Jülich: Frost bereitet im Jülicher Land wenig Probleme

Jülich : Frost bereitet im Jülicher Land wenig Probleme

In der Nacht zu Dienstag sank das Thermometer auf -8,5 °C. In der zu Mittwoch ebenfalls. Laut den Wetterdaten des Forschungszentrums Jülich (FZJ) waren die Temperaturen vor vier Jahren letztmals im ähnlich frostigen Keller.

Abzulesen ist das beispielsweise am Schwanenteich, wo Enten und Nilsgänse Spaziergänge auf der ausgedehnten Eisfläche unternehmen. An den Ufern langsam fließender Gewässer hat sich ebenfalls Eis gebildet. FZJ-Meteorologe Dr. Axel Knaps rechnet in den kommenden Nächten mit vergleichbaren Minusgraden. Mit Schnee sei heute bei leichter Bewölkung zu rechnen. Dabei beginnt heute der meteorologische Frühling.

Da das Jülicher Land in den vergangenen Tagen von Niederschlägen weitgehend verschont geblieben ist, war der Dauerfrost bislang nicht mit der gefürchteten Straßenglätte verbunden. Auch Verkehrsteilnehmer, die ihr Fahrzeug unter der Straßenlaterne abstellen, dürften frohlockt haben, weil das trockene Hochdruckwetter mit Wind aus östlichen Richtungen kein morgendliches Freikratzen der Windschutzscheibe erforderlich gemacht hat. Die Karosserie zeigt allenfalls Spuren vom reichlichen Streusalz-Gebrauch.

„Auf die Natur haben die aktuellen Temperaturen keine großen Auswirkungen“, sagt René Mause von der Biologischen Station in Nideggen. Einheimische Insektenarten beispielsweise seien an solche Temperaturen gewöhnt. Für sie sei dieses trockene und kalte Wetter sogar besser, weiß der Experte.

Obdachlosenheim

Auch für einheimische Pflanzenarten sei das derzeitige Wetter mit Dauerfrost kein Problem. Frühblüher und Geophyten — beispielsweise Narzissen oder Schneeglöckchen — legten einfach eine kurze Pause ein und erfrieren deshalb nicht. „Diese Pflanzen haben eine besondere Strategie“, sagt René Mause, „Sie blühen, bevor die Bäume Blätter haben, um so genügend Licht zu bekommen.“ Deshalb blühen diese Pflanzen bereits im April. Ein harter Frost im April könnte deshalb weitaus größeren Schaden anrichten. Als kleinen Tipp empfiehlt der Fachmann die Narzissenblüte in der Eifel, bei der Millionen von Narzissen die Landschaft in ein gelbes Blütenmeer verwandeln.

Selbst im Jülicher Obdachlosenheim in der Nähe der Feuerwehr hat sich die Kälte bis dato nicht bemerkbar gemacht. „Bei den Anträgen auf vorübergehende Bleibe gab es bis jetzt keinen signifikanten Anstieg“, gibt Hans Pinell vom Jülicher Ordnungsamt zu Protokoll.

Dagegen wird die Stadt Linnich von „Väterchen Frost“ gebeutelt. Bei der Großbaustelle im Herzen des kleinen Städtchens an der Rur war die Kommune bislang schon nicht gerade vom Glück verfolgt, doch nun kommt auch noch Pech hinzu: Bei den herrschenden Minusgraden liegt die Baustelle derzeit still, die Bauarbeiter beziehen Schlechtwettergeld. „Damit muss man im Winter rechnen“, nimmt Bürgermeisterin Marion Schunck-Zenker den witterungsbedingten Zeitverlust einigermaßen gleichmütig, da er nicht zu ändern ist.

Das gilt in gewisser Weise auch für frierende Zeitgenossen, die beim Verpacken ihres Körpers nicht alle Register gezogen haben.

(ikr/ahw)
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