Gymnasium Zitadelle Jülich: Ein Schul-Innenhof des Schreckens

Gymnasium Zitadelle Jülich : Ein Schul-Innenhof des Schreckens

Der Innenhof der Jülicher Zitadelle bleibt eine Problemzone. In den Sommerferien ist das große Baustellenloch im Zentrum des Gymnasiums Zitadelle zwar verfüllt worden. Darauf hatten Schule und Stadtverwaltung lange gedrängt. Statt des erhofften lauschigen Plätzchens ist allerdings eine Steinwüste entstanden.

Das Thema kam ganz beiläufig zur Sprache auf der jüngsten Sitzung des Jülicher Ausschusses für Kultur, Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing. „Wie geht das im Innenhof weiter“, fragte CDU-Ratsherr Marco Johnen. „Bleibt das eine solche Steinwüste?“ Als Bürgermeister Axel Fuchs (parteilos) seine Antwort so gar nicht auf Behördendeutsch begann, wurde im Ratssaal schnell klar, dass die Art, auf die der Innenhof neu gestaltet worden war, in der Verwaltung keine Begeisterungsstürme ausgelöst hatte. „Ja, der Innenhof“, sagte Fuchs, machte dann eine längere Sprechpause. Möglicherweise, um sich eine nicht ganz so drastische Formulierung zu überlegen. „Mit der Umsetzung sind wir nicht ganz zufrieden“, schob er hinterher, um dann im Klartext anzukommen. „So kann das nicht bleiben.“

In dieser Woche habe es einen Termin vor Ort gegeben und eine Mitteilung der Bezirksregierung. Die Stadt Jülich könne in Eigenregie und auf eigene Rechnung den Innenhof aufwerten. Voraussetzung sei, dass das Regenwasser aufgrund eines eingebauten Gefälles weiterhin in der Mitte der Fläche versickern kann. Weiter berichtete Fuchs, dass auch die zuständigen Mitarbeiter der Landesregierung – die Zitadelle ist Eigentum des Landes – überrascht worden seien von der Art, auf die der Innenhof gestaltet worden ist.

Das alles ändere aber nichts daran, dass die Stadt jetzt gefragt sei, wenn sie die Steinwüste in das verwandeln will, was der Platz früher einmal war: repräsentativ und für ein paar Momente der Entspannung geeignet. „Wir sind jetzt in der misslichen Lage, dass wir auf eigene Kosten etwas ausbessern müssen, das wir selbst nicht verschuldet haben“, sagte Fuchs. Warum der Innenhof in eine Steinwüste umgewandelt worden ist, dazu könne er im öffentlichen Teil der Sitzung keine Angaben, sagte der Bürgermeister.

So sah der Innenhof im Winter 2013 aus, kurz vor dem Beginn der archäologischen Ausgrabungen. Foto: Volker Uerlings

„Wir müssen uns jetzt als Stadt die Frage stellen, ob wir das so lassen wollen“, erklärte er. Die Antwort schwebte mutmaßlich schon in den Zwischenzeilen mit. Nein. Der Innenhof ist nicht nur ein Pausenhof für das Gymnasium, sondern auch quasi die Kulisse für Kulturveranstaltungen und Feiern wie Hochzeiten in der Schlosskapelle. Fünf Jahre lang war die Szenerie von Bauzaunromantik geprägt, jetzt herrscht steinerne Tristesse. Erste Ideen für eine Verschönerung auf eigene Kosten seien bereits angefragt worden.

Bis Anfang 2014 standen Linden im Innenhof der Zitadelle. Die mussten gefällt werden. Anschließend führten Probegrabungen, mit denen die Ursache für die Feuchte an den Innenmauern im Kellerbereich gefunden werden sollte, zu archäologischen Funden. Angefangen im 19 Jahrhundert endeten die lange andauernden Ausgrabungen schließlich im frühen Mittelalter und sogar bei den Römern.

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