Lesung im Friseursalon: Es geht um Liebe, um Freundschaft und ums Abschiednehmen

Lesung im Friseursalon : Es geht um Liebe, um Freundschaft und ums Abschiednehmen

„Der Grausamkeit des Abschieds kann man nur die Liebe entgegensetzen. Sie fängt uns auf, wenn wir im freien Fall sind. Sie hilft uns aber auch, das neue Leben zu beginnen“. Mit diesem Satz führte Autorin Yvonne Krogner aus Koslar in die Thematik ihres Buches: „Der Tag nach dem Leben davor“ ein, was soviel bedeutet wie: „Morgen ist ein neuer Tag“.

Die Lesung mit angeregtem Austausch fand statt in „Diana‘s Hairfashion“ in der Kartäuserstraße. Warum in einem Friseursalon? „Warum nicht?“, entgegnete Inhaberin Diana Krügermeier. Gemeinsam mit ihrer Kundin Yvonne Krogner hatte sie während des Haareschneidens die Idee zum „Bookfashion“-Event ersonnen. Und überhaupt, warum nicht mal ein Buch lesen in einem Friseursalon anstelle der vielen Zeitschriften?

Gesagt, geplant, und interessierte Besucherinnen erlebten einen gesprächsintensiven Abend. Krogner las passagenweise aus ihrem Roman über Treue, Freundschaft und Liebe, aber auch über Scheitern und Verrat mit einem sehr überraschenden Ende. Protagonistinnen sind Katharina und Hannah, Ort der fiktiven Handlung ist Köln. Katharinas Mann Justus landet nach einem schweren Unfall auf der Intensivstation im Krankenhaus und stirbt später. Einer der bleibenden Eindrücke ist unter anderem der aus der Intensivstation: „Nichts regte sich, nur das permanente Piepen...“ Katharina ist traumatisiert und braucht Hannah, die mit Thomas verheiratet ist, aber mehr und mehr in Katharinas Leben hineingezogen wird. Doch letztere bekämpft in ihrer Krise ihre Freundin, findet sie aber später wieder.

Faszinierend in der Handlung ist das unbeirrte Angenommensein Katharinas durch ihre Freundin, die sich für diesen Weg entschieden hat und nicht von ihm abweicht. Auf Anfrage empfahl die Autorin das Buch in der Pause für Menschen ab 50 Jahren, denn: „Es ist wichtig, dass sich jemand schon mit dem Tod auseinandergesetzt hat.“ Was bei Yvonne Krogner selbst schon sehr viel früher der Fall war, als sie im Alter von 17 Jahren ihre Mutter verlor. Als ihr Onkel vor einem halben Jahr sehr plötzlich in sechs Wochen nach der Diagnose Hirntumor dahin gerafft wurde, war sie „dermaßen schockiert“, dass sie sich überlegte: „Was würdest du machen, wenn du nur noch sechs Wochen zu leben hättest?“ „Endlich das Buch schreiben...“, war ihre Antwort zur selbst gestellten Frage.

Thema des angeregten Austausches in der Pause und nach der Lesung waren die Auseinandersetzung und der daraus resultierende natürliche Umgang mit dem Tod, der „sicher ein Abschied ist, aber auch ein Neuanfang“. Die Autorin, die bereits Komplimente für ihren „lockeren Umgang mit dem Thema“ erhalten hatte, betonte die Notwendigkeit, sich bewusst zu machen, dass der Mensch „Platz machen muss für die nächste Generation“. Einig waren sich die von der Lesung begeisterten Besucherinnen, dass „der Tod sein Grauen verliert, wenn wir uns mehr damit beschäftigen“.