Jülich: Erlebnisse mit Wölfen im Jülicher Brückenkopf-Park

Jülich : Erlebnisse mit Wölfen im Jülicher Brückenkopf-Park

„Den Wolf der Bevölkerung wieder nahezubringen“ haben sich die Wolfsbotschafter des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) auf die Fahnen geschrieben. Einer der rund 300 Aktiven ist Jürgen Tillmann aus Stolberg. Es geht ihm darum, Ängste abzubauen.

„Das gefährlichste Tier im Wald ist das Wildschwein, und das geht auf den Menschen und den Wolf los“, erzählte er vielen Interessierten am „Tag des Wolfes“ im Jülicher Brückenkopf-Park. „Der europäische Wolf jagt nur im Rudel, wenn die Eltern ihren Kindern das Jagen beibringen“, entkräftet er das Bild von reißenden Wolfsrudeln.

Nichtsdestotrotz muss der Wolf jagen. Obwohl er Wildschweine, Hirsche oder Hasen den Nutztieren des Menschen vorzieht, sind etwa freilaufende Schafe leichte Beute für ihn. Da kommt der Herdenschutz ins Spiel: „Der Schäfer muss wieder lernen, mit dieser Situation umzugehen“, betont der Wolfsbotschafter.

Er empfiehlt mindestens 95 Zentimeter hohe Litzenzäune, die 5 Kilojoule Strom führen. Dabei soll die unterste Stromlitze sich etwa 20 Zentimeter über dem Boden befinden, denn: „Der Wolf geht grundsätzlich unter den Zaun. Ein überspringender Wolf wäre sehr selten.“ Tillmann berichtet von 70 freilebenden Rudeln, verteilt auf Niedersachsen, Sachsen, Brandenburg und Bayern. Im südlichsten Bundesland Deutschlands seien zwei Rudel angesiedelt. Die Größe eines Reviers für Wolfseltern und ihre Jungen betrage 250 bis 300 Quadratkilometer. Nur zehn Prozent der wölfischen Jagdaktivitäten führen zum Erfolg.

Weil die Jülicher Polarwölfe Cita, Tobi und Nanu quasi „Essen auf Rädern“ geliefert bekommen, wie Zootierpfleger Henri Fischer es ausdrückt, sind die Wölfe im Brückenkopf-Park „vom Lebensrhythmus her viel ruhiger“. Zur Fütterungszeit machte sich allerdings Aufregung breit. Besonders Cita und Tobi, einst von Fischer per Hand aufgezogen, sprangen am Zaun hoch, als sie den Pfleger witterten. Wenig später flogen unter den Blicken vieler Wolfsinteressierter, darunter einige Familien, drei große Stücke Fleisch über den Zaun ins Gehege. Jeder Wolf erhielt in zwei Fütterungen insgesamt eineinhalb Kilo Rindfleisch.

Sofort brachte sich jedes Tier mit seiner Beute vor den anderen in Sicherheit. Trotzdem gab es später Streit um ein Fleischstück, weil ein Wolf sich einen Nachschlag holen wollte. Weil er „im Zoo einen Tierarzt hat“, ist die Lebenserwartung des Isegrim hier mit 14 bis 15 Jahren drei bis vier Jahre höher als in freier Wildbahn, berichtet Tillmann auf Anfrage. Dort geht er nämlich „irgendwann an Altersschwäche zugrunde, weil er nicht mehr jagen kann“. Nach dem „Drosselbiss“, mit dem der Wolf in Sekundenschnelle sein Opfertier tötet, reißt er „direkt die Decke auf“, also den Bauch des Tieres, und frisst als erstes die mineralhaltigen Innereien.

Ist der Wolf eine Konkurrenz für den Jäger? „Nein“, sagt Tillmann. „Der Wolf geht an junge, alte oder kranke Wildschweine, die er kriegen kann, während der Jäger mittelalte Tiere für den Speiseplan jagt.“ In Zoos gehaltene Wölfe „verlieren durch das Anfüttern die Scheu von dem Menschen“, anders als die Tiere in freier Wildbahn, wie Tillmann unterstreicht. So könnte es bei einer direkten Begegnung mit Zoowölfen „richtig gefährlich werden“, fügt er hinzu.

Weitere interessante Informationen des Nabu warteten am Infostand. Hier gab es zum Beispiel „Wolfsnachweise“ und „wahrscheinliche Wolfsrouten“. Den Spuren nach wanderte ein Isegrim aus einem Rudel in Cuxhaven über den Kreis Lippe, Warendorf und Köln-Rösrath bis nach Dierdorf in Rheinland-Pfalz.

Wenn der Wildbestand in einem Wald dezimiert ist, ziehen die Wölfe im Übrigen weiter, „die fressen nicht alle Rehe weg“.

Nicht nur der Wolf lieferte interessante Details im Brückenkopf-Zoo. So war ein Pfauenmännchen ins Erdmännchengehege gelangt und wollte die süßen katzenartige Raubtiere augenscheinlich mit seinem großen Pfauenrad einschüchtern. Doch die meisten Erdmännchen blieben cool. Einer verweilte unbeeindruckt in nächster Nähe des riesigen Pfauenrades.

Der Nabu gibt einen weiteren Termin im Brückenkopf-Park bekannt: Ein „Herdenschutztag“ steht am letzten Septemberwochenende, 29./30. September, auf dem Plan.

(ptj)
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