Hochwasser: Die Rur macht den Radweg dicht

Hochwasser in der Ruraue : So viel Wasser wie noch nie in der Rur?

Möglicherweise ist noch nie so viel Wasser die Rur herunter geflossen wie am Samstag. 138 Kubikmeter pro Sekunde zeigte die ständige Messung des Wasserverbands Eifel Rur (WVER) als Spitzenwert an. Das blieb nicht ohne Folgen.

Gut Hasenfeld war wohl das extremste Beispiel für die Einsätze, bei denen Feuerwehr und THW versuchten, Häuser vor Hochwasser zu retten. Der Einsatz dürfte noch bis in den Montag dauern.

Der Grund für das ungewöhnliche Hochwasser: Der WVER verzeichnete aufgrund der Regenfälle zuletzt stark steigende Pegelstände im Rursee. Rund 150 Kubikmeter flossen demnach am Samstag in den ohnehin schon stark gefüllten Stausee. Also erhöhte der WVER den Ablass, 90 Kubikmeter pro Sekunde waren laut Aufzeichnung am Samstag die Spitze an der Staumauer Obermaubach.

Der Ruhepuls liegt bei 7,6. Und, weil auch die Inde aufgrund der Regenfälle im Aachener Raum bis zu 50 statt der üblichen drei Kubikmeter führte, bedeutete die Addition mutmaßlich einen Rekord. Laut Wikipedia stammt der aus dem Jahr 1983 und liegt bei 129 Kubikmetern. Die Addition aus Rur und Inde ergab jetzt in Jülich 138. Der WVER war am Sonntag für keine Stellungnahme zu erreichen.

Dauerregen sorgt für Überschwemmungen in der Region

Dafür war die Feuerwehr im Dauereinsatz. Und zwar an Gut Hasenfeld, auf dem Grundstück von Manuela und Sascha Erkens. Das bildet geografisch den Tiefpunkt der kleinen Siedlung. „Samstagmittag ging das los. Ohne die Helfer der Feuerwehr und des THW wären wir hier hilflos abgesoffen“, sagte Manuela Erkens. Für die Familie sind Probleme mit der Rur nichts Neues. Am Tiefpunkt des Grundstücks befindet sich mitten im Innenhof eine in den Boden eingelassene Kammer. Die ist extra dafür da, um Hochwasser aufzunehmen. Allerdings nicht, damit das Wasser da bleibt. Dafür ist sie viel zu klein. Sie soll dem Kopf der Pumpe genügend Platz bieten, damit das Wasser abgepumpt werden kann.

„Ab 2,70 Meter kriegen wir Probleme“, sagte Sascha Erkens zum Thema Pegelstand. 2011 sei das schon mmal so gewesen. Bei 2,70 Meter sei der Boden irgendwann so gesättigt, dass das Wasser an die Oberfläche gedrückt wird. Normal seien1,20 Meter. 2011 konnte die Familie sich selbst helfen. Bei 3,08 Metern wäre alles zu spät gewesen, wenn THW und Feuerwehr nicht zur Hilfe gekommen wären. Mehrere Tausend Liter haben die Helfer mutmaßlich pro Minute vom Grundstück runter auf ein benachbartes Feld gepumpt. Da waren sie mit drei Pumpen im Einsatz, die teils deutlich größer waren als die, die am Sonntag noch 800 Liter pro Minute wegschaffte.

„Uns fehlt da jedes Verständnis“, sagten die Erkens über die Wasser-Taktik des WVER. Noch am Vorwochenende hat der Verband die Ruhepuls-Menge von 7,6 Litern an der Staumauer Obermaubach abfließen lassen. Am Samstag waren es dann 90. „Beim WVER kennen sie die Wetterprognose. Das ist alles keine Überraschung. Warum erhöhen sie die Abgabemenge nicht schon vorher, statt dann so viel auf einmal?“ Im Zusammenspiel mit dem Inde-Hochwasser sei das für die Familie sehr folgenreich. Und fast wäre es noch schlimmer gekommen. Am Rurdamm hätten Samstag nur zwei Handbreit Wasser gefehlt, dann wäre nicht nur das Grundwasser ein Problem gewesen, sondern die Rur selbst.

Die Jülicher Feuerwehr kämpfte zudem in mehreren Kellern im Stadtgebiet. „Viele Menschen kennen die Situation, dass Hochwasser in der Rur den Druck auf das Grundwasser erhöht“, sagte Wehrleiter Swen Henseler. „Aber eben nicht alle. Auch bei uns in der Hauptwache mussten wir Wasser aus dem Keller pumpen.“

Viele nicht Betroffene nutzten das Hochwasser für einen Ausflug. Ältere diskutierten, ob sie die Rur derart breit und wild jemals erlebt hätten. Sie kamen zu keinem Ergebnis. Alle zückten sie ihre Kameras und Smartphones, um die ungewohnte Wassermasse zu fotografieren. Ein solches Bild wie bei Gut Hasenfeld, wo Rur samt Überschwemmungsgebiet deutlich breiter war als ein Fußballplatz lang, hatten sie alle noch nicht gesehen.

(jan)
Mehr von Aachener Nachrichten