Epochenfest im Brückenkopf-Park: In Jülich zeigt der Wikinger seine Waffen

Epochenfest im Brückenkopf-Park : In Jülich zeigt der Wikinger seine Waffen

Geschichtsinteressierte Gäste aus Nah und Fern strömten in Scharen zum 15. zweitägigen Epochen- und Historienfest in das riesige Zeltlager im Lindenrondell des Brückenkopf-Parks, in dem etliche Holzkohlenfeuer brannten. Bereits zur Mittagszeit am Sonntag bei schönstem Sommerwetter bildeten sich Hunderte Meter lange Besucherschlagen an beiden Eingängen zum Park.

Mit Handwerksdemonstrationen, Kampfszenen, Paraden und Märschen, historischen Modeschauen und etlichen Erzählungen und Erläuterungen ließen mehr als 1000 Darsteller in rund 60 unterschiedlichen Gruppen Geschichte vom 1. bis 21. Jahrhundert lebendig werden.

„Wer Einlass begehrt, läutet hier. Wir werden Euch erhören“. Mit dieser Aufschrift auf einem Schild aus Massivholz lud die Reenactmentgruppe „Corvus et Draconem“ in ihr Lager ein. Doch Vorsicht: Die fingierte Klingel bestand aus einer schlagbereiten Mausefalle.

Wikingerdarsteller Thomas Krohn schwang seine Streitaxt und demonstrierte gerne sein gesamtes Waffenarsenal. Dazu zählten ein Eineinhalbhänder, auch „Bastard“ genannt, ein „normaler“ Einhänder und „was ganz Gemeines“, nämlich ein langstieliger Kriegshammer, genannt „Rabenschnabel“.

Die Zeit des Barock umweht den Brückenkopfpark.  . Foto: Silvia Jagodzinska

Der schottische Highlander Pattrick Barten wusste eine Geschichte über die französische Kleinstadt Aubigny-sur-Nère zu berichten, eine „schottische Stadt mitten in Frankreich“, in der jedes Jahr mit einem franco-schottischen Festival die Freundschaft der beiden Länder gefeiert wird. Dort sei laut Barten erst 2017 die jahrhundertealte Feindschaft zwischen den schottischen Clans MacLeod und MacKinnie aufgehoben worden.

Zu den etwas ungewöhnlicheren Darstellern des Historienfestes zählte das slawische Handwerker-/Bauernehepaar Kiever Rus, „Deréwnja u reki“ um 1000 n. Chr., das neben seiner Handwerkskunst mit der Gründungslegende zur Entstehung der Rus von 482 bis 988 aufwartete. Ein breit gefächertes Angebot orientalischer Duftwürfel aus Naturrohstoffen, Weihrauch und Aromaharzen animierte den Geruchssinn vieler Besucherinnen.

Wikinger-Darsteller Thomas Krohn schwingt die Streitaxt.  . Foto: Silvia Jagodzinska

Dem aufmerksamen Beobachter des Epochenfestes fielen zahlreiche nette Details ins Auge. Ein Ritter in Rüstung marschierte würdevoll durch den Park, begleitet von seinem stolzen Sohn als Knappe. Ein amerikanischer Siedler durchstreifte mit seinen authentisch gekleideten Töchtern den Brückenkopf-Zoo, ein Trapper löschte seinen Durst an einer Taverne. Mit einer Wäscheleine mit weißer Leinenwäsche aus Uromas Zeiten war eine Eis- und Waffelbude geschmückt.

Für Kinder und Teenager war die Möglichkeit der Erprobung der verschiedenen Waffenimitationen der Renner, vom Pfeil und Bogen bis hin zum Schwert, gerne mit entsprechender Demonstration durch die Darsteller.

Konkurrenzkampf unter den Reenactmentgruppen herrschte augenscheinlich nicht. Wikingerdarsteller Johannes Bertrams brachte es auf den Punkt: „Wir haben gestern Abend mit allen Historiendarstellern zusammengesessen, Met, Wein und Kartoffelschnaps getrunken und es genossen“. Wobei der Austausch bei weitem das Wichtigste war. „Wenn ich trinken will, gehe ich in die Kneipe“, resümierte der Wikinger.

(ptj)
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