Jülich: Hausbesitzer in der Dicht-Pflicht

Jülich: Hausbesitzer in der Dicht-Pflicht

Ein simpler Rechtsgrundsatz kostet jeden Hausbesitzer in Jülich in den nächsten Jahren mindestens 300 bis 500 Euro. Sachverständiger Markus Schlüter formulierte ihn am Donnerstag im Jülicher Rathaus: „Private Abwasserleitungen müssen dicht sein.” Die Dicht-Pflicht sozusagen.

Der ordnungsgemäße Zustand des Hausanschlusses sowie des Kanals, der bis unters Fundament reicht, ist von Sachkundigen zu prüfen und zu bescheinigen, was die genannten Kosten verursacht. Die Stadt Jülich hat dazu eine Satzung entworfen, die über Jahre (Ende 2012 bis Ende 2023) haarklein regelt, in welcher Straße diese Dichtheitsprüfung erfolgen muss.

Die Reihenfolge wurde nicht willkürlich festgelegt. Die Straßen mit den ältesten Kanälen, die mutmaßlich Schäden aufweisen, machen den Anfang. Von den zwölf Bereichen, die das Tiefbauamt festgelegt hat, machen die „Kernstadt I (Heckfeld)” sowie der Ortsteil Koslar den Anfang. Hier sind die Prüfungen bis 31. Dezember 2012 nachzuweisen. Im Jahrestakt geht´s weiter: Die „Kernstadt II (Am Blauen Stein)” und Merzenhausen sind bis Ende 2013 an der Reihe. Die meiste Zeit haben Eigentümer in Welldorf und Güsten (2023).

Diese Einteilung wurde nun im Fachausschuss diskutiert und weitgehend gebilligt. Die Stadt hat wie alle NRW-Kommunen zwei Möglichkeiten: Die Anforderungen bis Ende 2015 für das gesamte Stadtgebiet zu erfüllen - oder eben zeitlich gestreckt bis 2023, aber früher beginnend. Tiefbauamtsleiter Robert Helgers konnte die Anregung von Matthias Hoven (Jül) nachvollziehen, die Prüfungen zwar zu staffeln, aber erst 2015 beginnen zu lassen. Das geben Gesetz und Erlass aber nicht her.

Über die Dichtheitsprüfungen hat die Verwaltung mehrfach informiert. Einige Hauseigentümer wissen, was Sache ist. Nämlich immer dann, wenn die Stadt selbst größere Kanalarbeiten ausführen ließ, setzte sie die Anwohner in Kenntnis, dass der Zeitpunkt günstig ist, die Hausanschlüsse freiwillig kostenpflichtig überprüfen zu lassen. Das bleibt so, betrifft aber nicht alle, weil die Stadt ja nicht das komplette Kanalnetz saniert.

Insofern muss sich nun jeder Eigentümer informieren, wann seine Straße an der Reihe ist, und nach einem Sachkundigen Ausschau halten. Hier ist Vorsicht geboten, denn die Behörden rechnen mit „Kanal-Haien”, die es nicht nur bei der Überprüfung mittels Fernsehkamera belassen, sondern gleich auch teure und eventuell überflüssige Sanierungen verkaufen wollen. Klar ist: Werden Schäden festgestellt, müssen auch diese kostenpflichtig behoben werden. Je nach Schadensbild ist sofortiger Handlungsbedarf oder eine Frist von 12 bis 24 Monaten gegeben.

Daher gibt es eine Liste mit zugelassenen Sachkundigen, die im Internet auf der Seite des Landesumweltamtes zu finden ist. Auskünfte hierzu und zu weiteren Fragen erteilt das Tiefbauamt der Stadt, Telefonnummer 63-274.