Hambach/Jülich/Inden: Elmar Kampkötter ist neuer Förster der Tagebaue Inden und Hambach

Hambach/Jülich/Inden : Elmar Kampkötter ist neuer Förster der Tagebaue Inden und Hambach

Der Job ist anspruchsvoll, spannend und beschert inhaltlich einen Spagat der Extraklasse. Elmar Kampkötter (45) ist Revierförster des Bergbautreibenden für die Bereiche der Tagebaue Inden und Hambach. Er folgt Günter Rosenland (Hambach), der in den Ruhestand getreten ist und im Bereich der Rekultivierung Maßstäbe gesetzt hat, und Rolf Zähringer (Inden).

Aber die Aufforstung ist eben die eine Seite, die umstrittene Rodung der Reste des Hambacher Forstes im Vorfeld ist die andere. Von den 3500 Hektar, die der Tagebau in Anspruch nimmt, stehen noch rund 200 — das sind 5,7 Prozent.

Förster Elmar Kampkötter mit seinem Hund Busko (Rasse: alpenländische Dachsbracke) in der Hambacher „Zentrale“ des Forstbetriebs. Das Holzdreieck hinten rechts ist ein Eigenbau von vielen, der bei der Umsiedlung von Ameisenvölkern zum Einsatz kommt. Foto: Uerlings

Kampkötter, gebürtig aus dem Hochsauerland, ist fachlich breit aufgestellt und seit Ende 2015 in Hambach dabei. Nach gut zwei Jahren sagt er: „Ich bin froh, dass ich hierhin wechseln konnte.“ Der Kopf einer Truppe, die in Spitzenzeiten bis zu 50 Mann groß ist (inklusive Teams von regionalen Forstunternehmen), ist nicht nur Diplom-Ingenieur der Forstwirtschaft mit Erfahrungen in Brandenburg und Osteuropa.

Als die „Försterei“ eine Zeit lang nur wenige Arbeitsplätze bot, hat er in London, wo seine Frau arbeitete, ein Master-Studium in Kraftwerks- und Umwelttechnik auf Basis Erneuerbarer Energien abgeschlossen. Danach sorgte er als Projektentwickler dafür, dass eine ganze Reihe von Biomasse-Kraftwerken in Europa in Betrieb genommen wurden. Mit Blick auf die Braunkohleverstromung in seinem Revier sagt er heute: „Von jetzt auf gleich können die Erneuerbaren das hier nicht kompensieren. Noch nicht.“

Und so setzen Elmar Kampkötter und sein Team um, was der Job verlangt: „Es gibt genehmigungsrechtliche Vorgaben. An die halten wir uns.“ Und wenn an der einen Stelle gerade ein Rodungsstopp die Pläne über den Haufen wirft, geben die zu pflegenden oder aufzuforstenden Flächen reichlich Arbeit her.

Derzeit beträgt die Größe der reinen Rekultivierungsflächen nach Angaben des Försters 1580 Hektar, „am Ende sind es 3800 Hektar“. Oder in Bäumen ausgedrückt: „Bislang wurden zehn Millionen Bäume gepflanzt, es kommen noch etwa 15 Millionen dazu.“

Dabei sind die Anforderungen rund um den Tagebau Inden ganz anders als in Hambach. In Inden werden die Flächen weitgehend für die Landwirtschaft rekultiviert. Kampkötter: „Wir etablieren Grünzüge und setzen Begleitgehölze“.

Die Behandlung der Altwaldbestände um Hambach — bei Jülich, Morschenich bis nach Kerpen — erfolgt unter der Maßgabe, Stieleichen als Leitbaumart zu erhalten, um Artenschutz zu betreiben. „Wir bauen gezielt Nadelgehölz zurück und behandeln Altwald, wenn sekundäre Arten wie Hainbuchen in die Eichenkronen wachsen“, erklärt der Revierförster.

Die sprichwörtliche „knorrige Eiche“ bildet im Laufe ihres Lebens viele Ritzen und Höhlen aus, die Fledermäusen, Vögeln, aber auch zahlreichen Insekten Lebensraum bieten.

Ein anderes Betätigungsfeld ist die Rekultivierung der Sophienhöhe, deren Boden so gut wie nicht verdichtet wird, um der Natur freien Lauf zu lassen. Nachgeholfen wird schon, wenn zum Beispiel Boden aus dem Altwald inklusive Pilzgeflecht dort „verlegt“ wird.

„Da gibt es zwar schon ein gutes Ökoinventar, aber der Waldboden ist das Sahnehäubchen auf dem Eis“, sagt der Neue in einem ganz besonderen Revier. Bäume und Pilze bildeten schon in kurzer Zeit ihre bewährte Symbiose. Aus dem Myzel erhalten Bäume Feuchtigkeit und Nährsalze — und „bedanken“ sich dafür mit Zucker.

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