Faktor X: Energiesparendes Bauen alleine reicht nicht aus

Ausstellung zur Bauweise nach Faktor X : Energiesparendes Bauen alleine reicht nicht aus

Im Haus der Faktor X-Agentur in Inden können Interessierte in einer jetzt eingerichteten Dauerausstellung nachvollziehen, was Faktor X-Bauen ist.

„Wir hatten den visionären Weitblick“, betonte Landrat Wolfgang Spelthahn. Anlass war die Vernissage zur Ausstellung im Faktor-X-Haus im Indener Seeviertel, ein Musterhaus für Ressourceneffizienz, das 75 Prozent effizienter als ein KFW 55 Energiesparhaus ist. Zu Gast waren viele VIPs wie Aufsichtsrats- oder Gremienvertreter, darunter auch der Titzer Bürgermeister Jürgen Frantzen.

Bevor Klaus Dosch, Leiter der Faktor X-Agentur der Entwicklungsgesellschaft Inden, sich auf das eigentliche Thema konzentrierte, nahm Spelthahn den Strukturwandel in den Blick. „Über Nacht fühlen sich alle vom Braunkohlenwandel betroffen. Alle überbieten sich an Ideen, um von den (milliardenschweren) Fördertöpfen aus Düsseldorf und Berlin zu profitieren“, unterstrich er zusammengefasst.

Er zeigte sich dankbar, schon jetzt diese Ausstellung als „Schaufenster der Prozesse“ präsentieren zu können. Das „biblische Prinzip“, nachdem auch der letzte Arbeiter im Weinberg den gleichen Lohn erhält, dürfe allerdings „nicht passieren. Die schon gut gearbeitet haben, sollen nun auch direkten Zugang zu den Fördertöpfen erhalten“.

Klaus Dosch, Leiter der Faktor X-Agentur der Entwicklungsgesellschaft Inden. Foto: Silvia Jagodzinska

Idee soll geklaut werden

Jens Bröker, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft, pflichtete seinem Vorredner bei. Zwar wünschte er sich, dass diese Idee des Vorreiters „auch geklaut wird“ im Sinne des nachhaltigen Bauens und der notwendigen Wirtschaftlichkeit. Hierbei ginge es aber „um Ideen, nicht um die Wegnahme von Fördermitteln“. Ohne Unterstützung aus den Berliner Fördertöpfen und damit den Aufbau von Netzwerken sei das Faktor X-Prinzip nicht in das gesamte Rheinische Revier auszudehnen, bestätigte Dosch, von Beruf Geologe und Wirtschaftsingenieur.

Wichtig sei auch: „Wir müssen den Switch in die Ressourceneffizienz deutlich schneller hinkriegen“ als den bisherigen Prozess des energiesparenden Bauens, der bereits in den 80er Jahren angestoßen wurde. Dabei böten sich zwei Möglichkeiten: Das „Top down“-Prinzip, nachdem ab sofort nur noch nachhaltig gebaut werden dürfe, oder im Sinne der basisorientierten „Grass-roots-Initiative“, in der man „mit mutigen Kommunen vorangeht“.

Die Stellwände beginnen mit der in braunen Überschriften erfassten Problematik. Ein Problembeispiel ist das ressourcenhungrige Bauen. Demnach nutze der Bausektor in Deutschland über 50 Prozent aller abiotischen, also nicht organischen, nicht erneuerbaren Rohstoffe. Seit 1970 habe sich die Zementproduktion versechsfacht, „Sand und Kies werden knapp“.

„Kein Königsweg“

Als weitere Probleme werden Abfallaufkommen, Energie- und Flächenverbrauch durch das Bauen thematisiert. Blau überschrieben sind die Strategien für mehr Ressourceneffizienz, zu der „kein Königsweg“ führe. Pragmatisch und einfach sei hingegen die Faktor X-Berechnung. Für die Berechnung des Ressourceneffizienzfaktors werden Bauteile und Baustoffe der sieben Baugruppen schichtweise in einer Tabellenkalkulation oder ein Online-Tool eingegeben. Benötigt werden die Kubatur (Volumen) des Hauses, Dimensionen und Dicken der Bauteile und die Art der verwendeten Baustoffe.

Nach korrekter Eingabe ermittelt das Berechnungstool den kumulierten Rohstoffaufwand, das Treibhausgaspotenzial und den kumulierten Energieverbrauch pro Quadratmeter Wohnfläche. In der Ausstellung „hangeln wir uns durch verschiedene Strategien“, so Dosch. Die Überschriften der Texte auf den Stellwänden werden grün. Ins Spiel kommt etwa das „Smart Home“, in dem zum Beispiel smarte Funkschalter Kupferkabel ersetzen, oder die Biodiversität. Betonstelen aus Recycling-Beton zählen zu den die Ausstellung umrahmenden Details.

Die Schau im Faktor X-Haus „steht den Bürgern in der Region zur Verfügung“. Zur Verinnerlichung versprach Spelthahn, der im Übrigen mit einem Geburtstagsständchen aller Anwesenden beschenkt wurde, eine öffentliche Werbekampagne im April. 

(ptj)
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