Hochwasser: Wasserverband bestätigt seine Taktik

Ursachen des Hochwassers nicht vorhersehbar gewesen : Wasserverband bestätigt seine Taktik

Viel Regen ist der wenig überraschende Grund, warum die Rur am vorvergangenen Wochenende so stark über ihre Ufer getreten ist wie seit Jahren nicht mehr.

Eine Rolle gespielt hat aber auch die Tatsache, dass der Rursee vor den starken Regenfällen überdurchschnittlich mit Wasser gefüllt war.

Deswegen werfen einige Jülicher Rur-Anlieger dem Wasserverband Eifel Rur (WVER), der Talsperren in der Nordeifel betreibt und damit den Wasserpegel der Rur reguliert, vor, nicht vorausschauend genug gewirtschaftet zu haben. Die Folge aus ihrer Sicht: Keller, in die Grundwasser eingedrungen ist und im extremsten Fall sogar Grundstücke, die mit viel Einsatz vor dem zeitweiligen Untergang gerettet werden mussten. Der WVER widerspricht dem Vorwurf, den Wasserhaushalt schlecht kalkuliert zu haben.

Nach Auskunft der Bezirksregierung Köln, die die Betriebspläne des WVER überwacht und genehmigt hat, führt der Rursee über die Jahre gesehen im März etwa 150 Millionen Kubikmeter Wasser. Insgesamt kann er 203 Millionen aufnehmen, bevor er überläuft. 170 haben sich diesmal Mitte März im See befunden, bevor das viele Wasser kam und die Wassermenge schnell auf 190 Millionen Kubikmeter gestiegen ist. Die Folge: Der WVER erhöhte die Wasserabgabe aus der Talsperre Schwammenauel an die Rur von unter zehn auf zuerst 30 und dann auf 60 Kubikmeter pro Sekunde.

Geringere Abgabe war möglich

In Tateinheit mit den ungewöhnlich vielen Wassermengen, die die Kall und die Inde führten – beide plätschern jetzt wieder mit jeweils rund zwei Kubikmetern pro Sekunde, rund um den 16. März waren es es insgesamt 80 – bedeutete das Hochwasser im Jülicher Land. Hätte der Rursee vor dem 16. März 150 statt der tatsächlichen 170 Millionen Kubikmeter geführt, hätte die Abgabe an die Rur nicht so drastisch erhöht werden müssen.

Trotzdem sei der Befüllungsstand Mitte März weder ein Fehler noch ein Verstoß gegen den Betriebsplan gewesen, sagte WVER-Sprecher Markus Seiler auf Nachfrage. Die Entscheidung, mehr Wasser zu sammeln, habe mit den Klima-Erfahrungen der vergangenen Jahre zu tun. Ein Blick auf das vergangene Frühjahr und den vergangenen Sommer, die ungewöhnlich warm und vor allem ungewöhnlich lange zu trocken waren, zeige, dass mehr Wasser Sinn ergebe. „Wir dürfen die Talsperre anstauen und wollen im Frühjahr so viel Wasser vorhalten, dass der Stand nicht weit unterhalb der Hochwasserschutzgrenze liegt“, sagte Seiler.

Schließlich liegen Monate vor dem Rursee, in dem weniger Wasser nachkommt als an die Rur abgegeben wird. Das Aufkeimen der Vegetation sei eine beständige Ursache. Dazu kämen die über die vergangenen Jahre gestiegenen Temperaturen in den warmen Monaten und die vergleichsweise langen Phasen mit wenig Niederschlägen. Für die will der WVER vorsorgen, damit die Rur nicht zu wenig Wasser führt. Das sei jetzt gegeben, der aktuelle Stand von 182 Millionen Kubikmetern garantiere genügend Wasser in der Rur, unabhängig vom Sommer.

Hochwasserschutz funktioniert

Weil der WVER ansparen sollte, habe der Betriebsplan für den März 170 Millionen Kubikmeter im Rursee zugelassen. „Das bedeutet nicht, dass man rückwärts betrachtet nicht besser hätte agieren können“, räumte Seiler ein, fügte aber gleich hinzu, dass das im Vorab nie absehbar sei. Zudem habe der Stausee seine Rolle erfüllt. Ohne ihn wären pro Sekunde alleine in die Rur 150 Kubikmeter Wasser in die Rur gelangt, plus 80 aus Inde und Kall. Letztlich waren es 138 in der Spitze.

Am Mittwoch wurde die Abgabe an die Rur weiter gedrosselt von 25 auf 18 Kubikmeter pro Sekunde, der Ruhepuls liegt bei unter acht. Aus Kall und Inde kommen in Summe höchstens fünf Kubikmeter dazu. Heute dürfte die Rur von 32 auf etwa 25 Kubikmeter pro Sekunde fallen.

Für den WVER gelte es jetzt, die Wassermenge im Rursee konstant hoch zu halten. Sollte die Wetterprognose ergeben, dass noch einmal viel Regen kommt, werde die Abgabe so früh wie möglich erhöht. „Die Wettervorhersage hat sich verbessert. Früher war sie einen Tag vorher zuverlässig, heute immerhin drei“, deutete Seiler an, welchen Spielraum der WVER hat, um Platz für neue Wassermassen zu schaffen.

Ein Erhöhen der Staumauer sei keine Option. „Damit verhindern wir, dass es in Jülich feuchte Keller geben könnte. Am Rursee würden dafür Orte wie Rurberg und Einruhr verschwinden“, sagte Seiler.

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