Jülich: Gabriele Spelthahn Ehrenvorsitzende der Jülicher Gesellschaft

Jülich : Gabriele Spelthahn Ehrenvorsitzende der Jülicher Gesellschaft

Nach einer „sorgenvollen Zwischenphase“ wählte die „Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz“ in ihrer Mitgliederversammlung im Bonhoefferhaus Heinz Spelthahn zum neuen Vorsitzenden. Nach dem Rücktritt von Gabriele Spelthahn hatte sich die Gesellschaft die Frage gestellt: „Geht es weiter, oder ist mit der Jülicher Gesellschaft Schluss“, wie Vize Dr. Walter Liedgens es ausdrückte.

Darauf konnte es nur eine Antwort geben: „Es muss weitergehen“. Denn: „Es gibt keine Wende in der Erinnerungspolitik. Das Böse lebt nicht nur durch die, die Böses tun, sondern auch durch die, die Böses zulassen.“ Diese Worte zitierte Gabriele Spelthahn in ihren Dankesworten aus der Ausstellung „Topografie des Terrors“ nach ihrer feierlichen Ernennung zu Ehrenvorsitzenden.

Liedgens ehrte sie für ihre „herausragenden Verdienste“ als Vorsitzende der Gesellschaft seit 2002. Aus Spelthahns „zeitintensiver Arbeitsleistung, die einer Lebensleistung gleichkommt“, sind die Errichtung des Mahnmals und die Gedenkveranstaltung an jedem 27. Januar (Befreiung des KZ Auschwitz) seit 2003 zu nennen. Hinzu kommt die Verleihung des Preises für Zivilcourage seit 2006.

Gabriele Spelthahn sei „Gesicht, Herz und Motor“ der Gesellschaft, die sich durch sie lokal, regional und international einen Namen gemacht habe. In seinem Tätigkeitsbericht über die letzten beiden Rechnungsjahre hob Heinz Spelthahn den 15. Jahrestag seit der Errichtung des Mahnmals 2001 mit dessen Schirmherrn Wolfgang Clement und die „Rettung der Villa Buth“ hervor. „Das Mahnmal hat eine solch überzeugende Kraft, dass noch heute, nach 17 Jahren, keine Beeinträchtigungen (durch Vandalismus) zu sehen sind“, fasste der neue Vorsitzende zusammen.

2016 seien Gespräche mit Bürgermeister und Vereinsmitglied Axel Fuchs zur Rettung der Villa Buth angelaufen, zu der ein 43000 Quadratmeter großer Park gehöre. „1,5 bis 2 Millionen aufzubringen kann man dem Eigentümer (Hellmuth Eichhorn) nicht zumuten. Wir brauchen eine Nutzung, damit sie sich selbst trägt, nur dann ist eine Förderung möglich“, sagte Spelthahn. „Heute sieht man die Villa so gut wie noch nie, wie auf dem Präsentierteller“, freute er sich.

Die Villa Buth sei nicht nur Gedenkstätte verfolgter Juden, sondern „auch ein Denkmal für die Papierindustrie“, unterstrich Spelthahn. Er verwies auf die Initialen „C“ für Clara, Carl Eichhorns Tochter, und „E“ für Emil Buth, Erbauer der Fabrik im Stil der Neorenaissance, und den Sarkophag im Park, in dem Hans-Carl Eichhorn bestattet ist.

Ein weiteres Thema war die Ausrichtung der 80. Pogromgedenkveranstaltung, die zu ihrem zweifelhaften „Jubiläum“ im Rathaus beginnen soll, weil „auch damals die öffentliche Hand beteiligt war“.

(ptj)
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