Koslar: Im Hasenpfad hilft nur Dialog

Koslar: Im Hasenpfad hilft nur Dialog

Guter Rat war teuer im Jülicher Rathaus. Zahlreiche Anwohner aus Hasenpfad und Ostring in Koslar wohnten am Donnerstagabend der Sitzung des Planungsausschusses bei, der sich an und für sich nur mit der Frage auseinandersetzen sollte, ob im Hasenpfad ein vekehrsberuhigter Bereich eingerichtet werden soll.

Natürlich ging es auch um das in unserer Zeitung am Tag veröffentlichte Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen die Eltern dort spielender Kinder.

Das Dilemma der Politik: Ein verkehrsberuhigter Bereich kann nach Angaben des Beigeordneten Martin Schulz nicht allein mit der Aufstellung von Schildern „verordnet” werden. Dazu müsste die Straße auch den Vorschriften gemäß ausgebaut werden. Problem: Diese Kosten hätten zu 50 Prozent die Anwohner zu tragen, von denen nur wenige Kinder im Spiel-Alter haben. Und das will die Mehrheit der Anwohner natürlich nicht. Viele dort spielende Kinder wohnen im Ostring.

Eine Hasenpfad-Anwohnerin machte deutlich, dass sie kein Problem mit spielenden Kindern habe. „Die spielen hier seit 23 Jahren, ohne dass es große Probleme gegeben hätte.” Man sei entsprechend „nicht begeistert, Kosten tragen zu müssen, die nicht nötig sind.” Noch zur Sitzung hatten 13 Unterzeichner einen eigenen Antrag eingereicht, eben keine „Spielstraße” auszuweisen.

Die Befürworter des verkehrsberuhigten Bereiches erklärten, dass die Schreiben des Ordnungsamtes Auslöser gewesen seien und ihr Antrag lediglich dem Zweck diene: Nur so sei auszuschließen, dass die Eltern theoretisch jedes Mal mit einem Bußgeldverfahren kontrontiert würden, nur weil ihre Kinder auf der Straße spielten.

Bei der Sitzung wurde auch deutlich, dass das Problem im Hasenpfad auch ein zwischenmenschliches zu sein scheint. Vorsitzender Erich Gussen (CDU) riet: „Sie müssen sich mal vor Ort zusammensetzen.” Das empfahl auch Anke Talarek (Grüne) und verwies auf die so gefundene Lösung im Umfeld der Jülicher Tafel.

Einige Politiker hatten sich vor Ort umgesehen und dem Wohngebiet mit Tempo 30, Fahrbahnverengungen und sehr schmalem Gehweg die Eignung als „Spielstraße” zuerkannt. Winfried Cremerius (FDP): „Die Straße wäre prädestiniert dafür.” Laut Beigeordnetem Schulz ist das nicht so einfach: „Würden wir nur die Schilder austauschen, fielen wir vor Gericht bei jedem Verfahren hinten runter.”

Nicht alle Politiker zeigten indes Verständnis für das Vorgehen des Ordnungsamtes. Dessen Leiter Hans Pinell rechtfertigte sich: „Wir handeln zum Schutz der Kinder.” Bereits im November habe man den Ortspolizisten eingeschaltet, nachdem eine erste Klage vorgebracht worden sei. Als im April eine erneute Anzeige eintraf und einen „Beinahe-Unfall” schilderte, „haben wir uns verpflichtet gefühlt, ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einleiten zu müssen”.

Ein Bußgeld sei bislang nicht verhängt worden, derzeit laufe die Anhörung. Kinder selbst könnten erst ab dem 14. Lebensjahr belangt werden und Eltern nur, wenn sie selbst mit Kindern auf der Straße gespielt oder diese nachweislich auf die Straße geschickt hätten. Es sieht also nicht so aus, dass eine Geldbuße verhängt werden kann.

Hans-Peter Schmitz (SPD) hatte zu Beginn erklärt, was manche dachten: „Es gibt keinen Grund, dass man direkt mit dem Knüppel reinhaut.” Der Ausschuss wartet nun ab, ob sich die Anwohner verständigen.

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