Jülicher Land: Hennes Weisweiler: Im Jülicher Land in bester Erinnerung

Jülicher Land: Hennes Weisweiler: Im Jülicher Land in bester Erinnerung

„Das darf doch wohl nicht wahr sein, ausgerechnet der, schoss es mir durch den Kopf, als der Ball im Netz landete“, erzählt Herbert Hüpgen, und die Augen des Köln-Fans nehmen wieder jenen Glanz an, der sich einstellt, wenn Anhänger der Geißbock-Elf an die glorreiche Zeiten denken.

Damals beim Endspiel um den DFB-Pokal am 23. Juni 1973 zwischen dem geliebten FC und der Mönchengladbacher Borussia war Hüpgen im Düsseldorfer Stadion live dabei, als Günter Netzer, der zu Real Madrid wechseln sollte, in der Verlängerung (93.) den Siegtreffer für die Fohlen-Elf schoss. Diese Szene ist den älteren Fußballfans in bleibender Erinnerung, denn gegen den Willen von Trainer Hennes Weisweiler hatte sich Netzer selbst eingewechselt. „Ich spiel dann jetzt“, sagte er zu Weisweiler. Es ist bis heute einer der legendärsten Momente des deutschen Fußballs.

Hennes Weisweiler mit der Meisterschale des 1. FC Köln in der Saison 1977/78. Foto: imago

Borussia und FC

Am 5. Juli jährt sich Weisweilers Todestag zum 30. Mal. Der gebürtige Lechernicher hat als Trainer dem Fußball und besonders der Bundesliga seinen Stempel aufgedrückt. Vom VfR Flamersheim kommend, begann seine Karriere 1949/50 beim 1. FC Köln, bei dem er später noch zweimal anheuerte — von Juli 1955 bis zum Juni 1958 und von Juli 1976 bis zum April 1980. Mit einer Erfolgsquote von 50,3 Prozent gewonnenen Spielen (23,8 Prozent Unentschieden, 25,9 Prozent Niederlagen) zählt er zu den erfolgreichsten Fußballlehrern der Bundesligageschichte. Bemerkenswert ist auch die relativ lange durchschnittliche Verweildauer von 3,68 Jahren bei Vereinen, bei denen er unter Vertrag stand.

Auch wenn Hennes Weisweiler die meiste Zeit bei den Borussen tätig war (1964 - 1975), bleibt sein Name stets mit dem rheinischen Rivalen aus Köln verbunden. Inzwischen steht der achte Geißbock als Maskottchen in den Diensten der Domstädter, alle wurden auf den Namen Hennes getauft, und so wird es bleiben, solange der Dom steht. In der Chronik des FC ist vermerkt, dass 1950 Zirkusdirektor Johann Thelen dem Verein einen jungen Geißbock während einer Karnevalssitzung überreichte, damit die Fußballer endlich auch einen Glücksbringer hätten. Hennes Weisweiler war zu dieser Zeit Spielertrainer. Die kölsche Legende besagt, dass das Tier vor lauter Angst den Trainer anpinkelte und damit seinen Namen hatte.

„Woran denkst Du beim Namen Hennes Weisweiler?“ Sabine Jacobs aus Hompesch fasst es spontan zusammen: „Borussia Mönchengladbach, er war ein Original, Geißbock“ und fragt verwundert: „Ist es wirklich schon 30 Jahre her?“ Carmen Tuchscherer vom Fanclub „FC-Echo“ erinnert sich an einen „streitbaren Geist“ und als original kölsch Mädsche natürlich an den Pokalsieg 1977 und das Double 1978 ihres FC unter Coach Weisweiler. Für Peter Wirtz aus Titz ist Weisweiler „einer der besten Trainer, die es je im deutschen Fußball gab“ und der Mann, der die Fohlen-Elf prägte. Denn der oft als knorrig empfundene Meistermacher hatte ein Händchen für junge Talente, die ihn teilweise gar als Vaterfigur wahrnahmen.

Voller Respekt schreibt Günter Netzer in seiner Autobiographie: „Weisweiler hatte aus diesem Provinzklub vom linken Niederrhein überhaupt erst eine nationale und europäische Größe gemacht, und seine Vorstellung von Fußball war die Grundlage dafür gewesen, dass man uns verklärte und zum Mythos erhob.“

(jago)
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