Jülich: Hochseilklettergarten im Brückenkopf-Park bis nächstes Jahr gesperrt

Jülich: Hochseilklettergarten im Brückenkopf-Park bis nächstes Jahr gesperrt

Dieser Totalausfall ist umgangssprachlich ziemlicher Mist und hat buchstäblich auch damit zu tun: Der Hochseilklettergarten im Brückenkopf-Park ist schon seit März gesperrt und wird auch in diesem Jahr nicht mehr geöffnet werden können. Es gibt massiven Sanierungsbedarf, der sowohl die Geschäftsführung der Freizeiteinrichtung als auch Fachfirmen einige Zeit vor Rätsel stellte.

Park-Chef Hajo Bülles auf Anfrage unserer Redaktion: „Es ist ein Phänomen: Die Bäume dort wachsen schneller als anderswo.“ Was beim ersten Hinhören lapidar erscheint, hat bei dem Kletterparcours im Wald gleich neben der Festung unschöne Folgen: Sicherungsseile sind eingewachsen, Keile und Plattformen beschädigt oder regelrecht gesprengt. Der Ausbesserungsbedarf liegt bei fast 60.000 Euro.

Natürlich haben die Verantwortlichen in Jülich Experten von Fachfirmen mit dem „Phänomen“ konfrontiert, die laut Bülles auch ratlos waren. „Die Fachleute kennen solche Bilder nach 12 oder 15, nicht aber nach sechs Jahren. Ein Vertreter sagte, so was habe er noch nie gesehen.“

Kein Wunder der Natur...

Nun handelt es sich nicht um ein Wunder der Natur, wie nach vielen Wochen des Rätselratens per Zufall herauskam, sondern um eine durch und durch natürliche Ursache. Hans-Josef Bülles: „Wir haben darüber gesprochen, und das hat ein älterer Jülicher gehört. Er hat uns dann gleich berichten können, dass der Brückenkopf-Zoo dort über lange Zeit sämtlichen Mist abgekippt hat.“

Das war deutlich vor der Landesgartenschau der Fall. Das wurde von anderen Zeitzeugen bestätigt. Im Ergebnis kann man also feststellen, dass es sich um einen der bestgedüngten Bereiche der Herzogstadt handeln dürfte...

Was Außenstehenden ein Lächeln auf die Lippen zaubert, ist für die Brückenkopf-Park GmbH ein ernsthaftes Problem. Der Hochseilklettergarten ist im Rahmen der Euregionale 2008 errichtet worden und gehörte zu den ersten realisierten Projekten im Herbst 2007 — neben Jugendzeltplatz, Wohnmobilstellplatz und dem „Garten der Sinne“. Finanziert wurde er zum größten Teil aus Landesmitteln von über 100.000 Euro. Nach den scharfen Zuschussrichtlinien kann der Klettergarten nun nicht kurzerhand endgültig geschlossen werden, dann müssen die Landesmittel wohl rückerstattet werden, war auf Nachfrage bei der Kommunalaufsicht zu erfahren.

Also kommt eigentlich nur die teure Instandsetzung in Frage, die nach einem vorliegenden Angebot etwa 58.000 Euro kosten soll. Diese Offerte lag vor, nachdem der alte Aufsichtsrat als Folge der Kommunalwahl Ende Mai nicht mehr im Amt war; der neue wird in den nächsten Wochen noch offiziell gebildet.

Die Geschäftsführung aber dürfe nach GmbH-Recht Projekte über 50 000 Euro nicht ohne Billigung der Kontrollinstanz einfach beauftragen. In Summe eine missliche Situation. Außerdem ist seit Jahren bekannt, dass der Brückenkopf-Park als städtische Gesellschaft mit einem Budget auskommen muss, das „auf Kante genäht“ ist. 58 000 Euro außerplanmäßig reißen ein großes Loch in die Kasse.

„Nach den Sommerferien werden eine ganze Reihe von Podesten und Aufhängungen abgebaut“, kündigt Hajo Bülles im Gespräch mit der Redaktion an. Wenn der neue Aufsichtsrat grünes Licht geben sollte, soll die Erneuerung so schnell erfolgen, dass „mit der Klettersaison im Frühjahr 2015 wieder alles in Ordnung ist“.

Eine gigantische Einnahmequelle war der Klettergarten für den Park seit 2007 nicht, weil sich die Buchungen in Grenzen hielten und immer teures Sicherheitspersonal vonnöten war. Seit der Eröffnung des Gästehauses aber trudeln regelmäßig Anfragen von Gruppen ein, die dort klettern möchten. Das wäre ja bei all dem Mist wenigstens eine Perspektive.