Jülich: In sieben Stationen hoch zur Sophienhöhe

Jülich: In sieben Stationen hoch zur Sophienhöhe

„Sünde spaltet den Menschen und schafft eine zerrissene Welt”, führte Konny Keutmann, Pfarrer des Veranstalters St. Rochus, am Karfreitag in den traditionellen ökumenischen Kreuzweg auf der Sophienhöhe ein.

Mit den bitteren Seiten der Globalisierung bräche sich eine neue Erkenntnis Bahn: „So wie bisher kann es nicht weitergehen. Hinter der täglichen kleinen Sünde wabert ein tiefer sitzendes Übel, das die Welt aus dem Gleichgewicht bringt”.

Mit dem Kreuz voran zogen hunderte Pilger an dem sonnigen, aber kalten Morgen den steilen Weg zum Gipfel hoch, um siebenmal Halt zu machen. Auf die einführende Betrachtung folgten fünf Kreuzwegstationen, umrahmt von Fürbitten und von Trompetenklängen begleiteten Gebetsrufen.

Zur Todsünde „Hochmut” erinnerten die Trierpilger ans Paradies, wo sich Adam und Eva hatten verführen lassen. Anhand einer Geschichte um einen Bettler im Schnee, für dessen Anerkennung sich ein Weiser einsetzte, deuteten sie auf die Notwendigkeit zur Bescheidenheit und Demut. „Zorn” war Thema der zweiten, von den Kommunionkindern vorbereiteten Station. Als Exempel diente ein Junge namens Willi, der gegen ein Verbot seiner Eltern rebellierte und sich in seine Wut hinein steigerte.

Die Kinder erinnerten an den Apostel Paulus, der gemahnt hatte: „Lasst die Sonne über eurem Zorn nicht untergehen”. Mit Geiz und Habsucht hatte sich die Frauengemeinschaft befasst, angeregt vom Werbeslogan „Geiz ist geil”. Eine dramatische Geschichte um eine Gebärende, die wegen des Geizes ihres Vaters den Tod findet, verdeutlichte mögliche Auswirkungen: „Der Geizige erkennt nicht, dass die Not des anderen etwas mit ihm zu tun hat”, stellte die Gemeinschaft heraus.

Die „vielen Schattierungen der Sünde Neid” reflektierte Simon Diercks, Pastor der Freien Evangelischen Gemeinde Jülich. Zur näheren Betrachtung erinnerte er an die biblische Geschichte von Kain und Abel, wo die Sünde über Ärger und Zorn bis hin zum kalten Hass und Totschlag eskaliert.

Zur Todsünde „Völlerei und Brasserei”, die, grenzen- und gewissenlos sogar zur Bedrohung für Natur und Kultur wird, hatte sich schließlich der Liturgiekreis Gedanken gemacht. Biblisches Beispiel war der bettelarme und kranke Lazarus vor der Tür des Reichen, der gerne seinen Hunger mit dessen Tischabfällen gestillt hätte.

Die letzte Kreuzwegstation am Gipfelkreuz wird Jesus gewidmet. Unter das große Gipfelkreuz stellten die Teilnehmer ihr Pilgerkreuz, versehen mit den Todsünden aller Menschen, die sie unterwegs an jeder Station symbolisch ans Kreuz geschlagen hatten. Mit einem Vaterunser beschlossen die Pilger den steilen Kreuzweg, um den Berg wieder hinabzusteigen - hinein in ein hoffnungsvolles Ostern.