Gedenken an Pogromnacht wird mit Projekt verknüpft

Gedenken an Pogromnacht : Stolperfallen stoppen Prozession zur Stele

Nach der Gedenkfeier zur Pogromnacht in der Krypta der katholischen Kirche St. Martinus in Aldenhoven am Montag, 12. November, wird der Weg zur Gedenkstele im Römerpark mit Stolperfallen durchsetzt sein, die an die Rassengesetze und ihre Konsequenzen für die Mitbürger jüdischen Glaubens erinnern.

Gebastelt werden die Stolperfallen von Künstler Karl Heinz Schumacher (khs) und dem Aldenhovener Jugendrat am Montag, 5. November, ab 16 Uhr in der neuen Teestube am Martinusplatz. Weitere Helfer sind herzlich willkommen.

Im Frühjahr 1933 setzte die erste Welle staatlichen Terrors des NS-Regimes gegen Juden ein. Ende März begann unter großem Propagandaaufwand die Vorbereitung einer Boykottaktion gegen jüdische Geschäfte, Warenhäuser, Anwaltskanzleien und Arztpraxen.

Einen radikalen Einschnitt in das Leben der Juden in Deutschland brachten die sogenannten Nürnberger Gesetze von 1935, die Juden zu Menschen minderen Rechts machten. Um die „Reinhaltung der arischen Rasse“ für alle Zukunft zu sichern, stellten die Gesetze Eheschließungen sowie den als „Rassenschande“ bewerteten außerehelichen Sex zwischen Nichtjuden und Juden unter Strafe. Abhängig gemacht wurde die Zugehörigkeit zur „jüdischen Rasse“ von der Konfession der Großeltern.

Die Nürnberger Gesetze definierten Menschen als „Volljude“ oder „Halbjude“. Schritt für Schritt wurden den Juden mehr und höhere Steine in den Weg gelegt. Letztlich wurden die antijüdischen Maßnahmen bis zu den Deportationen erweitert.

Bürger und Bürgerinnen sowie insbesondere Jugendliche sollen mit dem Projekt „Stolperfallen“ an die unmenschlichen Maßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung erinnert werden.

Hetzkampagnen, Boykotte, tätliche Übergriffe gegen jüdische Nachbarn und Einrichtungen waren an der Tagesordnung. Ausgrenzung der Juden aus der Öffentlichkeit: Verbot des Besuches kultureller Veranstaltungen und öffentlicher Schulen, öffentlicher Plätze, Parkanlagen etc. Dazu zählt die Polizeiverordnung zur Kennzeichnung der Juden: Sie mussten einen handtellergroßen „Judenstern” tragen. Gegen das Vergessen will khs die Jugendlichen für dieses Thema sensibilisieen.

Das Projekt „Stolperfallen“ zwingt die jungen Leute zum Nachdenken, sich vor den Verführungen der heutigen Rechtsradikalen zu wappnen. Schließlich sind die Jungen und Mädchen morgen Wähler.

So fertigen die Jugendlichen eine „Stolperfalle“. Eine beliebige, symmetrische oder auch amorphe Form (bis zu ca. 25 cm hoch; bis zu ca. 60 cm breit) aus MDF oder Sperrholz wird schwarz gestrichen. Darauf pinseln die Jungen und Mädchen mit weißer, gelber oder roter Farbe jeweils eine antijüdische Anordnung aus der NS-Zeit, etwa Gesetz über die Mietverhältnisse mit Juden: Nichtjuden dürfen jüdischen Mietern ab sofort kündigen, jüdische Mieter sind verpflichtet, wohnungslose Juden aufzunehmen. Die „Stolperfalle“ mit der Botschaft wird mit einer Diagonallatte versehen – ähnlich wie ein Hockeyschläger.

 Wenn am Gedenkabend die Prozession von der Krypta zur Stele aufbricht, warten an verschiedenen Stellen auf dem Weg die Jugendlichen mit einer Stolperfalle, die sie mit einer Taschenlampe anleuchten. So werden die Teilnehmer dazu genötigt zu verharren, das Ungeheuerliche zu lesen. Besonders wirksam wird das auf dem unbeleuchteten dunklen Pfad ab der Turmstraße/Ecke LebensArt Tuckermann bis in den Römerpark zur Stele.

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