Inden/Altdorf: Indener CDU steht vor Scherbenhaufen

Inden/Altdorf : Indener CDU steht vor Scherbenhaufen

Das politische Erdbeben im CDU-Gemeindeverband Inden nach der Ausbootung des langjährigen Kreis- und Fraktionsvorsitzenden Karl Schavier bei der Aufstellung der Direktkandidaten für die Kommunalwahl 2009 ist noch nicht verklungen.

Ein tiefer Riss geht durch die Partei, der bis zum Urnengang im Juni nur schwer zu kitten sein wird.

Davon geht auch der Gemeindeverbandsvorsitzende Reinhard Marx aus, der gegenüber dieser Zeitung persönliche Konsequenzen nicht ausschließen wollte. Die sich abzeichnende Kampfabstimmung vor Augen, hatte er die Mitglieder des Gemeindeverbands noch aufgefordert, sich bei der Wahl der Direktkandidaten an das Votum der Ortsverbände zu halten. Deshalb wertet er das Aus Schaviers auch als persönliche Niederlage. „Ich muss mir über meine politische Zukunft noch Gedanken machen”, betonte Marx am Dienstag.

Auch viele Mitglieder machen ihrem Unmut über die Art und Weise der Wahl Luft, unter anderem auf der Internet-Seite der Kreis-CDU (cdu-kreis-dueren.de/inden.php). „Es ist schon sehr enttäuschend, dass andere Ortsverbände die Bürger Inden/Altdorfs bevormunden”, schreibt Bernd Krings in einem offenen Brief an den Generalsekretär der NRW-CDU, Hendrik Wüst. Er fragt: „Was ist eine Entscheidung eines Ortsverbandes noch wert, wenn sie so leicht durch Stimmen von außen gekippt werden kann?”

Konflikt ist eskaliert

Der nun eskalierte Konflikt schwelte im CDU-Ortsverband Inden/Altdorf-Lucherberg offenbar bereits seit längerem. „Seit sich Elmar Gasper bei der Wahl des Ortsvorstehers vor 15 Monaten gegen den Ortsverbandsvorsitzenden Hejo Schmitz durchsetzen konnte”, beschreibt Karl Schavier den Knackpunkt. „Dies ist von der Gruppe um Herbert Schlächter nie akzeptiert worden.” Weil Elmar Gasper ein Ratsmandat anstrebte, sei er, so Schavier, in der Folge gedrängt worden, nach 28 Jahren als Fraktionschef auf eine Kandidatur zu verzichten und sich auf die Kreispolitik zu konzentrieren, um auch Schlächter, Schmitz und dem Alt-Altdorfer Manfred Meurers den Sprung in den Gemeinderat zu ermöglichen. Als schließlich Wahllisten im Ort kursierten, auf denen Schavier überhaupt nicht mehr auftauchte, stand für ihn fest: „Mit diesen Leuten kann ich nicht mehr zusammenarbeiten.”

Der Fraktionsvorsitzende organisierte den Neuanfang mit Kandidaten, die im Ortsverband ein „überragendes Ergebnis” (Schavier) erhielten. Er selbst setzte sich im Neubaugebiet „Waagmühle” (Wahlkreis 8) mit 27:11-Stimmen gegen den Ex-Pierer Herbert Schlächter durch.

Das aber wollte der stellvertretende Bürgermeister, der dreimal in Pier seinen Wahlkreis mit absoluter Mehrheit gewonnen hatte, nicht auf sich sitzen lassen. „Ich habe sämtliche CDU-Mitglieder im Gemeindeverband angerufen und mobilisiert”, erklärte Schlächter, der zudem eine gezielte Aktion von Josef Wirtz (MdL) gegen Schavier bestreitet.

Allerdings berichtet Reinhard Marx von einem Telefonat, in dem Wirtz angekündigt habe, eine Mehrheit für Schlächter zu besorgen und ganz Schophoven mit zur Gemeindeverbandsversammlung zu bringen. Für Schavier ein nicht hinzunehmendes Verhalten seines Stellvertreters auf Kreisebene, das ihm die Kandidatur kostete. Schlächter, der Wirtz in seinem Bestreben unterstützt hatte, den Reservelistenplatz Eins vor Schavier zu besetzen, gewann die Kampfabstimmung mit 43:38 (wir berichteten).

„Karl Schvaier hat sich verzockt”, glaubt Schlächter, dass der Kreisvorsitzende die Stimmung in seiner Partei auf Gemeindeebene falsch eingeschätzt hat. Er spricht vom gescheiterten Versuch, einen oft anders denkenden Parteifreund kaltzustellen.

CDU-Gemeindeverbandsvorsitzender Reinhard Marx allerdings ist der Überzeugung, dass viele Mitglieder die Tragweite ihrer Entscheidung überhaupt nicht bedacht haben. „Viele haben zu kurzsichtig gedacht. Wenn in der Vergangenheit Vorschläge zur Weiterentwicklung der Gemeinde kamen, dann fast ausschließlich von Karl und mir.” Ob er selbst nun weitermacht, will Marx Anfang/Mitte Januar entscheiden.

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