Jülich: Frivole Komödie „Mandragola“ für Ehrenamtler aufgeführt

Jülich: Frivole Komödie „Mandragola“ für Ehrenamtler aufgeführt

Zwischen den Abgüssen der fein ausgearbeiteten Originalpostamente im kühlen Schlosskeller der Zitadelle erklang die „Tarantella Napoletana“ von Rossini. Ausdrucksstarke Darsteller in schwarz-grauer Kleidung mit minimalistischen Requisiten wie bunten Schärpen und venezianischen Masken hauchten den Gestalten nur durch Sprache, Gestik und Mimik Leben ein.

Eine besondere Herausforderung für fünf der neun Jungschauspieler, die zum ersten Mal in der bedeutenden Komödie der Renaissance mitspielten, ihre Rolle aber tadellos meisterten. Denn mehrere bewährte Darsteller sind inzwischen „flügge“ geworden, wie Réné Blanche vorab ausführte. Sie haben die zweijährige Ausbildung beendet und sich neuen Herausforderungen gestellt.

Der Reiz der „Mandragola“-Version der Aachener Schauspielschule ist die Kürzung des Originalstücks von rund zwei Stunden auf eine gute halbe Stunde und die Einsetzung eigener Erzählerinnen, nämlich Miriam Piel und Viviane Scholl, die Bewegung in das Stück bringen. Die „Canzone“ (Lied) aus dem Original wird hier gesprochen und verschmilzt mit dem Prolog.

Ein weiteres „improvisierendes Element“ entsteht zum Beispiel durch die Tatsache, dass Blanche etwa nach dem Vorbild von Schauspieler und Regisseur Karl-Maria Brandauer drei Tage vor der Aufführung „nicht mehr in den Text schaut“, so dass der Zuschauer sich die Komödie gerne auch ein zweites oder drittes Mal anschaut.

Rahmen der Handlung ist der Karneval von Faenza in Florenz. Edelmann Callimaco (Mario Lötzsch) hat Paris den Rücken gekehrt, weil er die schöne Lukrezia (Anne Papenfuß) erobern will. Sein Problem ist Lukrezias Tugendhaftigkeit und ihre Ehe mit dem reichen, aber kraftlosen Rechtsgelehrten Messer Nicia (Réné Blanche), die kinderlos geblieben ist. Weil letzterer aber „für ein Kind zu allem bereit ist“, ersinnt der Heiratsvermittler Ligurio eine List. Er vermittelt Nicia an den vermeintlichen Arzt Callimaco, der Latein parliert und so der „Prüfung“ des Rechtsgelehrten standhält.

Wie einst die Königin von Frankreich soll Lukrezia einen fruchtbarkeitsspendenden Tank verabreicht bekommen, der aus der titelgebenden Wurzel „Mandragola“ gebraut wird. Er soll aber den Nachteil haben, den ersten Beischläfer möglicherweise zu vergiften. Mit Hilfe von Lukrezias arglistigem und geldgierigen Beichtvater Frater Timoteo und ihrer Mutter Sostrata gelingt es, „den perfiden Plan in die Tat umzusetzen“ und Lukrezia den Trank einzuflößen. Callimacos Diener Siro (Roman Visser), Nicia und Ligurio verkleiden sich und fangen nachts auf den Straßen einen vermeintlichen Herumtreiber, in Wirklichkeit Callimaco, der Lukrezia zugeführt wird. Die sich anbahnende Beischlafszene wird geschickt in einer Art Tanzszene angedeutet.

Vor Lukrezias Segnung in der Kirche am Morgen bietet der hinter seinem Rücken als „Trottel“ verspottete Nicia dem Callimaco ein Zimmer in seinem Haus an und überlässt ihm die Schlüssel, während seine Frau und der Edelmann sich verliebte Blicke zuwerfen. „Die Nacht ist vorbei und der Tag bringt ans Licht, wie unglaublich diese Geschichte ist“, höhnen die Erzählerinnen.

Die begeisterten Gäste spendeten dem Ensemble kräftigen Applaus, bevor sie der Einladung zur Gästeführung mit Petra Schlader-Thouet folgten. Da über 200 Bewerbungen von Ehrenamtskartenbesitzern bislang nicht berücksichtigt werden konnten, folgt im Herbst eine weitere öffentliche „Mandragola“-Aufführung in der Schlosskapelle.

(ptj)
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