Heinz Kieven (84) erinnert sich an den 16. November 1944 in Welldorf.

Erinnerungen an den 16. November 1944 : „Es waren viele Flugzeuge zu sehen“

Zum 16. November 1944, als Jülich in Schutt und Asche gebombt wurde, hat uns der Augenzeugenbericht erreicht, den Heinrich Kieven (Jahrgang 1934), der damals mit seiner Familie in Welldorf lebte und heute in Gevenich wohnt, mit der Hilfe von Michael Hecker aufgezeichnet hat.

Kieven beschreibt diesen Tag insofern aus der Distanz, auch wenn Ortschaften wie Welldorf ebenfalls von dem furchtbaren Luftangriff betroffen waren.

„Mein Onkel Johann hat ab etwa 1942 den Hof alleine bewirtschaftet. Meine Onkel Adam, Peter, Franz und Ferdinand waren damals als Soldaten an der Front, die beiden letztgenannten sind vermisst. Sie kamen im Sommer zum Ernteurlaub nach Welldorf.

Zur Feldarbeit haben wir seinerzeit keine Butterbrote mitgenommen. Wir haben frisches Gemüse gegessen, etwa Rübchen, die eigentlich als Viehfutter angebaut wurden. . Da wir sehr katholisch waren, haben wir nach der Ernte „Großer Gott, wir loben Dich“ mit unserer Mutter gesungen.

Am 16. November 1944 waren bereits am frühen Morgen sehr viele Flugzeuge in der Luft zu sehen. Wir konnten aber nicht unterscheiden, ob das deutsche oder feindliche Flieger waren. Am Nachmittag bin ich mit meinem Bruder Hubert ins Feld hinter der kleinen Kapelle gegangen. Dort sollten wir die restlichen Kartoffeln aufsammeln, die bei der Ernte liegengeblieben waren. In der damaligen Not wurde natürlich alles Essbare verwendet. Zudem waren wir sieben Kinder!

Als wir auf dem Feld waren, kamen immer mehr Flieger. Dann sind wir in die kleine Kapelle gelaufen. Es wurde immer heftiger. Brandbomben fielen und wir hörten, wie die Bomben schließlich explodierten.

Nach dem Angriff sind Hubert und ich nach Hause gerannt. Bei uns im Garten, in der Wiese sowie auf dem Hof waren Brandbomben gefallen. Diese habe ich mit Onkel Hein (Heinrich Kieven) gelöscht.

Brände mit Jauche gelöscht

Onkel Hein war bei der Bahn in Ameln und Welldorf als Rangierer beschäftigt. Da wir kein Wasser hatten, haben wir die Brände mit der Jauche aus unserem Plumpsklo bekämpft. Ich habe die Jauche mit einer Schöpfkelle – Töllmet genannt – herausgeholt und in Eimer gefüllt. Als das Onkel Hein zu langsam ging, hat er den Eimer direkt ins Klo getaucht! Zum Glück war unser Haus nicht getroffen worden. Währenddessen saß meine Mutter mit meinen sechs Geschwistern im Keller unseres Hauses.

Mein Vater arbeitete damals in Jülich in der Lederfabrik Köhnen. Nach dem Angriff kam er erst nicht nach Hause. Daher machten wir uns große Sorgen und waren unendlich glücklich, als er später doch noch heimkam. Er war in Jülich im Keller der Lederfabrik mit Arbeitskollegen verschüttet gewesen.“

Später ging es für die Familie Kieven in die Evakuierung, doch das ist wieder eine andere Geschichte.

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