Gasleck und Straßen-Schaden: Evakuierung in Aldenhoven-Siersdorf

Gasunfall in Aldenhoven-Siersdorf : „Ich dachte, ein Flugzeug wäre abgestürzt“

Es war kurz vor drei, als die Anwohner in Siersdorf aus dem Schlaf gerissen worden sind. „Das war ein ohrenbetäubender Lärm. Ich dachte, ein Flugzeug wäre abgestürzt“, erzählt eine Anwohnerin der Albert-Schweitzer-Straße am Vormittag. Sie zeigt aus dem Küchenfenster in Richtung Mühlenstraße. Dort hatte ein Leck in einer Gasleitung in der Nacht zum Montag die Straße aufgesprengt.

Steine und Trümmer flogen meterweit. Das Gas strömte aus dem Boden und sorgte in weiten Teilen Siersdorfs für einen bissigen Geruch.

„Es gab eine haushohe Fontäne aus Dreck, Staub und Trümmern. Das ging minutenlang so. Wir hatten wirklich Angst“, erzählt die Frau weiter. Das riesige Loch im Boden verschluckte sogar ein Auto.

Die undichte Ferngasleitung in der Erde hatte eine Druckwelle hervorgerufen und einen großen Krater in die Mühlenstraße gerissen. Nach Angaben der Thyssengas GmbH wurde „der Gasfluss umgehend abgesperrt und der betroffene Bereich durch Einsatzkräfte der Feuerwehr geräumt“. Zahlreiche Anwohner mussten ihre Wohnungen und Häuser verlassen, teilt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) mit. „Die Feuerwehrleute klingelten in der ganzen Straße. Wir sollten dann zum Feuerwehrhaus gehen“, berichtet die Anwohnerin weiter.

Schutt, Evakuierung und eine aufgesprengte Straße: Defekte Gasleitung führt zu Explosion

Wilfried Thelen, stellvertretender Kreisbrandmeister und Wehrleiter in Aldenhoven, teilt mit, dass die Bewohner der Mühlenstraße, der Albert-Schweitzer Straße, der Elsa-Brändströmstraße, der Schleidener Straße, der Heinrich-Franken-Straße, der Südstraße und der Friedensstraße dazu aufgefordert wurden, Fenster und Türen zu schließen und sich zum Feuerwehrhaus zu begeben. „Etwa 200 Leute hatten sich eingefunden. Betroffen waren aber weitaus mehr. Ungefähr 450 Personen, die aber teilweise bei Nachbarn oder Freunden untergekommen waren“, erklärt Thelen.

„Und die meisten im Schlafanzug“, erzählt auch die Anwohnerin weiter. Erst in den Morgenstunden konnten alle zurück nach Hause. Die Entwarnung und das Ende der Evakuierung gab es laut Thelen gegen 5 Uhr. Die Siersdorfer Johannes-Grundschule und der Kindergarten blieben am Montag vorsichtshalber trotzdem geschlossen.

Das Leck in der Gasleitung hatte nicht nur das Erdreich hochgedrückt, sondern auch dafür gesorgt, dass Auto- und Fensterscheiben eines Hauses direkt am Kreisverkehr von fliegenden Steinen zertrümmert wurden. Wie viele Häuser und Dächer sonst noch in Mitleidenschaft gezogen wurden, konnte noch nicht gesagt werden. Auch die Wasser- und Stromleitungen im Boden wurden beschädigt.

In einem kleineren Umfeld rund um die Schadensstelle in der Mühlenstraße hatten einige Haushalte am Vormittag noch keinen Strom, berichtet die Regionetz GmbH. Anwohner waren außerdem auf eine Wasser-Notversorgung angewiesen. „Wir haben heute schon ein paar Mal Wasser geholt. Auch für ältere Nachbarn“, sagt ein Bewohner eines Hauses an der Mühlenstraße. Er und seine Frau tragen drei Eimer und eine Gießkanne. Wach geworden seien sie allerdings erst von der Sirene. Auch für sie ging es ins Feuerwehrhaus. „Wir wurden sehr gut versorgt. Es gab Getränke und frische Brötchen. Gegen halb sieben waren wir wieder zu Hause“, sagen sie.

Teile von Siersdorf mussten in der Nacht aufgrund eines Gaslecks evakuiert werden. Nun folgte Entwarnung. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Am Vormittag herrscht reger Betrieb rund um die Schadensstelle. Die Straße versinkt im Schlamm, überall liegen Steine und Trümmer. „Hier wird jetzt alles ausgemessen. Es steht schon alles bereit, um den Schaden zu beheben. Das neue Rohr ist da und die Schweißer sind auch hier“, sagt Lutz Reimann von Thyssengas. „Das sollte alles relativ zügig gehen. Die Straße könnte aber noch ein paar Tage gesperrt sein, bis sie wieder repariert und befahrbar ist.“ Wie lange das dauert, könne man noch nicht sagen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Aufgesprengte Straße verschluckt Auto

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