IG Rurtalbahn fordert bessere Schienenverbindung im Jülicher Land

Ausbau des Schienennetzes im Kreis Düren : IG Rurtalbahn fordert bessere Schienenverbindung

Der ehrenamtlich tätige Verein „IG Rurtalbahn“ kümmert sich um die Verbesserung von Bahn- und Busverbindungen in der Region und organisiert in lockerer Folge Infoabende zu Brennpunkten der Entwicklung im ÖPNV. Themen der jüngsten Veranstaltung im Jülicher Lokal „Drei Musketiere“ waren die Verlängerung der Rurtalbahn von Linnich nach Baal und der sogenannte „Braintrain“, eine Verbindung von Jülich über Baesweiler nach Aachen.

Einer Vorstellungsrunde ließ erkennen, dass es sich bei den Teilnehmern um aus verschiedener Sicht mit dem Thema eng verbundene und kundige Mitbürger handelte.

Hansbert Schruff, Vorsitzende der IG, betonte einleitend: „Wenn wir hier sitzen, dann nicht aus Nostalgie. Unsere Absicht ist es nicht, eine wie immer geartete Bimmelbahn auf die Schiene zu setzen.“ Erklärtes Ziel sei es, funktionierende umweltfreundliche Schienenverbindungen in die Metropolen zu schaffen und damit der Vernachlässigung des ländlichen Raums entgegen zu wirken.

Die „IG Rurtalbahn“ informierte über ihre Projekte im Bereich der Strecke Linnich – Baal und „Braintrain“. Foto: Guenter Jagodzinska / Max Jago/Guenter Jagodzinska

Nachdem im Südbereich die Reaktivierung der Verbindung von Düren nach Euskirchen von den Entscheidungsträgern umgesetzt wird, sieht die IG ihre Prioritäten nun im Nordkreis. Rückblickend wurde daran erinnert, dass die Stadt Jülich in den vergangenen 30 Jahren unter anderem durch den Tagebau Eisenbahnverbindungen wie kaum eine andere Stadt verloren hat.

Nach Jahren der Chancenlosigkeit habe sich der Wind bezüglich des Themas Linnich–Baal in Folge des Strukturwandels gedreht, stellte Schruff fest, und verband damit die Aufforderung, man müsse den Menschen nach dem Wegfall der Arbeitsplätze im Tagebau Möglichkeiten bieten, über die Schiene in anderen Orten angesiedelte Arbeitsplätze zu erreichen. Im weiteren Verlauf wurde intensiv über die Potentiale verschiedener Streckenführungen und die möglichen Trassennutzungen diskutiert.

Einen interessanten Beitrag dazu lieferte Kreistagsmitglied Hans Willi Dohmen (CDU) nach einem Seitenhieb auf „Politiker, die sich vor 30 Jahren die Taschen voll gemacht haben“, und einem Hinweis darauf, dass Jülich einmal ein Eisenbahnknotenpunkt gewesen sei, leider aber für den Verlust nie Ersatz vom Tagebaubetreiber bekommen habe. Er präferierte eine alternative Trassenführung nach Lindern, denn dort würden durch die Ansiedlung von Großgewerbe Industriezentren mit vielen Arbeitsplätzen entstehen. Josef Krott verwies auf eine Ausschusssitzung der Kreisverwaltung in der Vorwoche, in der Landrat Wolfgang Spelthahn bestätigt habe, der Kreis werde beim Schienenschluss mit 30.000 Euro kreiseigenen Geldern in Vorleistung treten.

Das zweite Projekt des Vereins „Braintrain“ leitet seinen Namen von der Verbindung der Standorte von Ausbildungsstätten wie beispielsweise Forschungszentrum, FH Jülich und Haus Overbach ab. In diesem Zusammenhang wurde die Umstellung des Dieselverkehrs auf Wasserstoffantrieb thematisiert, der ab 2025 Standard werden soll - Gutachten dazu seien in Auftrag gegeben. „Heute ist es dringender denn je, der Individualverkehr muss auf die Schiene“, fasste ein Diskussionsteilnehmer zusammen und verdeutlichte die gemeinsame Sorge um die Entwicklung des Verkehrs, dessen Zukunft nicht auf der Straße zu finden sei. Die IG Rurtalbahn möchte das Bewusstsein bei den Bürgern dafür schärfen und erwartet von der (Lokal-)Politik, dass sie aktiv wird.

Weitere Info-Abende sind ab Januar am letzten Donnerstag des Monats geplant.

(jago)
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