Jülich: Historisches Zentrum ist Quantensprung

Jülich : Historisches Zentrum ist Quantensprung

Der Vorstand des Fördervereins Museum, der 1992 zur Wiedereröffnung der Kultureinrichtung gegründet wurde, bekommt weiblichere Züge.

Nach dem Ausscheiden des zweiten Vorsitzenden, Dipl. Ing. Heinz August Schüssler, der sich nicht mehr zur Wiederwahl stellte, bestimmten die Mitglieder der Jahreshauptversammlung dessen Tochter, die Jülicher Journalistin und Kunsthistorikerin Dorothee Schenk, einstimmig zu seiner Nachfolgerin.

Wie der im Amt bestätigte Vorsitzende Prof. Wolfgang Marquardt betonte, habe Schüssler als Gründungsmitglied die Geschicke des Vereins, der die Museumsarbeit ideell und finanziell unterstützt, „maßgeblich und sehr vielfältig geleitet“. Feierlich verabschiedet wird Schüssler anlässlich der Minervapreisverleihung, die am 10. oder 11. Dezember um 18 Uhr in der Schlosskapelle erfolgt. Der genaue Termin ist noch mit den Laudatoren abzustimmen.

In diesem Zusammenhang gab Marquardt den 13. Träger des Minervapreises bekannt. Damit zeichnet der Förderverein im zweijährigen Rhythmus Menschen aus, die sich im Spannungsfeld von Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft der Stadt und Region besondere Verdienste erworben haben. Nach dem Preisträger Haus Overbach in 2016 entschied sich die Findungskommission erneut für „keine Person“, sondern eine Institution aus dem Bereich Bildung, die „in all ihren Facetten“ geehrt werden soll. Die Wahl fiel auf die FH Aachen, inklusive des Jülicher Campus.

„Die Wirkung hier in Jülich ist der Grund, die FH Aachen auszuzeichnen“, betonte Marquardt. Beide Standorte ließen sich durch ihre wechselwirkenden Einflüsse aber nicht voneinander trennen.

Mit der turnusmäßigen Neuwahl wurde der Vorstand gleichzeitig um einen Beisitzerposten erweitert. Der neu gewählte Beisitzer heißt Wolfgang Hommel. Jeweils einstimmig bestätigt wurden neben Marquardt Geschäfts- und Schriftführer Dr. Egon Vietzke, Schatzmeister Udo Zimmermann sowie die Kassenprüfer Prof. Kurt Sturm und Dr. Peter Nieveler.

Der Förderverein Museum zählt 84 Mitglieder, ein leichter Mitgliederanstieg pro Jahr ist zu verzeichnen, „es könnten aber mehr werden“. Angeregt wurde eine „moderate Anhebung“ des Mitgliederbeitrags von aktuell 20 auf 30 oder 36 Euro jährlich, entschieden wurde darüber noch nicht.

Schwankungen in der Kasse

Durch Ankäufe von Gemälden oder Restaurierungsarbeiten des Museums erfährt der Kassenbestand des Fördervereins erhebliche Schwankungen, wie Udo Zimmermann humorvoll vortrug. Beim Geschäftsjahr 2017 handelte es sich um ein „ruhiges Kassenführungsjahr“.

Mit dem Start der schrittweisen Restaurierung des im 19. Jahrhundert unsachgemäßem übermalten „Herzöge-Bildes“ am 8. Juli erleidet die noch gut gefüllte Kasse erneut eine kräftigen Einschnitt. Hier wird die Originalsubstanz freigelegt und fachgerecht ergänzt — das Spannendste, was es laut Museumsleiter Marcell Perse in der Museumsarbeit gibt. In seiner begeisterten Art gab Perse detaillierte Einblicke in das „Potpourri an Museumsveranstaltungen“ im Zeichen des Silberjubiläums.

Ein Beispiel ist die Blickpunktausstellung „StolzGeprägt“, die ab dem 8. Juli vom Aufstieg des ersten Jülicher Herzogs Wilhelm handelt, der um 1357 neue Münzen prägen ließ. Eine dieser seltenen Münzen präsentiert das Museum mit anderen mittelalterlichen Münzen. Zweites Exempel ist die Ausstellung „Trink-Sprüche: Keramik der Renaissance“ im Oktober, in der die langfristige Leihgabe der Steinzeug-Sammlung von Karl und Petra Amendt im Blickpunkt steht.

Ein weiteres Thema Perses war der „Quantensprung“, den das Museum mit seinem Umzug in die ehemalige Realschule bewerkstelligt. Dort entstehe ein „historisches Zentrum“ mit allen Archiven unter einem Dach. Detailliert beantwortete der Museumsleiter die Frage nach dem „Zustand des Innenhofes“ der Zitadelle. Der Keller verfüge über „viel zu viel Feuchtigkeit“. Schimmel gefährde Menschen, Gemälde und nicht zuletzt die Standsicherheit der historischen Mauern.

Vor einer rosigen Zukunft

Perse versprach eine „rosige Zukunft“. Der Weg dorthin sei aber „von uns nicht beeinflussbar“. Zuletzt sei das Anliegen Landtagspräsident André Kuper beim Besuch in Jülich übergeben worden, eine Antwort liege indes noch nicht vor.

(ptj)
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