Jülich: Expertentipps für Obstbaumbesitzer im Jülicher Brückenkopf-Park

Jülich : Expertentipps für Obstbaumbesitzer im Jülicher Brückenkopf-Park

„Das ist jetzt unser Modellbaum. Er ist sehr dicht gewachsen, sehr voller Früchte und hat optimalerweise drei Leitäste. Alles was hängt, bekommt kein Licht und stirbt ab.“ Das sagte Obstbaumwartin Gerti Schöpe, die als solche Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um Streuobstwiesen ist.

Mit ihren Kollegen Klaus Flaskamp, Rainer Schwerdtfeger und Bert von der Lynen leitete sie einen kostenlosen Obstbaumschnittkurs im Jülicher Brückenkopf-Park mit Teilnehmern aus dem Nordkreis.

Welche Motivation haben sie? „Von einem Sommerschnitt habe ich noch nie etwas gehört“, sagte etwa Michael Wagener. „Ich habe meinen Baum schon mal falsch beschnitten“, meinte Reinhold Wagner. „Ich möchte erst mal zuschauen. Ich habe einen Zwetschgenbaum im Garten, der braucht einen Schnitt“, fügte Lorraine Büchner hinzu. Die Baumwarte beschneiden bereits seit vier Jahren Obstbäume im Brückenkopf-Park. Die Aktion war „aus der Not geboren“, denn das Parkteam hatte vor rund 20 Jahren Bäume gepflanzt und sie nie beschnitten. Die Folgen waren Wildwuchs und abgebrochene Äste, bis die Baumwarte sie fachgerecht auslichteten.

„Es ist lohnenswert, die Bäume wieder auf Vordermann zu bringen“, betonte Flaskamp. „Der Sommerschnitt hat den Vorteil, die Triebbildung stark wachsender Bäume zu vermindern, wenn die ganzen Säfte in den oberen Trieben liegen“, sagte er. Beschneidet man hingegen im Winter, wenn die Kraft des Baumes im Stamm liegt, bildet er schnell neue Triebe.

Für die Teilnehmer, die je nach Vorkenntnis später in drei Gruppen aufgeteilt wurden, gab es eine Fülle von Informationen und praktische Anwendungsbeispiele mit der Teleskopsäge. Ein Beispiel: „Einjährige Wassertriebe, die noch nicht verholzt sind, einfach brutal gegen den Trieb rausreißen. Der Baum verschließt in zwei bis drei Wochen die Wunde (und treibt dort nicht mehr aus)“, erklärte Schwerdtfeger. Was sind überhaupt Wassertriebe? Das sind senkrecht nach oben wachsende Triebe, die keine oder kaum Früchte tragen, und den Baum unnötig Kraft kosten. „Mehrjährige Wassertriebe müssen am Astring abgeschnitten werden“, unterstrich der Baumwart.

Der Tipp „Wassertriebe rausnehmen“ gelte im Übrigen für alle Obstbäume. Leidet der Baum nicht an der Hitze? „Der Baum selbst wird nicht gefährdet“, aber das Obst kann herunterfallen, dann in gutem Zustand natürlich verspeist werden. Schwerdtfeger griff sofort wieder in den Baum und schnitt einen „Apfelwickler großzügig raus“. Die Larven des Schmetterlings sorgen für wurmstichiges Obst. „Die Früchte in die graue Tonne, nicht in den Kompost werfen, wo sich die Insekten schön vermehren“, riet Flaskamp. Ein geeignetes Gegenmittel sei der „Baumleim“, der wie eine mechanische Schranke für die kriechenden Insekten fungiert.

„Viele Apfelsorten gibt es nicht mehr im Handel. Es gibt nur noch Elstar & Co, die man ohne Spritzen nicht halten kann“. Der Baumwart erinnerte an andere „sehr schmackhafte“ Apfelsorten wie den weißen „Klarapfel, der als erster reif wird“ und ein Pollenspender ist, oder den süß-säuerlichen „Rheinischen Winterrambur“, der in jedem zweiten Jahr sehr hohe Erträge bringt.

Der Teilkurs für den „blutigen Anfänger“ thematisierte auch grundlegendes Wissen. Ein Beispiel: „Die Unterlage (der Teil des Baumes mit Wurzel und Stammansatz) ist entscheidend, wie groß der Baum wird“, steuert aber auch die Geschmacksrichtung. Flaskamp motivierte zur Teilnahme an „Obstbaumtagen“, die zum Probeverkosten des Erntestandes einladen, unter anderem auch jener Äpfel- oder Birnensorten, die nur im heimischen Garten zu finden sind. Auch der Brückenkopf-Park veranstaltet einen „Tag des Apfels mit Lern-Fest“ am 7. Oktober im Lindenrondell.

(ptj)
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