Jülicher Land: „Fastelovend pur“ in Jülich, Titz und Welz

Jülicher Land: „Fastelovend pur“ in Jülich, Titz und Welz

Die äußeren Bedingungen waren zwar nicht ideal, hätten aber auch schlechter sein können. Gelegentliche Windböen und ab und an ein paar Tropfen von oben am Tulpensonntag. Das konnte die Jecken im Jülicher Land nicht erschüttern, wo am Sonntag in Jülich und Titz die größten Umzüge tausende Fastelovendsfreunde an den Straßenrand lockten.

Schon am Freitagabend setzte sich in Welz der erste Nachtzug in Bewegung. „Tour de Rur — Fastelovend pur“ — unter diesem Motto zogen rund 1000 Zugteilnehmer, aufgeteilt in 20 Mottowagen und 40 bunt kostümierte Gruppen, unter Federführung des „Festausschuss Jülicher Kengerzoch“ durch die Straßen der Herzogstadt.

Große und kleine Piraten in Titz, die aber keinen Schrecken verbreiten und niemanden „erleichtern“, sondern austeilen, was das Zeug hält.

Als beliebte Motive für warme Kostüme, vor allem für die Kleinsten auf den Schultern ihrer Eltern, erwiesen sich abermals Bären, Giraffen, Löwen oder Schafe. In sein warmes, namengebendes Fell geschlüpft war auch traditionell Propst Josef Wolff inmitten der katholischen Gemeinden Propstei und St. Andreas und Matthias.

Welzer Nachtlichter beim Umzug: Ein Highlight sind zahlreiche Leuchtballons, die als Fußgruppe einem Ballonwagen folgen.

Gerne genommen wurden auch flotte Bienen, in warme Decken gehüllte Mexikaner oder schlicht bunte Fantasiegestalten. „Jeck op Jöck“ durch die Herzogstadt waren wie gewohnt alle großen Jülicher (Karnevals-)Gesellschaften. Eingerahmt vom Adler Hilfsdienst und dem THW am Zug-Ende zogen ferner unter anderem Feuerwehren, der Malteser Hilfsdienst, BSG Stadtverwaltung, Tanzgruppen, verschiedenste Sportvereine und Jülicher Unternehmer.

Karneval mit Silvesterromantik: ein Leuchtsaurier beim Nachtzug Welz.

Gleich in mehreren Abteilungen waren die jubilierenden „Rurblümchen“ unterwegs. Sie verteilten nicht nur Blümchen und Kamelle, sondern auch Botschaften. So baute das KG-eigene Männerballett die Stadthalle um. In liebevoll-jecker Begleitung teilten die Stammhausbewohner „Blömcher“ und Süßigkeiten aus.

Ein Propst im Wolfs-Fell: Pfarrer Josef Wolff in Jülich.

Live-Musik spielten das Trommler- und Pfeifercorps Güsten, das Tambourcorps Schophoven und „Tambour Axe“, die Gruppe mit dem heißesten Rhythmus. Die meiste Stimmung verbreitete ein „ruut-wießes“ Team aus „Mezzehuuse“ mit dem höchsten Mottowagen. Die Stimmungsmacher führte eine temperamentvollen Jungfrau an, sie animierte die zahlreichen Zuschauer, nicht nur in der Düsseldorfer Straße zum in die Hocke gehen und anschließendem wilden Mittanzen.

Auch ein Clown in Titz braucht mal eine Pause...

Das Kinderdreigestirn von 2017

In Ermangelung eines aktuellen Kinderdreigestirns zogen die Majestäten aus 2017 mit ihrem Gefolge gut gelaunt in ihrem längs gestreiften Festwagen mit. Während beim Zugweg auf Altbewährtes gesetzt wurde, lud der Festausschuss im Anschluss erstmalig zum „laache, fiere, danze“ auf den Schulhof der Zitadelle gegenüber der Stadthalle. Getränke wurden dort bereits ab Mittag ausgegeben.

Frei nach dem Motto „Do jitt et jett ze luure, do jommer hin“ hat es sich herumgesprochen, dass einer der größten und farbenprächtigsten Karnevalszüge der Region am Tulpensonntag durch die Straßen von Titz zieht. Fast 600 Teilnehmer hatten sich angekündigt, um unter Beweis zu stellen, dass der karnevalistischen Fantasie keine Grenzen gesetzt sind, wenn es darum geht, das positive Gesicht jecker Leidenschaft zu zeigen. Damit organisatorisch alles perfekt ablief, hatte die Interessengemeinschaft Titzer Karneval die Zugaufstellung und den Zugweg unter die Lupe genommen und optimal vorbereitet.

Auf 15 Wagen und in 13 Fußgruppen in einer Besetzung von zwei bis 35 Personen infizierten die Karnevalsjecken die Besucher an den Zugrändern mit lautstarker Partystimmung. Monster und in sicherem Abstand die dazu passenden Ghostbusters näherten sich in friedlicher Absicht den auf Kamelle wartenden Kindern, die bei Hippies, Mainzelmännchen und Clowns oder Waldtieren und Kölsche Mädchen sichtlich weniger zaghaft die süßen Wurfmaterialien entgegen nahmen. Natürlich legten sich die Besatzungen auf den Wagen beispielsweise als Schmetterlinge, Bauarbeiter, Bankräuber, Après Ski-Team, Artisten oder Piraten ebenso ins Zeug. Begleitet von Alaaf-Rufen und der unvermeidlichen Polka-Polka-Polka-Musik flogen Kamelle, Strüßjer, Chips, Bälle und anderes süßes Wurfmaterial Richtung jeckes Volk.

Kölsche Töne bestimmten das Repertoire der beiden Musikkapellen aus Holzweiler und Dremmen. Auch in diesem Jahr gab der Vorstand als besonderen Service von seinem Musikwagen aus zu Beginn des Zochs Hinweise zu allen beteiligten Gruppen und Wagen. (jago)

Silvesterromantik an Karneval

Funkelnde Silvesterromantik im fröhlich lauten Karnevalstreiben ist der Reiz der Nachtzüge an den jecken Tagen. So nahmen Tausende von Menschen, unter ihnen etliche Familien mit Kindern, weite Fußwege in Kauf, um das beeindruckende Spektakel in Welz zu genießen. Zwölf Wagen mit attraktiven Lichteffekten und etliche bunt-glitzernde Fußgruppen zogen Kamelle werfend und begleitet von angesagter Karnevalsmusik durch den kleinen Ort. Sie wurden bejubelt von den kostümierten Massen an den Bürgersteigen, viele von ihnen mit glänzenden Accessoires. Sporadische Feuerwerke am Feuerwehrhaus vermehrten die Funken der Winternacht.

Die Welzer Toten...

Feuerspeiende Leuchtsaurier vom „Welzer Klüngel“ brachten zudem den Horror-Aspekt ins Spiel, genauso wie später die beleuchteten Skelette der „Welzer Toten“. Eine dunkel gekleidete Fußgruppe wirkte alleine durch ihren Lichterschmuck vom Weihnachtsbaum. Ein Highlight war ein Wagen, der von einem bunten Ballon überragt wurde, gefolgt von einer Riesenfußgruppe, in der jeder einzelne als Leuchtballon fungierte. „Gestört, aber geil und nicht therapierbar“ war am Wagen aus „Mezzehuuse“ zu lesen, „Hawei im Glück, der Schornsteinfeger kütt“ auf einem solchen aus Hasselsweiler.

Ein stattliches Piratenschiff stammte aus Jülich, der Jugendclub Freialdenhoven zog mit einem großen Knast durch Welz. Die „Helden vom Land“ war Thema der Katholischen Landjugendbewegung Erkelenz aus Katzem, Müntz, Merzenhausen, ­Broich und Welz. Mit viel Schwung gelang es der Landjugend, ihren Wagen zum Schaukeln zu bringen, sehr zu Begeisterung der Zuschauermassen. Ferner nahmen die jungen Leute zu ländlichen Themen Stellung: „Schließt der Bauer Hof und Stall, brachten die Umweltauflagen ihn zu Fall“, war unter anderem zu entziffern. Eine anschließende Party in der Bürgerhalle krönte die stimmungsvolle Feier zuvor auf den Straßen. (ptj/jago)

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