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Rückzug aus der Politik: Immer für neue Denkansätze eingetreten

Rückzug aus der Politik : Immer für neue Denkansätze eingetreten

30 Jahre hat sich Cato Hilfert für die Grünen kommunalpolitisch engagiert, in den letzten Jahren vor allem in der Stadt Linnich, zuvor im Kreistag. Mit der neuen Legislaturperiode tritt Hilfert in den politischen Ruhestand.

Nach der Kommunalwahl beginnt üblicherweise das Stühlerücken. Neue Gesichter ziehen in die Stadt- und Gemeinderäte ein, vertraute Namen stehen nicht mehr auf der Mandatsliste. Karl-Heinz Hilfert ist einer von Letzteren. Drei Jahrzehnte war der Grüne aus dem Linnicher Stadtteil Floßdorf kommunalpolitisch tätig. Etliche Jahre davon als Ein-Mann-Fraktion.

Der klassische „Öko-Grüne“

Karl-Heinz Hilfert, den man auch unter seinem Spitznamen „Cato“ kennt, ist ein klassischer Öko-Grüner, wenn auch nicht mit einer lupenrein grünen Vergangenheit. „Ich war schon politisch vorsozialisiert“, erzählt er: In der Jugend – 1944 in Bocholt geboren, aufgewachsen in einem Örtchen bei Borken – bei der Christlichen Arbeiterjugend, in Essen Jahre später bei der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend und in Köln bei den Jusos. Die Suche nach dem „alternativen Leben auf dem Lande“ brachten Hilfert und seine Frau ins Jülicher Land, erst nach Bourheim und schließlich auf den ehemaligen Bauernhof in Floßdorf, wo die Familie sesshaft wurde und um drei Pflegekinder anwuchs, von denen die beiden Mädchen letztlich adoptiert wurden.

Not am Mann

Die Vorstellung von der selbstbestimmten Lebensweise als Selbstversorger – „das lief irgendwie auf die Grünen zu“. Zu der Partei selbst kam Cato Hilfert erst 1986, „weil da Not am Mann war“. Als Sachkundiger Bürger schnupperte er erste Kreistagsluft in Düren. Ab 1989 schließlich war er ordentliches Kreistagsmitglied – und blieb es bis 1999.

„Acht Jahre war ich Fraktionsvorsitzender.“ Nicht zu vergessen: Die letzten beiden Jahre seiner Kreistagszeit war der Grüne Hilfert sogar stellvertretender Landrat. Seine Zeit als Kreistagsabgeordneter beschreibt Hilfert mit einem Bild: „Wir waren damals der Stachel im Fleisch der RWE-Mehrheit“, also derer, die getan haben, was dem Bergbauunternehmen gut tat.

Hilfert nimmt für sich in Anspruch, für neue Denkansätze eingetreten zu sein. „Tagebaue, Müllverbrennung, Verkehrspolitik, all‘ diese Umweltthematiken – wenn wir mal zurückschauen, was über die Jahrzehnte umgesetzt worden ist, könnte man sagen: Wir haben oft was angestoßen.“ Dabei war ihm immer wichtig, an gemeinschaftliches Handeln zu appellieren.

1999 fand „Cato“ Hilfert seine neue politische Heimat im Linnicher Stadtparlament. Als Nachrücker erbte er den Fraktionsvorsitz der Grünen von Bruno Passolt. Dass er auch im Stadtrat zunächst allein das Ökofähnlein hoch hielt, war für Hilfert nichts Neues. „Ich habe im Kreistag schon kämpfen müssen.“ Dagegen war der Linnicher Rat eher gesittet. Einige Themen aus dem Kreis fand der Grüne in Linnich verstärkt wieder. Etwa die Wasserproblematik aufgrund der Sümpfungsmaßnahmen des Bergbautreibenden und deren Auswirkungen auf den Driesch. Ein Thema, das ihn umso mehr direkt betraf, als er 2011 Ortsvorsteher des Ruranrainers Floßdorf wurde.

Die Situation der kommunalen Finanzen beschäftigte ihn ebenfalls auf Stadt- wie auf Kreisebene. „Die kann nur auf Landes- oder Bundesebene geändert werden kann. Da hat sich über die Jahrzehnte nichts getan“, legte er immer wieder spürbar den Finger in die offene Wunde: „Wir brauchen eine neue Gesetzgebung zur Finanzierung der Kommunen.“

Seinen Rückzug aus dem politischen Leben hat Cato Hilfert wohl vorbereitet. Den Fraktionsvorsitz im Linnicher Stadtrat hatte er schon im Laufe der zurückliegenden Wahlperiode an Christoph Barzen abgetreten. Jetzt, mit 76 Jahren, sei es ein guter Zeitpunkt abzutreten. „Durch“ ist er mit der Kommunalpolitik allerdings nicht. „Ich fühle mich noch sehr wach und neugierig zu sehen, was aus dem wird, was wir angestoßen haben.“

Ein Beleg für sein aufmerksames Beobachten: „Der Frauenanteil im Stadtrat hat sich nicht verändert und ist nach wie vor niedrig. Und mit Heinz Kieven, Marlis Bange und mir sind ja wirklich drei Alte aus dem Rat ausgeschieden, aber ich glaube nicht, dass sich der Altersschnitt wesentlich gesenkt hat. Der wird immer noch bei 60 Jahren sein. Das ist eigentlich schade.“