Jülich: Erste Bilanz der lokalen Handelsplattform „meinjuelich“

Jülich : Erste Bilanz der lokalen Handelsplattform „meinjuelich“

Der lokale Einzelhandel ist in jeder Stadt eine tragende Säule. Die Geschäfte und Lokale sorgen erst für Leben in der City. Allerdings ist in Jülich die Zahl der inhabergeführten Läden in den letzten Jahrzehnten deutlich geschrumpft. Der Online-Einkauf gewinnt an Bedeutung. An einem Punkt aber ist Jülich weiter als fast alle Nachbarn: Die von vielen Experten geforderte Verzahnung von lokalem und virtuellem Handel gibt es hier seit gut 15 Monaten mit dem Portal www.meinjuelich.de. Wie fällt eine erste Bilanz aus?

Die Plattform wird als Informationsquelle rege genutzt. „Seit ­April 2014 gab es knapp 180.000 Seitenaufrufe. Das sind rund 28.000 Benutzer — oder ,Sitzungen‘, wie es im Fachjargon heißt“, sagt Volker Derichs von der Jülicher Agentur Looping, die das Portal gemeinsam mit der Werbegemeinschaft Jülich auf den Weg gebracht hat.

Der überwiegende Teil der Benutzer stammt auch tatsächlich aus Jülich und dem nahen Umland. Insofern ist das Wagnis zu einem Teil gelungen. Derichs sagt aber auch ohne Umschweife: Die über „meinjuelich“ getätigten Käufe seien noch „stark verbesserungswürdig“. Hier seien genaue Angaben schwierig, weil auch nicht viele Jülicher Händler bei ihren Kunden nachfragen, wie sie auf ein Produkt aufmerksam geworden sind.

Die Zahl der Anbieter auf „meinjuelich“ hat sich laut Derichs von 25 zum Start auf nunmehr 68 (Freitag) erhöht. Ein Erfahrungswert der ersten 15 Monate sei: Das Konzept funktioniere eindeutig besser, wenn die Einzelanbieter ihre Seiten auf dem Portal regelmäßig aktualisieren. Das falle im Stress des Alltags aber nicht jedem leicht. Das bestätigt Ute Werner als Vorsitzende der Werbegemeinschaft aus eigener Erfahrung.

Die Betreiberagentur wollte es genau wissen und hat mehrere Händler über zwei Beispielphasen intensiv bei der Aktualisierung der Seiten unterstützt. Derichs: „Es gab bis zu 80 Mehraufrufe und auch gleich Erfolgsmeldungen.“ Damit meint er Käufe.

Diese Betreuung wird nun auf ein breiteres Fundament gestellt, denn „meinjuelich“ tritt nun in eine neue Phase. Durch ein Sponsoring der Stadtwerke Jülich habe die Agentur nun die Möglichkeit, alle Händler bei der Seitengestaltung zu beraten und ihnen zu helfen. „Das können wir jetzt stemmen und koordinieren schon die Termine.“ Auch technisch wird die Plattform ausgebaut, so dass künftig auch kleine Produktvideos zu sehen sein werden, aber noch viel mehr sei „in der Entwicklung“.

Im Herbst soll auf jeden Fall ein Mehrwert- und Bonussystem auf „meinjuelich“ eingeführt werden. Die Anbieter verteilen je nach Umsatzhöhe Münzen (Wert 1 Euro) an ihre Kunden, die sofort in weiteren Anbietergeschäften eingelöst werden können, um einen Kaffee zu trinken oder ein anderes Produkt entsprechend günstiger zu erhalten. Von daher gibt es in der Herzogstadt in einigen Monaten wieder eine eigene „Währung“. Wer die Münzen hortet, kann sie auch gegen größere Sachprämien eintauschen.

Daneben wird das Portal erweitert um ein „Stadtfenster“. Hier sollen nach Darstellung von Derichs und Ute Werner die Einkaufs- und Erlebnis-Informationen von Kunden zu finden sein, aber auch Wissenswertes über Veranstaltungen — das laufende Weinfest auf dem Schlossplatz wäre ein Beispiel.

Ute Werner sieht das Portal als wichtige Online-Unterstützung ihres Ladens am Markt und benutzt „meinjuelich“ auch als Ersatz für eine eigene Homepage. Sie sieht hier Impulse in der digitalen Welt. In gleichem Maße hofft sie auf die positiven Einflüsse der großen Projekte, die man greifen kann: das Kreishaus am Markt oder einen Vollsortimenter-Supermarkt am Walramplatz. „Wir brauchen dieses Zugpferd.“