Linnich: Im Glasmalerei-Museum wird die Ausstellung zum 20-Jährigen eröffnet

Linnich : Im Glasmalerei-Museum wird die Ausstellung zum 20-Jährigen eröffnet

„Unter erschwerten Bedingungen“ während der laufenden Baumaßnahme im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes in der Linnicher Innenstadt wird am heutigen Donnerstag um 17 Uhr die Ausstellung „Unsere Werte und Lichtblicke“ im Deutschen Glasmalereimuseum (DGML) eröffnet.

Das 20-jährige Bestehen war „eigentlich schon im November 2017, aufgrund der baulichen Maßnahme haben wir die fertig konzipierte Ausstellung auf das Frühjahr verschoben“, sagte Direktorin Dr. Myriam Wierschowski. Weil die Bauarbeiten weiter andauern, ist der eigentliche Jubiläumsakt mit den Wegbereitern „ausgekoppelt“ und auf Ende des Jahres verschoben worden. Dann sollen auch die Pflasterarbeiten auf dem Museumsvorplatz beendet sein.

Landrat Wolfgang Spelthahn wird die Ausstellung heute eröffnen, Dr. Wierschowski führt sodann in „Werte und Lichtblicke“ ein, die das renommierte Haus prägen. Anschließend eröffnet Bürgermeisterin Marion Schunck-Zenker, Vorstandsvorsitzende des DGML, die Fotoausstellung „Baustelle Museum vor zwanzig Jahren“.

Diese zeigt eindringliche Schwarz-Weiß-Aufnahmen des aus Linnich stammenden Fotografen Stefan Johnen, die den Umbau der kurfürstlichen Getreidemühle zur modernen, lichtdurchfluteten Glasarchitektur dokumentieren. Das Posaunenquartett der Musikschule Düren umrahmt die Vernissage, die „ein bisschen rustikaler“ in einen angeregten Austausch zu Kölsch und Schnittchen auf der Hofterrasse übergeht.

Eingeladen sind alle „Stifter“, die zum Teil weite Anreisen haben. Das große Vertrauenspotenzial in das bundesweit einzige Museum für Flachglasmalerei ist Folge der kontinuierlichen und qualifizierten Museumsarbeit, die auf den vier Säulen „Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln“ fußt. Daraus resultieren etliche „Schenkungen und Stiftungen“.

Start mit Sammlung Oidtmann

Den Grundstein bildeten 100 Glasmalereien Deutscher Nachkriegsmoderne aus der Linnicher Glasmalereiwerkstatt Dr. Heinrich Oidtmann, der ältesten deutschlandweit. Zweite „sehr bedeutende Schenkung“, die vom Volumen her der ersten gleichkommt, ist ein Konvolut historischer Kopien des Freiburger Künstlers, Restaurators und Sammlers Fritz Geiges durch seinen Enkel.

Sie zeigt die Entwicklung der Glasmalerei vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Stiftungen aus Künstlernachlässen bilden ein weiteres bedeutendes Fundament. Die größten mit mehreren tausend Entwürfen und Kartons zur Glasmalerei stammen von Maria Kratzgrau und Erich Feld. Segen oder Fluch? „Wenn Sie etwas annehmen, übernehmen Sie die Verantwortung, sie zu reinigen, konservatorisch zu betreuen und zu katalogisieren. Weil wir finanziell, personell und räumlich nicht die Kapazitäten haben, nehmen wir im Moment nur Schenkungen an, die übersichtlich sind“, bekennt Dr. Wierschowski ganz offen. Die Glasmalerei ist eine „architekturgebundene Kunst“, das heißt, die Werke waren überwiegend in Kirchen, zum Teil auch in Rathäusern und Privathäusern eingebaut. Das macht eine „Dokumentation vor Ort“ erforderlich, die etwa im Falle Felds ins Münsterland führte.

Zu den herausragenden Ereignissen zählt auch die Schenkung von sechs Glasgemälden Georg Meistermanns an den Förderverein DGML. Zwei weitere außerordentliche Schenkungen folgten 2016. Markus Lüpertz stiftete die beiden monumentalen Werke „Kosovo“ und „Herbstfenster“, die thematisch das barocke Motiv der „Vanitas“ aufgreifen, die Vergänglichkeit der irdischen Existenz.

Die Erben von Georg Metzendorf beschenkten das Museum mit dem berühmten Kreuzigungszyklus von Johan Thorn Prikker aus dem Jahr 1920, der bislang „nie gezeigt, wie ein Augapfel geschützt worden war“. Aufgrund der „enormen Erschütterungen“ während der Baumaßnahme war „es konservatorisch nicht verantwortbar“, diesen Schatz weiterhin zu zeigen, obwohl es „in der Seele wehtut“. Bis zur Fertigstellung der Mühlenteichbrücke aus Fertigteilen wird der Zyklus in einer Holzkiste gelagert.

Zum letzten Jahreswechsel erfolgte die Schenkung der bisherigen Leihgabe des künstlerisch progressiven „Musikfensters“ (1984) aus dem Fensterzyklus der Heidelberger Heiliggeistkirche von Professor Johannes Schreiter. „Wir sind sehr glücklich, weil wir auch ein Forum für die zeitgenössische Glasmalerei zeigen wollen“, betonte Dr. Wierschowski. „Alles ist im Wandel, alles ist im Aufbruch, auch die Auftragslage ändert sich“. In diesem Zusammenhang sprach die Direktorin von der Verlagerung der Glasarbeiten „aus dem sakralen in den öffentlichen Raum“. Ein weiterer Reiz der Ausstellung sind spannende Cross-Over-Beziehungen zwischen Kunstwerken aus dem Dauerbestand und Glasmalereischätzen aus dem Depot.

(ptj)