Jülich: Groß wie noch nie: Die Jülicher Bücherbörse

Jülich : Groß wie noch nie: Die Jülicher Bücherbörse

„Wenn Sie Interesse haben an dem alten Buch, legen Sie es nicht mehr weg“. Das sagte Adelheid Brechtken, die mit ihrer Schwester Renate Jessen bei der 30. Bücherbörse des Jülicher Geschichtsvereins in Zusammenarbeit mit dem Museum Zitadelle und dem Förderverein Stadtbücherei im PZ der Zitadelle ausstellte.

Die Frauen sprachen von der „heimeligen Welt des 19. Jahrhunderts“ und hatten unter vielem anderen zwölf Bände der vierten Auflage von „Meyers Konversationslexikon“ von 1885 bis 1888 im Gepäck oder diverse liebevolle Illustrationen aus den Lesebüchern von Ludwig Richter (1803 bis 1884). „Das waren damals unsere Lesebücher“, sagte Brechtken, die ab 1946 die Schulbank drückte. „Um die heutige Zeit wertzuschätzen, muss man einen Vergleich haben“, fügt Jessen hinzu. Und diesen nachfühlbaren Vergleich erhalte man ihrer Meinung nach nicht aus dem Internet. In Buchbänden haben die Frauen ferner antiquarische Theaterkarten, Totenzettel und sogar eine Rechnung aus dem einstigen Samenhandel „Savelsberg“ gefunden, wie sie angerührt berichteten.

Hermann Petry aus dem Förderverein Stadtbücherei präsentierte ein Buch über Elsa Brändström, bekannt als „Engel von Sibirien“, weil sie sich besonders für deutsche und österreichische Gefangene in den russischen Gefangenenlagern des Ersten Weltkrieges einsetzte. Petry zeigte sich deshalb besonders angesprochen, weil sein Vater (1891 bis 1972) Brändström zweimal an der Ostfront begegnet war.

Drucke, Zeichnungen, Postkarten, Wochenzeitschriften, alte Geldscheine und ein breit gefächertes Angebot an Heimatliteratur aus (wirtschafts)politischer, kunsthistorischer oder auch religiöser Sicht und „Lebenserinnerungen“ aus dem Jülicher und Aachener Land charakterisierten die Jubiläumsbörse. Mit dabei waren auch wenige englische und französische Exemplare, etwa „The Armies of the Warsaw Pact Nations“ von Friedrich Wiener oder „Le costume et les armes des soldats de tous les temps“ (Uniform und Waffen der Soldaten aller Zeiten) von Liliane und Fred Funcken.

„Die Schildkröte“

Nett ist auch der Beitrag „vom Goldenen Humor in Bild und Wort“ aus der Zeit der Weimarer Republik von Ernst Wiese. Darin schreibt etwa Christian Morgenstern in seinem Gedicht „Die Schildkröte“: „Ich kenne nicht das Todes Bild und nicht des Sterbens Nöte: Ich bin die Schild — ich bin die Schild — ich bin die Schild — krö — kröte“. Nachdenklich machte ein großes gerahmtes Gemälde mit einem Engel, der einen gefallenen Soldaten segnet, mit der Überschrift „Wir wollen auch unser Leben für die Brüder lassen“. Zum Angebot des Bürgerbeirats Historische Festungsstadt zählten auch zwei je 100 Gramm schwere Medaillen aus 999 Feinsilber zum 200. Jahrestag der Grundsteinlegung des Napoleonischen Brückenkopfes Jülich, Restposten aus einer Auflage von 150 Stück.

Der Jülicher Geschichtsverein hielt sogar einen Angebotstisch bereit: „Wir brauchen Platz! Aus unseren Beständen geben wir kostenlos Bücher ab. Über eine kleine Spende würden wir uns freuen“, war auf einem Zettel zu lesen. „Es geht um den Umzug in die Realschule, wo wir weniger Raum haben“, gab Michael Greve Hintergrundinformationen. Deswegen sind auch unsere Auflagen nicht mehr so hoch“, der JGV habe diese von 800 auf 500 reduziert. Im Übrigen habe der Verein „70 breit gestreute Schriftenaustauschpartner bis in die Niederlande“, setzte er nach. „So viele Aussteller hatten wir noch nie“, freute sich Museumsleiter Marcell Perse. Was Geschichtsvereinsvorsitzender Guido von Büren bestätigte: „Mit über 20 Ausstellern sind wir genau zum Jubiläum die bestbesetzte Bücherbörse“.