Betrifft insbesondere Alleinstehende: Haben Personen ein Recht aufs Vergessenwerden?

Betrifft insbesondere Alleinstehende : Haben Personen ein Recht aufs Vergessenwerden?

Mitte Juni wurde ein Denkmal für anonym Beerdigte auf dem Friedhof Merscher Höhe enthüllt. Die Namen der Verstorbenen werden dort auf einer Tafel angebracht. Die Absicht dahinter ist löblich: Die Initiatoren der Stele möchten, dass niemand spurlos von dieser Erde verschwindet.

Aber wie so oft stellt sich auch hier die Frage nach dem Datenschutz. Dürfen die Namen der Verstorbenen überhaupt so öffentlich präsentiert werden? Dazu ist es zunächst wissenswert, wer anonym beigesetzt wird. Zum einen sind das Personen, die keine Angehörigen haben und bei denen sich das Ordnungsamt um das Begräbnis kümmert. Zum anderen kann eine Person auch selbst zu Lebzeiten für sich eine anonyme Beerdigung veranlassen. So will der Einzelne den Angehörigen damit beispielsweise die Kosten eines Begräbnisses oder der Grabpflege ersparen.

Eigentlich sind dabei die Regelungen zur Namensanbringung recht simpel: Nur dessen Name darf angebracht werden, bei dem ein schriftliches Einverständnis vorliegt. Das kann vom Verstorbenen selbst vor seinem Tod gegeben werden oder auch von Angehörigen stammen. Wer also eine anonyme Beerdigung wünscht und seinen Namen nicht angebracht haben möchte, der braucht vorher schlicht kein Einverständnis geben. Die anonymen Bestattungen blieben weiterhin gewahrt, wie auch die Jülicher Stadtverwaltung versichert.

Selbiges gilt natürlich auch für Verstorbene ohne Angehörige, allerdings gestaltet sich hier die Sache etwas schwieriger. Denn bei ihnen liegt in den seltensten Fällen ein solches Einverständnis vor. Dadurch entsteht hier ein Dilemma: Sinn der Stele auf dem Friedhof Merscher Höhe ist es ja, genau diese Menschen mit einer Namensplakette würdig vor dem Vergessenwerden zu bewahren. Woher aber ist bekannt, ob sie überhaupt mit der Namensnennung einverstanden wären? Wäre es nicht möglich, dass jemand das Gefühl hat, dort mit seiner Einsamkeit bloßgestellt zu werden?

„Erinnerung vor Datenschutz“

Pfarrer Josef Wolff von der Pfarrei Heilig Geist, die die Organisation der Erinnerungstafel übernommen hat, äußert dazu eine klare Meinung: „Mir persönlich ist die Erinnerung an diese Personen wichtiger als der Datenschutz“, sagt er. Wer also ohne Angehörige stirbt, muss damit rechnen, dass sein Name dort angebracht wird. Allerdings auch nur der Name und keine weiteren Daten, wie Wolff betont. Er möchte die Menschen vorm Vergessenwerden bewahren. Es gebe viele solcher wertvollen Erinnerungsprojekte. Die Verstorbenen etwa auf Soldatenfriedhöfen seien auch nie gefragt worden, ob ihre Namen dort stehen dürften, so Wolff.

Sollte jemand an der Praxis allerdings Anstoß nehmen, würde Wolff im Zweifelsfall  bestimmte Namensplättchen auch jederzeit wieder entfernen. „Ich möchte kein öffentliches Ärgernis erregen“, stellt der Pfarrer klar, „wir möchten Menschen Gutes tun.“ Bisher gab es auch nur positive Rückmeldungen zu der Erinnerungsstele. Viele Angehörige haben sich in den letzten Wochen gemeldet und rückwirkend für einen Verstorbenen ein Namensplättchen an dem Denkmal anbringen lassen.