Seit 42 Jahren Vereinsvorsitzender : Hermann Ramrath ist im Grunde der SV Siersdorf

Seit 42 Jahren Vereinsvorsitzender : Hermann Ramrath ist im Grunde der SV Siersdorf

Der SV Siersdorf, Fußballverein aus der Kreisliga B Düren, firmiert unter der Adresse Heidgasse 46 in Siersdorf. Das ist die private Anschrift von Hermann Ramrath. Dort ist er allerdings auch als 1. Vorsitzender beim Fußballkreis Düren erfasst.

In der Heidgasse ist ebenfalls der SV-Geschäftsführer „ansässig“, wie auch der Kassenwart und der Abteilungsleiter Herren des B-Ligisten. Was die Frage berechtigt: „Ist der SV Siersdorf Hermann Ramrath?“

Sportanlage Siersdorf, im Schleidener Thal. Der 78-jährige Hermann Ramrath ist dabei, den Getränkevorrat im Kühlschrank zu kontrollieren, wenn nötig, auch aufzufüllen. Auf die Frage zurück zu kommen, braucht Ramrath nicht lange zu überlegen. „Ja, so ungefähr ist es“, antwortet der ehemalige Industriekaufmann. Aber, er fügt direkt hinzu, dass es im Vorstand zurzeit zwei junge Nachwuchsleute gibt, die aber momentan in Urlaub seien. Die sehen auch, wie er selbst, jeden Tag im „Schleidener Thal“ nach dem Rechten.

„Sozusagen ist dies hier mein zweites Wohnzimmer“, erläutert der SV-Vorsitzende, stellt bei einem Rundblick fest, dass es auf „seiner“ Anlage einen großen Investitionsstau gibt. „Aber es ist leider kein Geld da, es müsste viel gemacht werden.“ So sind die Vorstandsmitglieder und auch die Spieler froh, dass sich die Gemeinde Aldenhoven nun einmal den Aschenplatz vorgenommen hat. Der wurde präpariert, mit einer neuen Schicht versehen und abgezogen. Ramrath hofft darauf, dass der Platz noch in diesem Jahr bespielbar ist. „Denn im Moment ruht jeglicher Fußballbetrieb in unserem Stadion. Wir tauschen im Moment die Heimrechte mit dem Gegner.“

Beim Blick auf den Rasenplatz ist das nicht verwunderlich. Der wird nur von einer Unzahl von Krähen angeflogen, Fußballbetrieb ist nicht möglich. Die Hitze des Sommers hat Spuren hinterlassen. Kein Grashalm ist zu sehen. „Dabei haben wir jeden Tag gewässert.“

Ramrath und insbesondere sein Stellvertreter Olcay Oral, der, so berichtet der Vorsitzende, „auch nachts noch den Sprenkler umgesetzt hat“, waren wochenlang im Einsatz.

Dass der SV-Vorsitzende der installierten Putzkolone für das Vereinsheim angehört, ist selbstverständlich. Dass er auch als Platzmarkierer tätig ist, keine Frage. „Ich bin halt ein Vereinsmensch, das bin ich von Jugend an.“

Hermann Ramrath blickt er auf eine Jahrzehnte lange Karriere in Diensten des Siersdorfer Fußballvereins, dem er seit 1949 angehört. Natürlich auch als Aktiver. „Ich habe alle Klassen durchgespielt. Aber nach einer schweren Knieverletzung war 1979 damit Schluss.“

Schon drei Jahre zuvor wurde ihm der Vereinsvorsitz angetragen. Da hatte er aber schon zehn Jahre lang als Geschäftsführer gearbeitet, alles aus Liebe zum Verein. Ramrath ist halt bodenständig, auch in seinem Berufsleben. 25 Jahre lang arbeitete er als Industriekaufmann bei einem Stolberger Unternehmen, danach 25 Jahre lang bei einer Firma in Eschweiler. „Da haben sie sich je die Rente wirklich verdient, sie waren 49 Jahre und neun Monate beschäftigt“, nötigte diese Leistung der Sachbearbeiterin bei der Bundesanstalt für Angestellte in Berlin Respekt ab.

Dass der 78-Jährige bei der anstehenden Neuwahl im Dezember seinen Posten dran gibt, daran ist kein Denken. Er wird wieder für den Vorsitz kandidieren, und er wird auch wieder gewählt. „Natürlich habe ich schon einmal daran gedacht, dass Amt aufzugeben. Aber ich habe noch keinen Nachfolger gefunden.“

So wird Hermann, wie er von allen im Fußballkreis genannt wird, dem Verein im Juni 2019 auch beim 100-Jährigen vorstehen. Ob er dann für diese 43-jährige ununterbrochene Tätigkeit als Vorsitzender besonders geehrt wird? „Ich weiß es nicht, denn ich habe schon alles bekommen, was möglich ist“, lacht er.

Dass eine solche „Vereinsliebe“ nur so intensiv gepflegt und ausgeübt werden kann, „wenn man den richtigen Partner hat“, bleibt nicht unerwähnt. „Meine Frau Edith ist natürlich auch ein SV-Fan. Sie wäscht zum Beispiel schon seit Jahrzehnten die Trikots der Spieler.“ Sie unterstützt ihren Hermann. „Wir kennen uns, seitdem sie 17 Jahre alt war. Sie ist ja nichts anderes gewohnt. Und was man nicht kennt, dies vermisst man auch nicht.“ Das verschmitzte Lächeln ist nicht zu übersehen.

Ehefrau Edith hat sich auch daran gewöhnt, dass Urlaube und Kurzreisen nur von montags bis donnerstags möglich sind. Warum? „Am Wochenende wird doch Fußball gespielt.“ So kann sich das SV-Urgestein auch nicht daran erinnern, schon einmal ein Spiel verpasst zu haben. Auch nicht auf des Gegners Platz.

Kegeln und Karten

Bleibt noch Zeit für andere Hobbys? Großes Lachen begleitet die Frage. „Ja, wenn möglich, bin ich für die beiden Enkel da.“ Früher wurde noch die Kugel geschoben. Aber der Kegelverein hat sich mangels Bahn im Heimatort, wo es früher 13 Kneipen gab, aufgelöst. „Jetzt treffen wir uns alle 14 Tage einmal in der letzten Dorfkneipe, spielen Karten.“ Einmal im Jahr steht dann noch ein gemeinsamer Städtetrip mit den alten Kegelbrüdern an. Montags bis donnerstags.

Wenn Hermann Ramrath denn einen Wunsch frei hätte, der wäre was? Da braucht er nicht lange zu überlegen. „Ich wünschte mir, dass sich für die Vorstandsarbeit beim SV noch einige Interessierte finden würden.“

(hfs.)
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