Jülich: Jan Weiler: Weihnachtsgeschichten im Kulturbahnhof

Jülich: Jan Weiler: Weihnachtsgeschichten im Kulturbahnhof

Jan Weiler kommt nach Jülich und präsentiert Weihnachtsgeschichten im Kulturbahnhof. Der Bestsellerautor, der mit seinem ersten Buch „Maria ihm schmeckt‘s nicht“ bekannt wurde, erzählt im Interview mit Daniela Mengel-Driefert über sein Programm, die Entstehung seiner Texte und wie wichtig ihm das Thema Migration ist.

Sie kommen am 4. Dezember in den Kulturbahnhof. Das Programm heißt „Berichte aus dem Christstollen“. Es geht also um Weihnachten.

Jan Weiler: Völlig richtig. Es sind alles Texte, die in der Weihnachtszeit spielen, wobei ich die Weihnachtszeit ausgelegt habe, als die Zeit zwischen Sankt Martin und Heilige Drei Könige. Alles, was dazwischen passiert, kommt an dem Abend vor, natürlich auch das Pubertier und Antonio Marcipane.

Auch Geschichten und Auszüge aus „Maria ihm schmeckts nicht?“

Jan Weiler: Na ja, einer vielleicht. Das bezieht sich eigentlich eher auf die Kolumne „Mein Leben als Mensch“. Ich muss mal sehen. Ich hab da immer auch eine Weihnachtsgeschichte aus Italien dabei, die ist im Buch, aber manchmal lese ich die nicht, das weiß ich noch nicht so genau.

Wie autobiographisch sind ihre Texte und Bücher?

Jan Weiler: (lacht) Na ja, also es gibt diese Konstellation, diese familiäre, die gibt es. Ich habe wirklich zwei Kinder, ich habe auch wirklich eine Frau und einen italienischen Schwiegervater, die haben auch bestimmte Charaktereigenschaften, aber das meiste erfinde ich natürlich. Also so viel und vor allen Dingen, so viele lustige Dinge, erlebe ich nun auch wieder nicht (kichert), deswegen muss ich mir ganz viel ausdenken.

Wie wichtig ist Ihnen das Thema Migration?

Jan Weiler: Na das ist mir sehr wichtig. Das war ja sozusagen der Ansatz für mein erstes Buch. Es ging damals darum die Geschichte von Migration zu erzählen und zwar so, dass die Leute es auch hören wollen. Also, ein bisschen unterhaltsamer oder komischer, obwohl die dahinter liegenden Fragen schon ernsthaft waren und im Buch ernsthaft gestellt wurden. Was macht uns Angst? Wie überwindet man diese Angst?

Mir ist aufgefallen, dass die Figuren in ihrem Roman auch manchmal an ihre Grenzen kommen. Ich denke da an die Roman-Eltern, die eigentlich sehr aufgeschlossen sind, auch ein gewisses Millieu verkörpern. Ist das autobiographisch oder fiktiv?

Jan Weiler: Meine Eltern stammen zwar aus dem klassischen deutschen Bildungsbürgertum, aber ich brauchte damals für den Roman, und wir brauchten es vor allen Dingen für das Filmdrehbuch, Figuren, die etwas völlig anderes verkörpern, als dieser Gastarbeiter. Wir brauchten einfach eine antagonistische Qualität. Deswegen haben wir den so überhöht und deswegen sind das so Typen, die auf der einen Seite wahnsinnig aufgeschlossen und liberal sind, dahinter liegen genau die selben Macken, die selben Probleme mit der Multikulti-Welt haben, wie viele andere auch. Das diente der Erhöhung der Spannung, hat aber mit meinen Eltern nichts zu tun.

Der Alltag liefert Ihnen viel Stoff?

Jan Weiler: Ja, das tut er. Das sind aber oft auch nur einzelne Sätze, oder eine Haltung zu irgendwas und ich muss dann daraus was machen. Das sind keine ganzen Geschichten, die da ununterbrochen in unserer Familie passieren, sondern Versatzstücke, irgendwas Kleines.

Wann enstehen Bücher daraus? Wie entwickelt sich das weiter?

Jan Weiler: Na ja, es ensteht erstmal jede Woche eine Kolumne. Heute, genau heute, habe ich die 400. geschrieben. Die erscheinen in der Bild am Sonntag und Bayern 2 im Radio und auf meiner Homepage. Dann gucke ich mir die an, ob ich sie für meine Lesungen, für mein Bühnenprogramm verwenden kann. Kann man ja nicht immer, es gibt ja auch welche, die funktionieren nicht auf der Bühne. Dann gehe ich damit auf Tournee und irgendwann machen wir wieder ein Buch. Das sind ja alles Kolumnensammlungen: Mein Leben als Mensch, Berichte aus dem Christstollen, Das Pubertier. Wir gucken, welche passen am besten zusammen, welche taugen dafür, dann gibt es eine Zusammenstellung.

Wir feiern sie Weihnachten?

Jan Weiler: Wir feiern wahnsinnig deutsch mit Weihnachtsbaum, Kartoffelsalat und Bockwurst an Heiligabend, mit Bescherung, Glöckchen und Gedicht aufsagen.

Gibt es keinen italienischen Einschlag?

Jan Weiler: Ne, das hat sich nicht durchgesetzt.