol‘Stars“, dem es in Jülich sehr gut gefiel.

Brillanter Solist

Im Bistro hatte man das Gefühl, in einen New Yorker Jazzclub gebeamt worden zu sein. Das „Ali Claudi Trio“ verbreitete eine niveauvolle und intime Atmosphäre, wie man sie selten findet. Gitarrist und Sänger Ali Claudi ist seit ca. 50 Jahren ein Begriff in der deutschen Jazzszene, ein brillanter Solist mit melodischer Vielfalt und dem unverwechselbaren klaren Sound seiner Gitarre. In Jülich ist er seit vielen Jahren ein gern gesehener Gast.

Er präsentierte sowohl einen rockigen Jazz als auch gefühlvolle Balladen auf ganz hohem Niveau. Dabei verleugnet er nicht, dass seine Wurzeln im Blues liegen. Einer der Glanzpunkte des Abends war seine Interpretation „Lullaby of Broadway“ mit musikalischen Ausläufern in die barocke Musik. „Wir spielen diese Stück immer wieder anders, in Jülich ist es ein Unikat“, betonte der Düsseldorfer Gitarren-Virtuose.

Auch in der Wilhelm‘s Braustube ging es heiß her. Die „Gumbo Jazzband“ aus Maastricht sorgte für tolle Stimmung und Atmosphäre. Die Formation spielt seit August 2008 zusammen, aber alle Bandmitglieder sind schon seit Jahrzehnten musikalisch aktiv. Ihr liegt die New-Orleans-Musik, die von Blues- bis zu Uptempo-Songs, die im späten 19. Jahrhundert bis zu den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts entstanden sind, am Herzen. Inspirieren lässt sich das Sextett von großen Namen wie Louis Armstrong.

Sidney Bechet, Jelly Roll Morton, Bunk Johnson. Sie sorgten mit ihrem Spielwitz für allerbeste Unterhaltung. „Unser Geheimnis liegt darin, dass uns die Musik Spaß macht. Unsere Mitglieder kommen aus den verschiedensten Stilrichtungen, und jeder bringt seinem Einfluss mit ein. Das macht die ganze Sache so spannend“, sagt Bandleader Hugo Kuijpers am Rande des Konzertes. Das Wort Gumbo im Bandnamen bezieht sich übrigens auf ein pikantes Gericht aus dem Süden der USA.

Mitveranstalter dieses 5. Euregio Jazzfestivals waren die Jazzfreunde Aachen, der Stichting Jazz Club Vaals und erstmals der Jazzclub Zuid Limburg.

Die Mitglieder der Euregio Jazz Arbeitsgemeinschaft nutzen nur allzu gerne die ideale Infrastruktur in der Jülicher Innenstadt und die freundliche Bereitschaft der Wirte, ihre Lokale für fröhlichen Jazz zu öffnen.

(Kr.)
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