Infoabend des St. Elisabeth-Krankenhauses Jülich Thema Brustschmerzen

Infoabend des St. Elisabeth-Krankenhauses : Brustschmerzen und die möglichen schlimmen Folgen

„Brustschmerz ist mannigfaltig.“ Das sagte Dr. Mario Meuser, der sowohl kardiologischer Leiter und Oberarzt im St. Elisabeth-Krankenhaus Jülich ist als auch in der Kardiologischen Praxis am Krankenhaus praktiziert.

Vorteil dieser Symbiose: „Die Großgeräte können genutzt werden.“ Meuser bot den zahlreichen Besuchern beim Infoabend des St. Elisabeth-Krankenhauses im KuBa zum Thema „Brustschmerz“ einen „Ritt durch die halbe Innere Medizin“, wie Dr. Christoph Walter es ausdrückte. Letzterer ist Chefarzt für Innere Medizin, Gastroenterologe und führt medikamentöse Tumortherapien durch. „Es sind nicht nur die älteren Leute, die mit Brustschmerz in die Praxis kommen“, unterstrich Meuser. Lang war seine Liste mit möglichen Ursachen, vom Brustwandsyndrom, das einfach Brustschmerz meint, „man findet aber nichts“, über koronare Herzkrankheit, Hypertonie (Bluthochdruck) und maligne (bösartige) Magenerkrankungen bis hin zur chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD).

Herzentzündungen

Meuser hob Herzentzündungen heraus, die sich aufgliedern lassen in „Perikarditis“ (Entzündung des Herzbeutels), „Myokarditis“ (Entzündung des Herzmuskels) und „Perimyokarditis“, wo sowohl Herzbeutel als auch -muskel entzündet sind. Sie können „idiopathisch“, also ohne erkennbare Ursache, als auch als Folge etwa von Infektionen oder systemischer Autoimmun-Erkrankungen vorkommen, und „enorme Spätfolgen nach sich ziehen“. „Es hilft nur körperliche Ruhe (gemeint ist eine Schonung von bis zu sechs Monaten) und entsprechende Medikamente“. Bei der Diagnose „kann ein Ultraschall richtungsweisend sein, dann ist die Herzerkrankung aber schon weit fortgeschritten“. Gut geeignet wäre eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Herzens, die „ist akut, aber kaum zu kriegen“, wie Meuser betonte. Die Wahrscheinlichkeit einer Herzmuskelentzündung ist bei Atemnot, bei körperlicher Anstrengung, schnellem Herzschlag, Müdigkeit, Wassereinlagerungen im Gewebe und Schmerzen gegeben.

Lungenembolie

Nächstes Thema war die lebensgefährliche Lungenembolie, die mehr Todesopfer fordert als durch Brust- und Prostatakrebs, Aids und Verkehrsunfälle zusammen. Sie entsteht, wenn sich ein Teil eines Blutgerinnsels in einem Blutgefäß löst und über das Herz in eine Lungenarterie gelangt. Deswegen hilft eine routinemäßige Thromboseprophylaxe, Leben zu retten. Risikofaktoren sind längeres Liegen, etwa nach einer Operation, bei Krebserkrankung und verändertem Hormonhaushalt. Meuser machte einen thematischen Abstecher in die Aortendissektion, eine Aufspaltung der Wandschichten in der Hauptschlagader, die meist durch einen Einriss der inneren Gefäßwand verursacht wird. Symptome sind „plötzlich einsetzende Vernichtungsschmerzen zwischen den Schulterblättern“.

Die Aortendissektion ist ein „chirurgischer Notfall“. Mit enormem Aufwand versucht der Arzt, den „Riss mit Prothesen zu umgehen“, wobei auch die Herzklappen ausgetauscht werden müssen. Nächster Bereich war der Herzinfarkt, an dem über 60.000 Menschen jährlich sterben, was „nicht so sein müsste“. Dieser Gefäßverschluss wird begünstigt durch Rauchen, Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Bewegungsmangel, hohen Blutdruck und Zuckerkrankheit. Es entstehen Ablagerungen (Plaques), die die Herzkranzgefäße einengen und die Blutversorgung des Herzens gefährden. Druck im Brustkorb oder Atemnot bei starker Belastung sind frühe Warnsignale.

Besonderes Alarmzeichen

Nächtliches Erwachen mit Schmerzen oder Brennen im Brustkorb, der in beide Arme ausstrahlt, ist ein besonderes Alarmzeichen, verbunden mit starkem Engegefühl, zusätzlich Übelkeit, Brechreiz und Angst. Häufiger als Männer reagieren Frauen mit Schmerzen im Oberbauch. „Mehr als wichtig“ bei der Diagnose eines Herzinfarktes ist der Troponin-Test innerhalb von acht Stunden. Das ist ein Eiweißstoff, der bei Herzmuskelschäden ins Blut freigesetzt wird. Erhöhte Werte weisen auf einen Herzinfarkt hin.

Eine große Gefahr ist das Kammerflimmern, deshalb: „Bei drohendem Herzinfarkt niemals zögern, rufen Sie die 112. Sie haben nur das eine Leben“, betonte Meurer. Interessant war seine abschließende Information: „Kälte ist gefährlich für Patienten mit koronaren Herzkrankheiten“. Bei vielen Krankheitsbildern sind nicht immer die klassischen Symptome da“, fügte Walter hinzu, der sein Referat der „gastroösophagealen Refluxkrankheit“ widmete, einer Differentialdiagnose beim „Brustschmerz“. Hier besteht ein krankhaft gesteigerter Reflux von meist saurem Mageninhalt in die Speiseröhre. Feststellbar ist eine Zunahme in den letzten Jahrzehnten und eine solche mit steigendem Lebensalter. Zu 90 Prozent kommt gleichzeitig eine Hiatushernie (Zwerchfellbruch) vor. Etwa 60 Prozent der Patienten sprechen auf eine medikamentöse Therapie mit Protonenpumeninhibitoren (PPI) an, dadurch wird die Magensäureproduktion um mehr als 90 Prozent reduziert. Das Nebenwirkungsprofil von PPI ist gering.

Walter räumte ein: „Der PPI wird zu viel eingesetzt, aber die Daten zeigen, dass ein erhöhtes Risiko für eine Demenzentwicklung oder für Osteoporose nicht belegt ist“. Als weitere Maßnahmen zu allen behandelten Krankheiten wurde eine Änderung des Lebensstils mit Ernährungsumstellung, Nikotin- und Alkoholverzicht und Gewichtsreduktion empfohlen. „Seit Wochen habe ich einen Puls über 100“, bat ein Besucher in der rege genutzten Frage- und Antwortrunde um Rat. „Suchen Sie einen Arzt auf“, entgegnete Walter.

(ptj)
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