Führung in der Zitadelle Jülich am Tag der Restauration

Tag der Restauration : Eine ganz spezielle Führung

Den Tag der Restauration nahm das Museum Zitadelle zum Anlass, um eine ganz spezielle Führung für geschichtlich Interessierte anzubieten. Als große Überraschung kündigte Historiker Guido von Büren den zahlreichen Gästen eine Präsentation des sogenannten „Herzöge- oder Rathausbildes“ aus der 2018 gezeigten Sammlung „Ahnenreihe“ an.

Damals noch in einem restauratorischen Zwischenzustand ausgestellt, konnte jetzt erstmalig das umfassend rekonstruierte Bild bewundert werden. Das Gemälde zeigt sechs Klever Herzöge aus dem Hause Mark vor der Kulisse der Stadt Kleve. „Für die Jülicher ist es insoweit spannend, dass die Herzogtümer Jülich-Berg in der Zeit zwischen 1521 und 1609 mit Kleve-Mark vereint waren“, erklärt von Büren. Mit einer Darstellung der rheinischen Herrscher in genealogischer Abfolge wird ein historischer Bogen zwischen den Jahren 1394 und 1609 geschlagen. Der erste Herzog von Kleve-Mark, Adolf I., führt die Ahnenreihe an. Zu seiner Linken gesellen sich Johann I. und Johann II. Es folgen die Herrscher der vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg mit Johann III., Wilhelm V. und Johann Wilhelm I. Mit seinem Tod ist die Kleve-Mark Linie im Mannesstamm ausgestorben und läutete so das Ende der vereinigten Herzogtümer ein.

„Als wir das Gemälde erstmalig zur Sichtung bekommen haben, war sein Zustand besorgniserregend“, berichtet Restaurator Börries Brakebusch. Man hätte zweifeln können, ob es sich überhaupt um ein Bild aus dem 17. Jahrhundert handelt. „Für Kunsthistoriker und Restauratoren sah es eher nach 20. Jahrhundert aus“, berichtet Brakebusch. So stellte sich die Frage, ob man den Erwerb für das Museum überhaupt verantworten solle. Ein relativ kleines Fragment, welches das Laubwerk der Bäume im Hintergrund zeigte und nicht gänzlich von neueren Farbschichten übermalt war, ließ erkennen, dass das Bild im Kern tatsächlich auf das 17. Jahrhundert zu datieren ist.

Es war ein entscheidender Hinweis, denn alle zwölf bekannten Varianten des „Rathausbildes“ sind um 1660 entstanden. Durch die früheren unsachgemäßen „Ausbesserungen“ der Jülicher Variante wurden die für die Herzogstädter bedeutendsten Portraits unglücklicherweise am meisten in Mitleidenschaft gezogen. Kaum zu erkennen in der Originalfassung war der Zitadellen-Erbauer Wilhelm V. und vom Antlitz seines Sohnes Johannes Wilhelm I. sind lediglich eine Stirnpartie, die Nasenspitze und ein kleines Stück des Ohrläppchens erhalten geblieben. Mit zahlreichen Fotos veranschaulichte Brakebusch die Bildanalysen mit Hilfe ultravioletter Strahlung und Röntgenaufnahmen. Einzelheiten zur monatelangen historischen Rekonstruktion ergänzten den Bericht.

„Von den zwölf Versionen des Gemäldes sind heute noch sechs oder sieben im historischen Zustand“, erklärt Guido von Büren. Die Klever Version zeichnet eine hohe Qualität aus, aber auch hier handelt es sich nicht um das „Erst-Bild“, sondern lediglich um eine Variation des Bildthemas. Ob das ursprüngliche Bild noch aufzuspüren sei, von wem es gemalt wurde und wer der Aufraggeber für die Variantenvorlage sein könnte, beschäftigte anschließend das Publikum. Einige Fragen bedürfen weiterer Nachforschungen. Den historischen Kontext erklärt Guido von Büren: „Da die verschiedenen Fassungen der ‚Herzöge’ ursprünglich hauptsächlich in städtischen Rathäusern hingen, waren es wohl die Stände, die das Motiv hatten entwickeln lassen“. Die Zeit nach der Teilung der vereinigten Herzogtümer (um 1614) war von tiefen Missstimmungen zwischen den Landständen und den Kurfürsten von Brandenburg (Territorien Kleve-Mark und Ravensberg) sowie den Herrschern aus dem Hause Pfalz-Neuburg (Herzogtümer Jülich-Berg) geprägt. Die Portraits der Klever Herzöge erinnerten an die landeseigene Herrscherfamilie, die mit dem Land verbunden war und die Rechte der Landstände respektierte.

Das Jülicher Gemälde ist neben der Version in Krumau das einzige auf Leinwand und nicht auf Holztafel ausgeführte Bild. Eine weitere Besonderheit wurde während der Restaurierung entdeckt und rekonstruiert. Nur in Jülich hält Herzog Johannes Wilhelm I. ein Rapier (im 16. Jahrhundert verbreitete Hieb- und Stichwaffe) in seiner rechten Hand. (mavo)

(mavo)
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