Erste Linnicher E-Tankstelle steht in Hottorf

E-Tankstelle mit Solarstrom : Walter Peters ist ein Linnicher Pionier

Walter Peters lebt im kleinen Linnicher Stadtteil Hottorf, wo der 56-jährige Kommunikationstrainer inzwischen zwei Fotovoltaikanlagen betreibt. Die jüngere davon mit Baujahr 2017 hat Peters in die erste Solar-Tankstelle im Kreis Düren umgebaut.

Der erzeugte Strom wird bei der älteren Anlage, die 2008 ans Netz ging, ins Stromnetz eingespeist, während er den Strom der neuen Anlage vorwiegend selbst verbraucht und zum Heizen und eben für die E-Mobilität nutzt. „Ich bin kein Grüner“, stellt Peters klar, der sich selbst als „impulsiv und schnell entscheidend“ beschreibt. Inzwischen ist Peters stolz, der seit 2015 dem Kreistag angehört, dass er als Kommunalpolitiker „parteifrei“ ist.

Ins Kreisparlament war er als Kandidat der AfD eingezogen, der er sich zu Zeiten des Parteivorsitzenden Bernd Lucke angeschlossen hatte. Als Lucke abgesägt wurde und die Partei erkennbar nach rechts rückte, verließ Peters zwar fluchtartig die AfD, behielt aber sein Kreistagsmandat. 2017 bewarb er sich als unabhängiger Kandidat für den Landtag in Düsseldorf.

Für den geborenen Landwirt und gelernten Kaufmann und Betriebswirt war die erste Photovoltaikanlage eher eine interessante Investition im Sinne der Selbstversorgung, nachdem er 2007 sein Beratungsbüro und seine Wohnung nach Hottorf verlegt hatte. Seinerzeit war die Einspeisevergütung, die von den Energieversorgungsunternehmen gemäß Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) gezahlt wurde, noch recht üppig pro erzeugter Kilowattstunde (kWh) Sonnenstrom.

„Produktion auf dem Dach in Mobilität umsetzen“

Bei der Anlage, die 2017 ans Netz ging, lohnte sich die reine Einspeisung kaum noch, auch wenn der Preis der Solarmodule zwischenzeitlich stark gefallen war. „Deshalb habe ich so viel wie möglich für den Eigenverbrauch produziert“, sah sich Peters nach naheliegenden Anwendungsmöglichkeiten um. So wird das neu erbaute Haus, dessen Solardach einen Teil des Stroms erzeugt und das an Peters’ Tochter vermietet ist, über eine Luft-Wärme-Pumpe beheizt. Zudem wollte der Selbstständige „die Produktion auf dem Dach in Mobilität umsetzen“. Er kaufte ein gebrauchtes kleines Elektroauto „für die Entfernungen rund um den Kirchturm“, das auch von den übrigen Firmenmitarbeitern genutzt wird.

„Ich fahre günstiger als mit jedem Diesel“, hat Walter Peters ausgerechnet, der große Stücke auf seinen gebrauchten E-Smart hält, der pro Jahr 10.000 bis 12.000 Kilometer bewegt wird. „Meine Mitarbeiter streiten darum, wer den Wagen benutzen darf, wenn ich nicht da bin“, ist die „rollende Einkaufstasche“ äußerst beliebt. Der Kleinwagen mit 75 PS „geht ab wie ein Porsche“, beschreibt Peters den Fahrspaß, den die Beschleunigungswerte des Elektromotors vermittelt.

Das eigene Elektroauto gab den Ausschlag dafür, auch eine öffentliche Ladestation in Hottorf einzurichten, die ebenfalls den erzeugten Solarstrom zum Auftanken nutzt: Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) hat das Projekt zum Aufbau der Ladeinfrastruktur mit 50 Prozent der Kosten gefördert, womit die Stromtankstelle an der Düsseldorfer Straße 1 in Hottorf gleichzeitig die erste in der Stadt Linnich ist.

In allen Lade-Apps aufgeführt

Die 11 kW-Anlage ist seither in allen Lade-Apps aufgeführt, auch wenn sich der Gebrauch bislang auf Peters und seinen Firmenwagen beschränkt. Dauerte die Aufladung des E-Smart an der Haushaltssteckdose noch fünf bis sechs Stunden, funktioniert das an der Tankstelle, die Starkstrom zur Verfügung stellt, innerhalb von zweieinhalb bis drei Stunden. Die Ladezeit hängt vor allem vom Fahrzeug ab, „ein Tesla würde weit mehr Strom in kürzerer Zeit ziehen“, sagt Peters. Abgerechnet wird per Mobiltelefon, wobei 4,76 Euro pro Stunde Ladezeit fällig werden. Die Abrechnung erfolgt minutengenau, wobei die Tankstelle online mit dem Abrechnungssystem verbunden ist.

Demnächst wird noch ein Steuerungsmodul nachgerüstet, das unter anderem der Analyse dient, wo überall der Solarstrom eingesetzt wird. Die Tankstelle funktioniert auch, wenn’s dunkel ist, denn die Anlage hängt rund um die Uhr am Netz. „Ich produziere mehr als ich verbrauche“, zieht Walter Peters derzeit als Zwischenbilanz seiner Aktivitäten rund um die Photovoltaik. Seine Tankstelle ist damit gleichzeitig die erste im Kreis Düren, die durch den Solarbetrieb gespeist wird. Es gibt eine weitere am Dürener Kreishaus, die allerdings noch nicht in Betrieb genommen worden ist.

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