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Workshops starten: Neuer Rahmen für den Indesee

Workshops starten : Neuer Rahmen für den Indesee

Am Montag starten in Schophoven, Merken und am Indemann die Workshops zu der veränderten Planung für den Indesee. Der sieht jetzt zum Beispiel einen Kanal für windgeschützten Wassersport vor.

Welche Landschaft soll der Tagebau Inden eines Tages hinterlassen? Was kommt nach den Schaufelradbaggern? Bietet eine Alternative zu der lange zuvor genehmigten Planung unter dem Strich vielleicht größere Chancen? Ein Kanal bei Lamersdorf für windgeschützten Wassersport und ein Strand mit Bucht bei Lamersdorf, weil der Tagebau früher als geplant zum Erliegen kommt? Wird der Indesee eine andere Form annehmen als zunächst geplant? Welche das sein wird, ist aktuell Thema, denn der sogenannte Rahmenplan Indesee wird derzeit überarbeitet.

Bürger sind gefragt

In einem speziellen Workshop haben sich Fachverbände, Institutionen und Planungsverantwortliche bereits ausgetauscht und eingebracht. Nun sind die Bürger gefragt. In dieser Woche finden drei öffentliche Werkstätten statt: am heutigen Montag in der Bürgerhalle in Schophoven, am Dienstag, 22. Juni, im Jugendheim Merken und am Mittwoch, 22. Juni, im Restaurant Indemann, jeweils von 18 bis 21 Uhr.

Aus der Gemeinde Inden und dem Kreis Düren und damit aus der Mitte der Region kamen Ende der 1990er Jahre erste Überlegungen zu einer Änderung der bereits verabschiedeten Braunkohlenplanung auf. Die Gemeinde Inden hatte auf Basis eines Prognos-Gutachtens einen Antrag auf Änderung des Braunkohlenplans gestellt. Das Gutachten sprach einer Wasserlandschaft größere wirtschaftliche und strukturelle Potenziale zu als der damals vorgesehenen Verfüllung des Tagebaus.

Dabei ging es um eine Planung, die erst 30 Jahre und damit eine Generation später umgesetzt würde. In großer Weitsicht wurden diese Denkansätze nicht vom Tisch gewischt, sondern ernst genommen und aufgegriffen.

Regionale Expertise

Wegen ihrer Tragweite entschied man sich schon früh, diese Vorstellungen in einem geordneten Verfahren, mit regionaler Expertise und mit unabhängigem Sachverstand einer ersten Konkretisierung zu unterziehen. 2006 wurde die Entwicklungsgesellschaft Indeland GmbH gegründet. Sie wurde zur Vorreiterin vieler anderer interkommunaler Kooperationen. Das „Indeland“ ist ein gemeinsames Anliegen der Kommunen Aldenhoven, Eschweiler, Inden, Jülich, Langerwehe, Linnich und Niederzier sowie des Kreises Düren. Sie kreierten für einen zuvor namenslosen, aber traditionsreichen Bereich im Rheinischen Revier eine Landschaftsbezeichnung – das „Indeland“ für die Region rund um den Tagebau Inden mit dem zukünftigen Indesee.

Der interkommunale Verbund gab sich auch ein ehrgeiziges, bis heute gültiges Ziel: die Entwicklung des Raums um den zukünftigen Indesee gemeinsam und nachhaltig zu gestalten, in großer Verantwortung für die rund 150.000 Bürgerinnen und Bürger.

Potenziale für Wohnqualität

2009 gab die Landesregierung grünes Licht für das neue Ziel: Die östliche Hälfte des Abbaufelds des Tagebaus Inden soll nun hauptsächlich als See gestaltet werden. Lucherberg, Lamersdorf, Schophoven und Merken werden damit zu Dörfern am See, zu Seeanrainern – mit allen Potenzialen, die das für Wohnqualität und auch für die wirtschaftliche Entfaltung birgt.

Der Rahmenplan Indesee zeigt als Auftrag aus dem Braunkohlenplan die Entwicklungsziele rund um den zukünftigen Indesee in Abhängigkeit der unterschiedlichen Befüllungsstände. Die Inhalte sind 2013 und 2014 intensiv mit der Bürgerschaft diskutiert und erörtert worden. Darüber hinaus wurden sie in den politischen Gremien der Gemeinde Inden beraten.

Das Ergebnis ist die Basis für die städtebaulichen Entwicklungen in den Anrainerorten. Alle Planungen ebnen den Weg für gemeinsame innovative Projekte, wie die Entwicklung ressourceneffizienter Baugebiete nach Faktor-X-Kriterien, die freizeitwirtschaftlichen Entwicklungen rund um das Freizeitzentrum Indemann und die Entwicklungen in Schophoven als „Ort der Zukunft“.

Leichte Kurskorrektur

Der politische Beschluss zu einem vorgezogenen Kohleausstieg (2020) ist ein Wendepunkt für den Tagebau Hambach. Für den Tagebau Inden und seine Abschlussgestaltung ändert er vergleichsweise wenig, macht jedoch eine leichte Kurskorrektur erforderlich. Der Tagebau Inden beendet seine Kohleförderung zum 1. April 2029, wenn sein Abnehmer – das Kraftwerk Weisweiler – im dann einzig verbliebenen Block die letzte Kilowattstunde Strom erzeugt. Bis dahin wird der Kohlebedarf des Kraftwerks bereits Schritt für Schritt reduziert. Da die Kohle im genehmigten Feld nicht mehr im vollen Umfang benötigt wird, muss der Betrieb die Abbauführung anpassen und schneidet den südlichen Teil auf der Höhe von Merken nicht an.

Diese Korrektur führt dazu, dass sich die Disposition der Erdmassen im Tagebau ändert und die am Ende verbleibende Seemulde 130 Hektar größer sein wird als bislang vorgesehen. An der Freizeit- und Erholungsnutzung schon während der ersten Füllphase und der 30- bis 40-jährigen Füllzeit ändert das nichts. Dennoch muss die anpasste Abbauführung, die zu einer neuen Seeform führt, genehmigungsrechtlich vorbereitet werden. Dazu ist ein neues Abschlussbetriebsplanverfahren nötig, das im zweiten Halbjahr 2022 beginnen soll und auch die Wiedernutzbarmachung im Detail regeln wird.

(red)