Jülich: Hildegard von Bingen fasziniert bis heute

Jülich: Hildegard von Bingen fasziniert bis heute

In einem Sonntags-Matinee der Jülicher Buchhändlerin Gudrun Kaschluhn ist den Zuhörern in der Stadtbibliothek eine Zeitreise in das Mittelalter ermöglicht worden.

Unter dem Titel „Das Leben und Wirken der Hildegard von Bingen” stellten Kaschluhn mit Heike Bobzin, Ellen Gürtler und Anne Müller Person und Zeit vor.

„Ich finde die Person der Hildegard von Bingen so faszinierend, da kaum eine andere Figur der Geschichte nach fast tausend Jahren noch so populär ist” erklärt Kaschluhn. Sie selbst sieht die universal begabte Klosterfrau nicht wie viele Historiker als Mystikerin, sondern als „visionäre Theologin” und „prophetische Lehrerin”.

Kaschluhn begründet dies in Hildegards Streben, nicht mit Gott „verschmelzen” zu wollen, sondern die Menschen über wichtige Dinge von Gott zu informieren. Nach der Begrüßung eröffnete Ellen Gürtler das Matinee mit dem Vortrag kirchlicher Gesänge aus der Zeit Hildegard von Bingens.

Im Anschluss berichtete Kaschluhn über die zahlreichen Bereiche, in denen Hildegard tätig war. Als Nonne beschäftigte sie sich ausführlich mit theologischen Fragen, verfasste selbst über 70 kirchliche Gesänge, war als Dichterin, Naturforscherin, Apothekerin, Ärztin, Äbtissin und Reformerin aktiv.

Zwischenzeitlich rezitierte Anne Müller vom Literaturkreis der VHS Texte, die von Hildegard von Bingen verfasst wurden. In ihrem anschließenden Vortrag beschrieb die Drogistin Heike Bobzin das Wirken von Hildegard bei der Analyse und medizinischen Verwendung von Heilkräutern. Beispielsweise wurde der Spitzwegerich damals schon als entzündungshemmende Arznei mit antibiotischen Eigenschaften genutzt.

In einer kurzen Pause hatten die Zuhörer die Gelegenheit, anhand von selbstgebackenen Dinkel- oder Ingwerplätzchen zusammen mit Bingener Wein Spezialitäten der damaligen Zeit zu kosten. Im weiteren Verlauf des Vortrages ging es um den Lebenslauf der Universalgelehrten, die in ihrer Zeit als Äbtissin einen regen Briefverkehr mit politisch und gesellschaftlich einflussreichen Personen unterhielt. Sie hielt sich in keinster Weise mit Kritik zurück, wurde aber trotzdem hochgeschätzt, unter anderem korrespondierte sie mit Kaiser Friedrich Barbarossa, dem englischen Königspaar und mehreren Päpsten und Bischöfen.

Als Reformerin versuchte sie die Liebe des Menschen zur Welt und die Sehnsucht nach dem Himmel miteinander zu vereinen und vertrat emanzipiert ihre Interessen in einer männlich dominierten Kirche. Das Publikum zeigte sich beeindruckt von den tiefen Einblicken in das Leben dieser bekannten Person.

Zum Abschluss betonte Kaschluhn die Aktualität von Hildegards Lehren, da sie für den Frieden mit der Natur, die Gerechtigkeit unter den Menschen und die Nächstenliebe eintrat und diese Werte auch in der heutigen Gesellschaft sehr wichtig seien.

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