Nach der Thomas-Cook-Pleite: Enttäuschte und verunsicherte Urlauber auch in Jülich

Nach der Thomas-Cook-Pleite : Enttäuschte und verunsicherte Urlauber auch in Jülich

Reisebüros in Jülich und deren Kunden kämpfen mit den Folgen der Thomas-Cook-Insolvenz. Ob die Kosten für abgesagte Reisen zurück erstattet werden, ist aktuell noch unklar. Die Reisebüros versuchen Alternativen anzubieten.

Abgesagte Reisen und gestrandete Urlauber haben in der letzten Woche die Schlagzeilen geprägt. Der Grund für das Urlaubschaos ist die Pleite des britischen Reiseanbieters Thomas Cook, von der auch die deutsche Tochter mit den Marken Thomas Cook, Neckermann, Öger Tours, Air Marin und Bucher Reisen betroffen ist. Am Tag nach der Insolvenzverkündung vor genau einer Woche standen auch bei Michael Robertz vom Reisebüro Robertz in Jülich ratlose Kunden vor der Tür.

Glück im Unglück

„Das Problem war nur“, erinnert er sich, „wir und die Kunden hatten zu diesem Zeitpunkt fast den gleichen Kenntnisstand. Die Informationspolitik von Thomas Cook ging gegen null.“ Es habe dann einige Zeit gedauert, bis verlässliche Informationen vorlagen. Dass Kunden deshalb verunsichert oder verärgert waren, könne Robertz gut verstehen. „Wir tun aber alles, um unseren Kunden zu helfen“, betont er.

Bei Thomas Hau von der HTI Reiseagentur in Jülich hielt sich der Ansturm in Grenzen. „Wir hatten Glück im Unglück“, sagt er. „Nur wenige unserer Kunden, die bei Thomas Cook gebucht hatten, hatten ihren Urlaub noch nicht angetreten. Die meisten waren schon vor der Pleite verreist.“ Mit den Auskünften des Reisekonzerns war Hau zufrieden. Mehrmals täglich würden die Informationen zur aktuellen Lage aktualisiert.

Die Nachricht über die Insolvenz kam für Michael Robertz überraschend. Nur wenige Tage vor der Verkündung hatte er auf einem Kongress einen Vortrag von Stefanie Berk, der Vorsitzenden der Geschäftsführung von Thomas Cook Deutschland, zur Situation des Veranstalters angehört. „Sie war recht optimistisch, dass die Insolvenz abzuwenden sei“, berichtet er. „Ich war dementsprechend relativ beruhigt. Drei Tage später hat uns die Meldung dann ‚aus dem Bett gerissen‘.“

Neue Buchungen sind bei Thomas Cook und den insolventen Töchtern derzeit nicht möglich, und Reisen, die zum Beispiel für die Herbstferien bereits gebucht und bezahlt wurden, mussten storniert werden. „Die Reisen hat Thomas Cook sehr schnell abgesagt, so dass wir für unsere Kunden Alternativen buchen konnten“, sagt Hau. „Es fahren also alle in den Urlaub. Das einzige, was noch unsicher ist, ist ob die Kunden ihr Geld zurückbekommen.“

Große Verunsicherung

Es ist gerade diese finanzielle Unsicherheit, die vielen den Urlaub kosten könnte. Alle Thomas-Cook-Reisen seien zwar bis zum 31. Oktober vom Veranstalter abgesagt worden, berichtet Robertz, aber „weder wir noch unsere Kunden wissen, wann und wie viel Geld sie zurückbekommen werden“. Es sei deswegen allein finanziell schwierig, jetzt eine andere Reise zu buchen.

„Entsprechend tief sitzt natürlich jetzt die Enttäuschung“, sagt Robertz. „Wie mit den gebuchten Reisen für einen Reiseantritt ab dem 1. November verfahren wird, ist seitens der Insolvenzverwalter noch nicht verkündet worden. Auch hier ist die Verunsicherung bei unseren Kunden entsprechend groß.“

Gestrandet ist bisher zum Glück kein Kunde der beiden Jülicher Reisebüros. „Rund fünf unserer Kunden waren zu dieser Zeit im Urlaub“, sagt Robertz. „Bisher musste aber niemand vorzeitig abbrechen oder hatte Probleme im Hotel, wie man das in einigen Medien gehört hat. Einige sind allerdings noch unterwegs, weshalb wir noch kein definitives Fazit ziehen können.“

Ein weiteres Sorgenkind in der Insolvenzgeschichte von Thomas Cook ist der Ferienflieger Condor. Dieser wurde vorläufig mit einem Notfallkredit der Bundesregierung stabilisiert, viele Kunden sind dennoch unsicher. „Wir versuchen möglichst nicht Condor zu buchen“, sagt Hau. „Aber mein persönliches Bauchgefühl ist, dass die Airline gerettet wird.“

Ähnlich optimistisch ist auch Robertz. Für die nächsten Monate sei der Flugbetrieb erst mal gesichert, allerdings könne es seiner Meinung nach zu Flugplanänderungen kommen. „Dies kann bei Zielen, die hauptsächlich von der Condor angeflogen werden, zu Engpässen führen“, erklärt er. „Wo es Alternativen gibt, nennen wir diese unseren Kunden und klären sie auf. Im Endeffekt muss aber der Kunde selbst entscheiden.“ Pauschalreisen seien eine sichere Option, da dann die Einzelleistungen wie Flug, Hotel etc. von nur einem Veranstalter gebündelt würden und dieser bei einem möglichen Ausfall des Condor-Fluges, für Ersatz sorgen müsste.

Wie es bei den deutschen Thomas-Cook-Töchtern weitergeht, ist noch unklar. Aktuell steht ein Neustart mit der Traditionsmarke Neckermann im Raum. Kunden wie Reisebüros können indes nur abwarten und hoffen, dass entstandene Kosten möglichst vollständig erstattet werden können.

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