Endlich: Das Ende der Dauerbaustelle in der Jülicher Zitadelle

Das Bauloch wird in den Sommerferien verfüllt : Das Ende der Dauerbaustelle in der Jülicher Zitadelle

Der Innenhof der Zitadelle soll in den Sommerferien nach fünfeinhalb Jahren Baustellenromantik wieder hergerichtet werden. Das ist eine große Erleichterung für das Gymnasium.

Edith Körver ist keine Gesangslehrerin. Sprachen sind das Fachgebiet der Rektorin des Gymnasiums Zitadelle. Am Dienstagmorgen hat sie trotzdem gesungen. „Ein schöner Tag“ intonierte sie, als sie die CDU-Landtagsabgeordnete Patricia Peill und Jülichs Bürgermeister Axel Fuchs (parteilos) begrüßte. Körver hatte gut Singen, sie wusste, was kommen sollte: nämlich die Nachricht, dass nach fünfeinhalb Jahren bald Schluss ist mit der Dauer-
baustelle im Innenhof der Zitadelle. In den Sommerferien wird das Loch im Herzen von Jülichs bedeutendstem Bauwerk nicht nur zugeschüttet. Der Innenhof wird auch wieder hübsch gemacht. Das erklärte Peill, die von einem Schreiben aus dem Landesbauministerium berichtete. In dem steht, dass die Arbeiten im Innenhof vom 22. Juli bis zum 23. August stattfinden sollen.

Die Dauerbaustelle war vor fünfeinhalb Jahren eröffnet worden, weil die Linden im Innenhof nicht mehr verkehrssicher waren und gefällt werden mussten. Gleichzeitig sollte mit einer Grabung an den Außenmauern des Gewölbekellers der Zitadelle herausgefunden werden, warum die Keller so feucht sind. Bei den Grabungen passierte, was eigentlich immer passiert, wenn man in Jülich in die Tiefe geht: Die Vergangenheit kommt ans Tageslicht. Zuerst Strukturen aus dem 19. Jahrhundert, dann ging es in die frühe Neuzeit, als die Zitadelle im 16. Jahrhundert gebaut wurde. Noch tiefer wurde es noch älter, Fundamentspuren von mittelalterlichen Bauten kamen ans Licht, schließlich erreichten die Archäologen sogar die Römer. Seit mehr als zwei Jahren wird aber nichts mehr untersucht, seitdem ruht die Baustelle und die Jülicher regen sich auf. Je mehr, desto mehr Zeit vergeht.

„Manchmal dauert es lange, bis Dinge geklärt sind, die mehrere Behörden betreffen“, sagte Fuchs. Die Zitadelle gehört bekanntlich dem Land, die befindet sich in Trägerschaft der Stadt. „Wir wollen aber nicht zurückblicken. Ich finde es großartig, dass jetzt nicht nur der Schule geholfen wird, sondern auch dem Museum Zitadelle“, fügte Fuchs hinzu. Ein Teil der Maßnahme besteht nämlich darin, dass künftig dafür gesorgt wird, dass die Luft aus dem Gewölbekeller abgepumpt wird, wenn sie zu feucht wird. Problem gelöst für die Räume, die die Dauerausstellungen des Museums beheimaten.

Erfreut über die neue Entwicklung: (v.l.) CDU-Landtagsabgeordnete Patricia Peill, Rektorin Edith Körver und Bürgermeister Axel Fuchs. Foto: Guido Jansen

Peill lobte das Engagement aller Beteiligten, die es immer wieder geschafft hätten, das Problem Innenhof bei den Entscheidungsträgern in Erinnerung zu rufen. Viele Jülicher Vertreter hätten dafür gesorgt, dass auch in Düsseldorf verstanden worden sei, worum es geht. „Das hier ist nicht nur irgendein Hof. Das ist im Jülicher Land der Hof“, sagte Peill. „Irgendwann hat man das auch in Düsseldorf verstanden. Dass dieses Bewusstsein entstanden ist, ist das Ergebnis einer guten Mannschaftsleistung hier vor Ort.“

Wie unerträglich der wüste Zustand im Innenhof vor allem für die Schule geworden war, schilderte Körver. „Wir haben uns geschämt, dass wir uns beim Tag der offenen Türe oder beim Anmeldungstermin für die neuen Schüler so präsentieren mussten. Das war kein guter erster Eindruck“, sagte Körver und verwies auf die Baugrube. Den Schülern und Lehrern sei ein Stück Erholung im Innenhof genommen worden. Stattdessen war die Fläche dominiert von Bauzaunromantik und dem Hinweis „Betreten verboten“.

Auch aus der Jülicher Bevölkerung waren zunehmend Beschwerden über den Zustand des Innenhofes zu hören gewesen. Fuchs erinnerte an die jüngste Minerva-Preisverleihung in der Schlosskapelle im Dezember, bei der NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen anwesend war. „Nach meiner Rede habe ich noch den Innenhof angesprochen. An den Reaktionen im Publikum war zu erkennen, dass die Jülicher genervt sind von der Dauerbaustelle“, berichtete Fuchs. Der zeigte sich im Übrigen auch darüber erfreut, dass die Brautpaare, die in der Schlosskapelle heiraten, ab Ende August keine Bauzaunromantik mehr nach der Trauung sehen müssten.