Rödingen: Großes Interesse am Jiddisch-Schnupperkurs in Rödingen

Rödingen : Großes Interesse am Jiddisch-Schnupperkurs in Rödingen

Fröhlich singend startete der völlig ausgebuchte Jiddisch-Schnupperkurs unter Leitung von Dozentin Dr. Diana Matut im LVR-Kulturhaus Landsynagoge Rödingen. „Gut morgn, lomir zingen gut morgn, lomir schrayen gut morgn. Zogt shoyn, kinderlkh, gut morgn“, lautete der Text, den 40 Teilnehmer aus Nah und Fern sogleich mühelos mitsangen.

Diese saßen dicht gedrängt an den Tischen in der ehemaligen Synagoge, um mit ihren Arbeitsmaterialien „an einem Sonntag geistige Arbeit zu tun, wenn auf Sommerzeit umgestellt wird“. So drückte Judaistin Monika Grübel ihre Anerkennung aus.

Bringt in lebendiger Manier ihren Workshopteilnehmern das „Ostjiddisch“ nahe: Dr. Diana Matut, Dozentin für Jüdische Studien in Halle. Foto: Jagodzinska

Besucher aus Bonn und Brühl hatten sich sogar als Fahrgemeinschaft zusammengetan, um nach Rödingen zu gelangen. Matut unterrichtete das sogenannte „Ostjiddisch“, eine Literatursprache mit slawischer Komponente, das „bis heute überlebt hat“, während das Westjiddisch mit italienischen und französischen Elementen den jeweiligen Landessprachen weichen musste.

Letzteres entwickelte sich nämlich aus dem Aufeinandertreffen von Hebräisch/Aramäisch, Mittel(alt)französisch und Vulgärlatein/frühem Italienisch. „Mit Ostjiddisch kommen Sie überall durch“, ermunterte die Dozentin ihre fleißigen Schüler, zu Hause den dicken Packen Papier nachzuarbeiten.

Nähe zum Deutschen

Die größte Nähe zum Deutschen hat das polnische Jiddisch, zum Beispiel im Satz: „Ich bin gewen“ (gewesen). Während das Nachsprechen kaum Probleme mit sich brachte, erwiesen sich die „Oyses“, die jiddischen Buchstaben, als größere Herausforderung. Jiddisch wird nämlich „immer in hebräischen Buchstaben geschrieben, lateinische Buchstaben sind eine Transkription“, betonte Matut. Im Vorteil waren hier diejenigen, die bereits hebräische Buchstaben schreiben können und gleichzeitig der deutschen Sprache mächtig sind. „Kein Israeli kann das lesen“, stellte Raaman Schönfeld aus der jüdischen Gemeinde in Aachen heraus, der aus Interesse den Workshop verfolgte.

Das jiddische Alphabet, das wie Hebräisch von rechts nach links geschrieben wird, ging los mit gleich drei „aleph“ (a). Das „shtumer aleph“ (stumme a), das vor Vokalen oder Diphthong (Doppelvokal) gebraucht wird und einem „IC“ ähnlich sieht. Das „pasekh aleph“ (a), ähnlich dem „IC“ und das „komets aleph“ (o), hier befindet sich ein kleines T unter dem C. Eifrig schrieben die Workshopteilnehmer die Buchstaben handschriftlich von rechts nach links in die Arbeitsblätter und in Eigeninitiative die ersten kleinen Wörter auf ihre Blätter: „Geh“, „Tee“, „Wob“ (Wabe) oder „Wag“ (Waage), gefolgt vom ersten Satz: „A Hut tut gut“.

Übersetzen und Lieder singen

Nach der Mittagspause übersetzten und sangen sie ihr ersten jüdisches Lied mit skurrilem Inhalt. „Ich kam hier allerdings an meine Grenzen“, gestand eine Workshop-Teilnehmerin freimütig ein, der die hebräischen Buchstaben zuvor völlig fremd gewesen waren.

Traditionell folgte am Nachmittag ein Vortrag. Die Jiddisch-Dozentin referierte zum Reichtum des jiddischen Films mit einem Gang durch die Jahrhunderte unter dem Titel „Mehr als shmalts und shtetl“.

Diana Matut begeisterte bereits am „Europäischen Tag der jüdischen Kultur“ im September 2016 im LVR-Kulturhaus in einem sehr erfolgreichen „kleinen Gang durch die jiddische Sprachgeschichte“. Im anschließenden Konzert zeigte sie vor zwei Jahren ihre musikalische Seite.

Matut publiziert viel und ist unter anderem Dozentin am Seminar für Jüdische Studien der Uni Halle-Wittenberg.

(ptj)
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