Düsseldorf/Jülich: Jahresempfang des FZJ gibt einen Einblick in die Hirnforschung

Düsseldorf/Jülich : Jahresempfang des FZJ gibt einen Einblick in die Hirnforschung

Wie es sich für eine wissens- und erkenntnisfreudige Forschungseinrichtung gehört, ist das Forschungszentrum Jülich (FZJ) beim Jahresempfang „zu neuen Horizonten“ aufgebrochen. Das war die Erklärung des Vorstandsvorsitzenden Professor Wolfgang Marquardt für den Ortswechsel von Bonn nach Düsseldorf.

In der Bundesstadt wurde die illustere Gästeschar aus Politik, Wirtschaft, Verbänden, Kirchen, Universitäten und Hochschulen in den letzten Jahren begrüßt, nun rheinabwärts in der Landeshauptstadt Düsseldorf.

Der frühere SPD-Landtagsabgeordnete und Landrat Adi Retz aus Jülich im Gespräch mit der aktuell einzigen Landtagsabgeordneten aus dem Wahlkreis, Dr. Patricia Peill (CDU). Foto: hfs.

Die Akademie der Wissenschaften und der Künste NRW bot den passenden Ort für den festlichen Höhepunkt zum Jahresabschluss der Jülicher Einrichtung, die bei diesem Empfang Multiplikatoren der Gesellschaft informiert und auf sich aufmerksam macht. Marquardt dankte Professor Wolfgang Löwer, Präsident der NRW-Akademie, die mit dem FZJ auch personell eng verbunden sei. Elf Wissenschaftler gehören der Akademie an, zuletzt wurde mit Prof. Katrin Amunts diejenige berufen, die am Dienstag mit ihrem Festvortrag als Direktorin des Jülicher Instituts für Neurowissenschaften und Medizin aufmerksame und begeisterte Zuhörer fand.

Die Wissenschaftlerin brachte den Stand der Forschung auf diese Formel: „Das Faszinierende daran ist ja, dass wir uns immer noch nicht richtig kennen, aber auf dem Weg sind, ein bisschen klüger zu werden.“

Der Vorsitzende des Aufsichtsrates des Forschungszentrums, Dr. Karl Eugen Hutmacher, begrüßte nicht nur die rund 400 Gäste, sondern er machte auch ein paar Anmerkungen „aus aktuellem Anlass“. Natürlich blickte er dabei auf die gescheiterten Jamaika-Verhandlungen in Berlin. Unabhängig davon sei für die Perspektive von Bildung und Forschung wichtig, dass über alle Parteigrenzen hinweg in einem breiten Konsens zusätzliche Investitionen in Bildung und Forschung auf den Weg gebracht werden.

Hutmacher erinnerter an das politisch formulierte Ziel, bis 2025 insgesamt 3,5 Prozent des Bruttosozialprodukts dafür aufzuwenden. Das erfordere noch einige zusätzliche Milliarden. „Eine ausreichende Finanzausstattung ist nun einmal eine unverzichtbare Voraussetzung für Innovationen zur Lösung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen.“ Hutmacher benannte genau die: Klima, Energie, Mobilität, Digitalisierung und Medizin.

„Treiber der Zukunftsgestaltung“

Hutmacher stellte fest, dass Firmen wie Microsoft, Amazon, oder Apple die „Treiber der Zukunftsgestaltung“ seien und zusammen im Jahre 2016 insgesamt 52 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investiert hätten. Der Redner fragte sich, ob und wie sich diese enormen Privatinvestitionen und dadurch gewonnene Erkenntnisse letztlich auf die staatliche Macht auswirken. Es sei jedenfalls nach Hutmachers Überzeugung nur eine Frage der Zeit, bis die Algorithmen, die das digitale Zeitalter prägen, die Leistungsfähigkeit menschlicher Gehirne erreichen.

Der Staat brauche, wenn er diese neuen Entwicklungen begleiten und gestalten will, dafür Wissenschaft und Forschung auf höchstem Niveau. Um diese Aufgaben zu bewältigen, müssen sich Gleichgesinnte zusammentun. Karl Eugen Hutmacher: „Europa muss sich neu aufstellen, um sich mit starker Stimme in einer unübersichtlich gewordenen Welt zu entwickeln.“

Der Vorsitzende des FZJ-Aufsichtsrates betrachtete den Festvortrag in Düsseldorf über das menschliche Gehirn auch als Schlüssel zur Verknüpfung der menschlichen und künstlichen Intelligenz. Wie das Gehirn grundlegend funktioniert, wie dieses Wissen in der Medizin und der Informatik der Zukunft angewandt wird, „entschlüsselte“ Prof. Katrin Amunts vor den zahlreichen Gästen.

Dass das zurückliegende Jahr eine Menge „spannender Augenblicke und Ereignisse“ und die eine oder andere Veränderung mit sich gebracht habe, stellte Vorstandschef Wolfgang Marquardt fest und nannte als Beispiel die neue Strategie des Zentrums mit den drei Schwerpunkten Information, Energie und Bioökonomie. Sie hätten aus der Sicht der Jülicher Führungsriege eine ganz entscheidende Bedeutung für die Weiterentwicklung der Gesellschaft.

(hfs.)