Jülich: Erstmals über 4000 Studierende am FH-Campus Jülich

Jülich : Erstmals über 4000 Studierende am FH-Campus Jülich

Studierender, kommst du nach Jülich, dann musst du zuerst mal mit einem Schock leben. Denn Jülich ist nicht Köln oder Aachen. „Wenn du das erste Mal hier bist, dann erschreckst du dich ein bisschen“, sagt Lukas Hennrici, Chemie-Student am FH-Campus Jülich und am Forschungszentrum.

Hennrici ist einer von vielen Studenten, die schon das eine oder andere Semester in Jülich hinter sich haben und die sich am Donnerstag als Tutoren um die über 1000 Erstsemester gekümmert haben, für die das Studium begonnen hat.

Die Bus- und Bahnverbindungen in Jülich bewerten die Studenten als schwierig, eine Partymetropole sei die Stadt auch nicht. Und trotzdem wächst die Zahl der Studenten ständig. 2012 zählte der Jülicher Campus 3271 Studenten, im vergangenen Jahr waren es 3730, bis zum Jahresende sollen es erstmals über 4000 sein, wie FH-Rektor Professor Marcus Baumann zuletzt beim Stadtgespräch unserer Zeitung und des Vereins Stadtmarketing berichtete. Warum wächst die Studierendenzahl?

Hoher Praxisanteil

„Weil der Praxisanteil im Studium hier sehr hoch ist“, sagt Tutorin Louisa Kampmann, die aus Mönchengladbach stammt und in Jülich Biotechnologie studiert. „Man wird hier gut auf das Berufsleben vorbereitet“, bestätigt Dennis Schröder, Chemie-Student aus Vettweiß.

Die Schock-Erfahrung beziehen die Tutoren auf die Infrastruktur. „Wenn du kein Auto hast, dann hast du hier ein Problem“, sagt Schröder. „Die meisten Studenten haben kein Auto.“ Also haben sie ein Problem, wenn sie Getränkekisten vom Supermarkt in ihr Wohnheim oder ihre Wohnung tragen wollen. Busverbindung? Schwierig! Bahnanbindung? Die sei zu später Stunde schwierig, vom „Nachtleben“ ganz zu schweigen.

„Kino oder Konzerte — da kommt man von Jülich aus kaum hin“, spricht Hennrici aus seiner Erfahrung. Wer am Wochenende abends außerhalb von Jülich ausgehen wolle, der könne samstags mit Bus und Bahn nicht vor vier und sonntags nicht vor sieben Uhr nach Hause zurückkehren — aufgrund der Anbindung.

Bis auf eine Kneipe im Nordviertel sei Jülich keine Partymetropole, es gebe nicht mal eine Disco, dafür aber sehr interessante Feste in der Innenstadt wie das Bierfest oder das Weinfest. „Da ist der Altersdurchschnitt immer sehr niedrig“, erklärt Dennis Schröder.

Die ersten offiziellen Worte, die die Neuen am Donnerstag an der FH gehört haben, waren die von Rektor Baumann zur Begrüßung auf dem Campus vor dem Eingang des Hauptgebäudes. „Sie sind in der Weltstadt Jülich gelandet“, machte er seine Rechnung zum Standort auf und begründete sie mit Linien, die man auf einer Karte zwischen vielen europäischen Metropolen ziehen könnte. Jülich liege dann auf einem Schnittpunkt vieler Linien. Ganz ernst gemeint hatte er den Satz von der Weltstadt Jülich nicht. Denn sonst hätte er wohl nicht mit Verwunderung im Tonfall angemerkt, dass niemand gelacht habe.

Viele bleiben auf der Strecke

Baumann hatte auch mahnende Worte parat. „Bei aller Freude, der Schule entronnen zu sein, sollten Sie bedenken, dass schon die Prüfungen im ersten Semester in die Endnote einfließen“, sagte Baumann.

Die Tutoren bestätigen das. In der Schule habe man in den letzten beiden Jahren ranklotzen müssen, um im Abschlusszeugnis gut oder noch besser dazustehen. Jetzt gelte es von Anfang an. Die Gefahr, den Anschluss zu verlieren, sei hoch. Viele derer, die mit ihnen mal Erstsemester waren, seien deswegen auf der Strecke geblieben. Die Gefahr, das Studium aufgrund eines überbordenden Angebots an Nachtleben in Jülich aus den Augen zu verlieren, ist dagegen gering. Man kann es ja auch positiv formulieren, dass Jülich dann doch keine Weltstadt ist.

(jan)
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