Grenzlandtheater inszeniert "Der Geizige" in Jülich

Frische Inszenierung : Umjubelte Aufführung des Grenzlandtheaters mit Molières Komödie „Der Geizige“

Alten Stoff in neuem Kleid zu verarbeiten ist immer ein Wagnis. Dem Grenzlandtheater Aachen und der Regisseurin Catharina Fillers gelang diese Gratwanderung bei der Aufführung von Molières „Der Geizige“ vorzüglich.

Die Tragikomödie, die bereits 1668 in Frankreich uraufgeführt wurde, hat in ihrer inneren Thematik noch nichts an Aktualität verloren, wenn auch die Handlung um das Thema „Geiz“ sowohl vorhersehbar wie hinreichend bekannt ist. Echte Liebe, Geiz und Gier sind aber auch heute Themen, die im menschlichen Zusammenleben leider immer noch präsent sind.

Dem spielfreudigen Ensemble gelang es bestens, diese Geschichte von Molière in der Jülicher Stadthalle mit gekonnter Komik und großer Heiterkeit erleben zu können.

Ein riesiger gelber Sessel diente als Bühnenausstattung, der jedoch alle Möglichkeiten des turbulenten Agierens offenhielt. Mit akrobatischem Können und guter Kondition turnten die Akteure je nach Bedarf mit großer Wendigkeit auf ihm herum. Die Schauspieler waren in fantasievollen schwarzen Barock Gewändern, roten riesigen Perücken, bunten Strümpfen und Turnschuhen zwar recht einheitlich gekleidet, durch feine, aber deutliche Details schon in ihren Charakteren äußerlich erkennbar. Der Hauptdarsteller Harpagon hob sich optisch durch farblich abweichende, dezent hervor lugende graue Arbeitsunterwäsche und einen hellen Morgenmantel ab.

Gut gelöst war auch die ständige Präsenz des Geldes, das in einem roten Kissen ständig im Mittelpunkt des Geschehens war, und dessen Bewegungen akustisch untermalt wurden.

Ganz einfach eigentlich die Handlung. Der geizige Harpagon, meisterlich und temperamentvoll gespielt von Charles Ripley, hat nur sein Geld im Kopf und ist ständig in Angst, es könnte ihm abhandenkommen. Selbst seinen Kindern Cléante (Martin Krah) und Elise (Johanna Steinhauser) misstraut er. Sie leiden wie auch alle Angestellten des Hauses unter seinem Geiz, mit dem er das Vermögen mehren will. Beide sind verliebt, aber die Tochter soll einen reichen alten Mann heiraten und die Braut des Sohnes hat der Geizige als seine eigene Zukünftige auserkoren. Aber Claire liebt Valère (Bernhard Glose), und der Sohn Cléante ist durchaus nicht bereit, sein Glück dem egoistischen Vater zu opfern. Er will seine versprochene Braut Mariane (Christine Schaller) selbst heiraten. Mittendrin der Diener Jaques (Marius Schneider), der für Unfrieden sorgt und sich mit Valère gekonnt Raufszenen liefert. Das Spiel nimmt seinen Lauf, und der klugen Kupplerin Frosine (Eva Horstmann) gelingt es, mit Intrigenspiel den Geizigen zu überlisten und alle, auch sich selbst, zu Geld und Glück zu bringen.

Mit Live-Musik (Leitung Matthias Manz) wurden einige brisante Szenen musikalisch passend untermalt. Die Geldverliebtheit des Geizkragens wurde auf Ukulele, Flöte und Gitarre mit „Je t´aime…moi non plus“ untermalt, die scheinbare Ausweglosigkeit der Situation bekam musikalischen Ausdruck mit dem Titanic-Titelsong, der Verlust des Geldes wurde mit einem mehrstimmigen Kyrie betrauert. Ausdrucksstarke Pantomime, herrliche Grimassen und Slapstick-Szenen wie der Kampf um die Häppchen unterstrichen die Handlung.

Das Grenzland Theater Aachen schaffte wieder einmal den schwierigen Spagat, alte Stücke so zu inszenieren, dass sie in unsere heutige Zeit passen, unterhaltsam sind, aber der Kern Wahrheit in der Aussage und Thematik deutlich wird.

Das Ensemble war genial zusammengestellt. Die große Spielfreude bei allen Akteuren, das rasante Tempo ihres Spiels mit großem Körpereinsatz und sprachlicher Finesse in den Dialogen, die homogene Inszenierung und die musikalischen Beigaben der Instrumentalisten und der Abschlusssong von Harpagon „Money“, gemeinsam mit dem ganzen Ensemble gesungen, machten den Abend zu einem runden Theaterspaß.

Frenetischer Applaus, Bravo Rufe und viele, „Vorhänge“ zeigten, wie großartig die Aufführung war und wie gut sie dem Jülicher Publikum gefallen hat.

(hivi)
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