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Vater schüttelte Baby bis zur Bewusstlosigkeit

Aachener Schwurgericht : Vater schüttelte Baby bis zur Bewusstlosigkeit

Ein 30-jähriger Krankenpfleger aus Bonn ist vor dem Aachener Schwurgericht wegen versuchten Totschlags angeklagt.

Mehrfach brachen die Tränen aus dem groß gewachsenen Angeklagten hervor, mehrfach rang er um die richtigen Worte bei seinem Geständnis vor dem Aachener Schwurgericht, so, als könne er selbst heute nicht fassen, was er da im April dieses Jahres getan hatte.

Die Tat von Maximilian O. (30) ist ein Geschehen, das diese für Kapitalverbrechen zuständige Kammer am Aachener Landgericht in den letzten Monaten und Jahren leider schon viel zu oft zu verhandeln hatte.

Es geht um einen neuerlichen Fall von sogenanntem Babyschütteln, einer gewaltsamen Einwirkung auf den Körper und den Kopf eines Kleinkindes durch ein kräftiges Hin und Her, das bei den Säuglingen mit ihrer noch kaum ausgebildeten Nackenmuskulatur zu schweren Hirnschäden – und eben oftmals zum Tod – führen kann.

Beide Taten gestanden

In dem vorliegenden Fall aus Inden-Frenz hatte der am 9. Februar geborene Max Glück: Das Kind überlebte insgesamt eine leichtere und später am 9. April eine schwere Schüttelattacke, herbeigeführt durch den Angeklagten Maximilian O., der beide Taten am Donnerstag während der Befragung durch den Vorsitzenden Richter Roland Klösgen gestand.

An jenem Donnerstagnachmittag des 9. April war das Baby von der Mutter und ihrem Lebensgefährten ins Krankenhaus nach Düren-Birkesdorf gebracht worden, es habe erbrochen und schlecht Luft bekommen, gab das Elternpaar an. Die Ultraschall und Kernspin-Aufnahmen vom Kopf des Kindes zeugten allerdings von gravierenden Gewalteinwirkungen.

Die Mutter aber konnte es zu diesem Zeitpunkt nicht besser wissen. Denn sie war an jenem Nachmittag noch schnell etwas Einkaufen gefahren, ihr Lebensgefährte und Vater des Kindes war bereits mit dem eigenen Fahrzeug und dem Baby vorausgefahren, hatte dann in der gemeinsamen Wohnung in Inden-Frenz die alleinige Obhut über das Kind.

Der kleine Max war oder ist bereits seit kurz nach seiner Geburt ein sogenanntes Schreikind, ein Kind also, das insbesondere nachts kaum still zu bekommen ist, sicherlich eine Prüfung für jedes Elternpaar.

Warum allerdings der nun wegen versuchten Totschlags und Misshandlung von Schutzbefohlenen angeklagte 30-Jährige am Abend der Einlieferung des Kindes nichts zu den Ärzten sagte , verwunderte die Kammer mit dem Vorsitzenden Klösgen umso mehr, als es sich bei dem Angeklagten um einen an der Bonner Uniklinik ausgebildeten Krankenpfleger handelt, den es durch seine vormalige und inzwischen geschiedene Ehefrau in den Aachener Raum verschlagen hatte.

Dort im Pflegedienst an einem Krankenhaus habe er seine neue Liebe, eben die Mutter seines Sohns Max, kennengelernt, sogar mit der Schwangerschaft sei es anders als in seiner Ehe sehr schnell gegangen. Da sie auch eine Pflegekraft auf seiner Station gewesen sei, erklärt Maximilian O. in seiner Einlassung am Donnerstag, habe er gekündigt, sei in die freie Wirtschaft gegangen, am Ende wurde er von Zeitarbeitsfirmen in Pflegejobs vermittelt.

Ja, die Arbeitsbelastung sei hoch gewesen, berichtete O., doch eigentlich sei zu Hause in einer schönen Wohnung in Frenz alles gut gelaufen. Man habe sich die Nächte mit dem Kind geteilt, das ging auch, weil die Mutter nicht stillte, alles habe sich gut angefühlt, sagte O., deshalb wisse er bis heute nicht, warum er das getan habe.

Einen Strich durch die Rechnung machten allerdings sicherlich die Schreiattacken des kleinen Max, mit denen der gestresste und überforderte Vater anscheinend am Ende doch nicht fertig wurde. „Beim ersten Mal sah ich mich plötzlich wie von außen, dass ich den schreienden Max schüttelte, er sollte ruhig sein“, beschrieb O. die erste nächtliche Schüttelattacke und sagte: „Ich war so über mich erschrocken, dass ich sofort aufhörte, der Kleine schrie einfach weiter.“

Beim zweiten Mal an jenem Nachmittag dann wurde das Baby so hart geschüttelt, dass es wirklich sofort „still“ wurde, es war ohnmächtig und wurde wachsweiß, zum Glück erholte sich das Baby wieder. „Ich kann mir meine Tat nicht erklären“, wiederholte Maximilian O. oft unter Tränen. Der Prozess wird mit Zeugenaussagen am Montag, 7. September, im Landgericht Aachen fortgesetzt.