Jülich: Hospizbewegung Düren-Jülich spendet seit 25 Jahren Trost

Jülich : Hospizbewegung Düren-Jülich spendet seit 25 Jahren Trost

Die Hospizbewegung Düren-Jülich feiert Silberjubiläum, und zwar „inhaltlich“. Das heißt informativ, diskussionsfördernd, mit Musik und Humor, wie Vorsitzender Dr. Martin Franke vorab betonte hatte. „Erste öffentliche Einblicke“ boten fachkundige Gesprächspartner zweieinhalb Stunden lang bei sengender Hitze in der voll besetzten Blumenhalle des Brückenkopf-Parks.

Als Moderatoren fungierten Vorstandsmitglied Hartmut Prüss und Ideengeberin und Vize-Vorsitzende Gerda Graf. Bürgermeister Axel Fuchs, „großer Freund der über 90 Mitarbeiter der Hospizbewegung“, betonte die Wichtigkeit, „die Sorgekultur in der Region zu verbessern. Diese Aufgabe darf nicht an Eitelkeiten und auch nicht am schnöden Mammon scheitern“, betonte er und versprach, „negative Tendenzen zu bekämpfen“.

Podium bei der Jubiläumsveranstaltung.

Offener Dialog

Erster Kernpunkt der Veranstaltung war ein Dialog zwischen Renate Windelschmidt aus der Hospizbewegung, die sehr offen und detailliert aus ihrem Erfahrungsschatz als pflegende Angehörige berichtete, mit Monika Ecker vom ambulanten Hospiz- und Palliativzentrum, die den Part der Fragestellerin übernahm.

Renate Windelschmidt hatte ihren Beruf als Goldschmiedin aufgegeben, um sich „sozialen Dingen zu widmen“. Sie hat „sechs engste Angehörige bis zum Tode begleiten dürfen“, und zwar zu Hause, im Krankenhaus oder auf der Palliativstation im Pflegeheim. Noch im Jahr 2000 habe es „ganz viel Pflegepersonal gegeben, die Pflegekräfte waren mit dem Herzen dabei. Ganz im Gegensatz zu heute, wo sie unter Druck stehen und zu wenig Zeit haben fürs Gespräch.“

Gute Erfahrungen hat die Ehrenamtlerin mit den Hospizbegleiterinnen gemacht, die sich „liebevoll gekümmert haben“ und ihr noch heute wertvollen Erfahrungsaustausch bieten. „Ich habe mich hilflos gefühlt bei den Pflegeeinstufungen und hätte mir gewünscht, dass es KommA schon gegeben hätte.“ Mit diesem Satz gab sie das Startsignal für die Pflege- und Gesundheitswissenschaftlerin und Privatdozentin Dr. Sabine Pleschberger aus Wien.

Sie stellte das von der „Stiftung Wohlfahrtspflege“ geförderte dreijährige Forschungsprojekt „KommA“ vor (Kommunikation mit Angehörigen). Es handelt sich um ein Projekt zur Entwicklung der Angehörigenarbeit in der häuslichen Hospiz- und Palliativversorgung, das Wissenschaft und Praxis miteinander vereint. Bei Angehörigen und Pflegepersonen ist es bereits auf viel positive Resonanz gestoßen.

Pleschberger hob zunächst die Individualität des Sterbens und damit die individualisierte Herangehensweise als Ausgangspunkt des Bemühens hervor. Die pflegenden Angehörigen blieben „beim letzten Schritt zurück“. Mit der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus 1990, die „Patienten und ihr soziales Umfeld stehen im Mittelpunkt“, wurden pflegende Angehörige erst näher in den Blick genommen.

Projektziele sind die systematische Erfassung der Bedürfnisse von Angehörigen, die Umsetzung des Komma-Ansatzes in Hospizdiensten und spezialisierten Palliativdiensten (SAPV) und die Ableitung der Aussagen über den Unterstützungsbedarf der Angehörigen.

Die ehrenamtliche Hospizbewegung, die im Übrigen „einzigartig in Deutschland ist“, und SAPV-Teams ermöglichen das Sterben zu Hause. Wichtige Voraussetzung dafür sei „das Vorhandensein von Angehörigen, die diesen Wunsch mittragen“. Die Realität zeige aber: „Die Hierarchie der Not rückt Angehörige in den Hintergrund.“ Auf die Bedeutung von Bedürfnissen Angehöriger im Leistungsgeschehen bezogen, unterstrich sie: „Was nicht bezahlt wird, wird nicht dokumentiert und umgekehrt.“

Studien betonen die Belastung jedes dritten pflegenden Angehörigen, in physischer, emotionaler, sozialer und finanzieller Hinsicht, aber auch „zahlreiche positive Auswirkungen“. So gingen etwa viele Familien gestärkt aus dieser Situation hinaus. In der Angehörigenarbeit sei nunmehr die Gestaltung zwischen Hospizdiensten und SAPV-Teams gefragt. Der noch fehlende „Lückenschluss“ sei politischer Art.

Zentrale Anlaufstelle

In der abschließenden Gesprächsrunde mit dem Publikum betonten Pflegekräfte, die von Gerda Graf angesprochene „Kultur des Helfens von allen“ werde in „ihrem“ Krankenhaus bereits vorbildlich umgesetzt. Ferner wurde der Wunsch nach einer zentralen Anlaufstelle laut, die „Hilfesuchende sofort weiterleiten“ könne.

Mit klangvollen Oboen-Duetten gestalteten die „frisch gebackenen Abiturienten“ Ruben Devendran und Daniel Nägele den musikalischen Rahmen die Jubiläumsveranstaltung.

(ptj)
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