Jülich: Grüne verlangen Schlichtungsstelle auch für Tagebau-Geschädigte

Jülich: Grüne verlangen Schlichtungsstelle auch für Tagebau-Geschädigte

Im seinem Partykeller ist dem Jülicher Hans-Gerd Linneweber längst nicht mehr so recht zum Feiern zumute. Hier zeigte sich, wo heute die Eckbank steht, der erste Diagonalriss an der Wand des 1957 in der Aldenhovener Straße gebauten Hauses. Im März 1992 wurden zwölf Schäden protokollert. Inzwischen steht das Haus schief.

Für Linneweber ist der Fall klar: Es sind Bergschäden. Doch RWE Power „macht nur die Risse im Keller zu”, sagt der Jülicher bei einem Ortstermin mit dem Landtagsabgeordneten Reiner Priggen (Grüne), Aachen, und dem Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer (Grüne), Düren. Mit von der Partie sind der Bergbau-Sachverständige Peter Immekus, Bergheim, und die Rechtsanwältin Doris Vorloeper, Bergheim.

Krischer, von Beginn an ein Gegner der Stromgewinnung aus Braunkohle, war früher davon ausgegangen, dass RWE Probleme wie bei Linneweber „zur allgemeinen Zufriedenheit regelt”. Doch mittlerweile ist er zu der Erkenntnis gekommen: „Das funktioniert in dieser Weise so nicht.”

Die Auseinandersetzung mit dem Energieriesen ist, so Linneweber, „nervlich und finanziell” ein Unterfangen, das „für Durchschnittsbürger nicht zu stemmen” ist. Denn man müsse mit 10.000 bis 20.000 Euro kalkulieren. Seit mittlerweile 1992 bemüht sich Linneweber um eine Regulierung der Schäden.

Deshalb plädieren Priggen, der mit dem Abgeordneten Josef Wirtz (CDU), Schophoven, im Unterausschuss Bergbausicherheit des Landtags sitzt, und Krischer, dass die NRW-Schlichtungsstelle für den untertägigen Steinkohlenbergbau, Essen, auch Anlaufstelle für Tagebau-Geschädigte wird.

Dass „viele Bürger” wie Linneweber zum Verband der bergbaugeschädigten Haus- und Grundeigentümer (VBHG), Herten, „kein Vertrauen haben”, dafür hat Priggen Verständnis. Der VBGH, der sich jüngst noch als erste Anlaufadresse empfohlen hatte, sei „ganz nah” an RWE Power, „das geht nicht gut”.

Für den Landtagsabgeordneten ist klar, dass die Hebungen und Senkungen entlang der tektonischen Störungen - das sind Bruchstellen an der Erdoberfläche - verantwortlich sind für die Schäden durch den Steinkohlen- und den Braunkohlenabbau.

Aktiviert werden diese Schwachstellen durch Grundwasserentzug während des Abbaus und Grundwasserwiederanstieg nach Betriebsende, wenn die Pumpen abgestellt worden sind.