Jülich: Fatjona Maliqi gibt mit den „Goldberg Variationen“ eine vorzügliche Visitenkarte ab

Jülich : Fatjona Maliqi gibt mit den „Goldberg Variationen“ eine vorzügliche Visitenkarte ab

Nach dem Auftritt des jungen Portugiesen Vasco Dantas stellte Prof. Heribert Koch mit Fatjona Maliqi erneut ein hoffnungsvolles Talent aus seiner Klavierklasse der Musikhochschule Münster vor. Die Schlosskapelle war nahezu voll besetzt, als die 21-jährige Pianistin mit Bachs „Goldberg-Variationen“ einen Koloss der Klavierliteratur stemmte.

Das Stück übt einerseits eine große Anziehungskraft aufs Publikum aus, verlangt andererseits auch den Hörern ein Höchstmaß an Konzentration ab. Wie die junge Dame aus dem Kosovo die 30 Variationen gestaltete, verdient höchste Anerkennung. Spieltechnisch versiert und hoch konzentriert entfaltete sie den Mammut-Zyklus ohne nennenswerte Spannungseinbußen. Dabei erhielt jede einzelne Variation ein erkennbar eigenes Profil.

Ihrer Jugend muss man zubilligen, dass sie manches recht sportlich auf rasante Tempi trimmte. Das betrifft vor allem die besonders virtuosen Variationen, die Bach für ein zweimanualiges Cembalo vorgesehen hat und die angesichts der extrem schnellen Tempi bisweilen ihre melodische Linie verloren. Unter dem Vorwärtsdrang litten auch ein wenig die tänzerischen Sätze, für die sich die Musikerin durchaus eine Prise mehr Zeit hätte lassen können.

Was ihre manuellen Fähigkeiten angeht, hat sie das Rüstzeug, auch die kniffligsten Teile sauber auszuführen, ohne sich selbst unter einen unnötigen Tempodruck setzen zu müssen. Ungeachtet dieser Einwände gelang das meiste musikalisch rund und elegant, im ausgedehnten Adagio der 25. Variation auch angemessen verinnerlicht. Die Goldberg-Variationen gehören zu jenen Schlüsselwerken, die einen Pianisten ein ganzes Leben begleiten.

Fatjona Maliqis Interpretation gefällt durch ihre jugendliche Frische, die, wen wundert es, angesichts der Komplexität des Werks noch eine Menge Spielraum an geistiger Durchdringung offen lässt. Die vorzügliche Visitenkarte, die die Musikerin mit diesem Konzert hinterließ, verdient, ihre Entwicklung mit wachen Ohren weiterzuverfolgen und zu begleiten. Angekündigt hat sie für das nächste Jahr bereits ein weiteres Schwergewicht der Literatur, nämlich Beethovens „Diabelli-Variationen“. Davon hat sie als Zugabe nur das schlichte Thema als Appetithäppchen hören lassen.

Man darf gespannt sein auf die Bewältigung dieses „Mikrokosmoses des Beethovenschen Genius“. Begeisterter Beifall für eine eindrucksvolle Talentprobe.

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