Koslar: Elektroroller: Ideal für die Kurzstrecke

Koslar: Elektroroller: Ideal für die Kurzstrecke

„Man hört ja überhaupt nichts”, begeisterte sich der 72-jährige Klaus Mahr aus Jülich, der gern das Angebot unserer Zeitung nutzte, kostenlos einen „esee-Rider”-Elektroroller der RWE Effizienz GmbH auf dem Verkehrsübungsplatz in Koslar zu testen. Später waren auch ein paar Runden außerhalb des risikoarmen Fahrbereichs drin.

„Ich befasse mich damit, einen Elektroroller zu kaufen”, verriet der Senior im Anschluss. Und das, nachdem er 50 Jahre lang kein elektrisch oder motorangetriebenes Zweirad gefahren hat. Der Grund war: „Ich bin immer zu schnell gefahren, habe Roller und Motorräder kaputt gefahren. Heute mache ich Fahrradtouren”.

Angeregt zu der Überlegung hatte seine Frau, die „sehr schlecht zu Fuß ist”. Ein Gegenargument zum Kauf der elektrisch betriebenen Version ist: „5500 Euro, dafür muss ein Rentner lange sparen”, wie Mahr es ausdrückte. Auch die erlaubte Zulast von 150 kg bereiten ihm Kopfzerbrechen.

Thomas Mauer (55), der ein schweres Motorrad sein Eigen nennt, eine BMW mit 1000 Kubik, fand im Vergleich „die Kurvenlage stark gewöhnungsbedürftig. Der Roller schert in der Kurve aus, man muss stark nachdrücken”. Vergleichen kann er das Verhalten in Schräglage auch mit seinem früheren 80 Kubik-Roller. Ein großer Pluspunkt seien hingegen die geringen Inspektionskosten beim e-Scooter.

Die „problematische Kurvenlage” bestätigte Nicolas Isenberg (16), der selber einen 50 Kubik-Roller fährt, die gleiche Klasse wie das Testmodell. Der E-Roller ist „gut 20 kg schwerer als meiner und es ist schwierig, die Kurve ordentlich zu kriegen”, verglich der Jugendliche die beiden Gefährte.

Ein Plus sei die nicht unerhebliche finanzielle Ersparnis. Würde er seinen Roller gegen den E-Scooter tauschen? „Nein, mir fehlt der Sound”, gestand der Jugendliche ein. Wie sieht die Jülicher Verkehrswacht als Gastgeber elektrisch betriebene Fahrzeuge?

„Wir sind grundsätzlich für emissionsfreie Geräte, ob pedelecs oder Roller”, plädierten Vorsitzender Hartmut Dreßen und Geschäftsführer Erich Freiburg „für die Umwelt und gegen den Klimawandel. Ein Trend in die richtige Richtung”. Nach eigenem Test befanden sie den E-Roller als „ideal in der Stadt und für Kurzstrecken”.

Eine neue Gefährdung sehen beide allerdings in der Geräuschlosigkeit der Fahrzeuge. „Experten befürchten eine neue Qualität von Unfällen. In Elektroautos soll deswegen ein Geräusch eingebaut werden”, weiß Dreßen.

„Heute gibt es so viele (gemeinsam nutzbare) Wege für Fußgänger und Radfahrer. Wer dann mit relativ hoher Geschwindigkeit an Fußgängern mit Kindern und Hund vorbeifährt...”, sah Freiburg die Gefahr förmlich nahen.

Dann wurde ein Politikum zum Thema: Woher kommt der Strom? Aus der Steckdose. „Optimal wäre es, wenn elektrische Geräte nicht mit Atomstrom angetrieben würden”, brachte Dreßen die Problematik auf den Punkt. Nicht fehlen durfte das Thema Helmpflicht, deren Einführung die Experten für alle Zweiräder befürworten. „Schutzhelme kann man kaufen, Gehirne nicht”, zählt zu den Sicherheitsslogans des Vorsitzenden, der gerne ausführlich zu diesem Thema referiert.

Entsprechende Belehrungen musste sich - völlig zu recht - auch die Berichterstatterin anhören, die ein E-Bike ohne Fahrradhelm getestet hatte. Sie verabschiedete sich von der Verkehrswacht mit einem neuen Helm in der Hand und dem Versprechen, ihn als Radfahrerin stets zu tragen.

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