Schach neu gedacht: Einen echten Spieleklassiker nach 1500 Jahren neu entwickelt

Schach neu gedacht : Einen echten Spieleklassiker nach 1500 Jahren neu entwickelt

Tibor Nagy entwickelt eine neue Schachvariation mit 80 statt 64 Felder und sechs zusätzliche Spielfiguren. Der Konsul ist dabei besonders wichtig und unterstützt die Dame.

Wenn von Schach die Rede ist, gehen die Meinungen bei manchen Punkten weit auseinander: Sollte der Sport in den Olympischen Spielen einen Platz bekommen oder überhaupt als Sport bezeichnet werden? Doch bei all diesen kürzlich entflammten Diskussionen rund um das „Spiel der Könige“ ist man sich bei einer Sache sicher. Das quadratische Brett ist in 64 kleinere Felder aufgeteilt, die zu gleichen Teilen weiß und schwarz sind. Das ist die Variante, die die Menschen seit mehr als 1500 Jahren kennen.

„Höchste Zeit für Veränderungen“, dachte sich wohl Tibor Nagy vom Linnicher Schachverein DIGO Help und erfand kurzerhand seine ganz eigene Variante, das Deutsch-Ungarische Schach. „Das ist eine neue Erfindung, die sehr viel Varianz ins Schachspiel bringt“, sagte er und hielt eine kleine Figur in die Höhe. Der sogenannte „Konsul“ erweitert die bekannte Figurenkonstellation, bestehend aus Bauer, Läufer, Turm, Springer, Dame und König.

Wie jeden Freitagabend sitzt Tibor Nagy in den Räumlichkeiten des Linnicher Seniorenheimes an einem Tisch, den Kopf nachdenklich über ein Schachbrett gebeugt. Bei den wöchentlichen Treffen kommen die Mitglieder des Linnicher Schachvereins zusammen, um gegeneinander zu „blitzen“. Anders als bei den teuren Fotos aus Flensburg, geht es beim Blitzschach darum, seine Züge möglichst schnell und gleichzeitig vorausschauend zu spielen. Neben dem spielentscheidenden König spielt vor allem die Dame eine wichtige Rolle. Aus taktischer Sicht ist sie beinahe unverzichtbar und ihr Verlust hinterlässt oft eine riesige Lücke in der Verteidigung.

„Die Dame ist bis jetzt die wichtigste Figur im Schach“, sagte Nagy. Das soll auch so bleiben, jedoch könnte die neue Figur der Dame ihren Rang ablaufen. Der Konsul steht zwischen dem Königspaar und den Läufern, dementsprechend sind pro Seite vier neue Figuren hinzugekommen: Zwei Konsuln, sowie zwei zusätzlichen Bauern an der vorderen Linie. Der Konsul kann sich in jede Richtung bewegen, lediglich seine Reichweite ist auf drei Felder pro Zug beschränkt.

„Ich wusste erst nicht, wie der Konsul spielen sollte“, erklärte der Erfinder. Fest stand nur, dass die ursprünglichen 64 Felder auf 80 Stück erweitert werden mussten, damit sie einer neuen Figur Platz boten. Schließlich entschied sich Nagy für die Variante einer etwas schwächeren Dame. Unter dem Namen „deutsch/ungarisches Schach“ habe sich Tibor Nagy seine Erfindung gleich zweimal patentieren lassen. Einmal den Konsul als Spielfigur, sowie das neue Schachbrett und den damit einhergehenden Regeländerungen.

15-mal mehr Variationen

Während alle anderen Mitglieder des Schachclubs weiterhin an gewohnt quadratischen Schachbrettern mit den gleichen Figuren von vor 1500 Jahren spielten, trat Tibor Nagy mit seinem Schachspiel gegen Dirk Göttgens an. Diese Uraufführung dauerte über zwei Stunden und endete mit einem Sieg für den Vorsitzenden des Schachclubs, Dirk Göttgens.

„Die Variationen sind ungefähr zehn bis 15-mal höher“, sagte Nagy, der einen befreundeten Mathematiker um eine ungefähre Schätzung bat. Berücksichtigt wurden dabei die neue Figur, das vergrößerte Spielbrett, sowie die Möglichkeit zu sieben verschiedenen Rochaden. Erstmals in der Geschichte des Schachs können der König und der Turm unter bestimmten Bedingungen auf der gesamten Länge der hinteren Reihe die Plätze tauschen. Bisher war dies immer nur auf zwei bestimmte Felder begrenzt, doch auch damit ist in Nagys Variante Schluss.

Genauere Berechnungen müssten allerdings noch aufgestellt werden.Fest steht allerdings, dass die neue Variante sehr viel mehr Spannung in das Spiel bringt, zumal sich der Konsul auch optimal zum Decken (Verteidigen) von anderen Figuren eignet. Das rechteckige Schachbrett wird mit Sicherheit noch des Öfteren von Tibor Nagy aus dem Regal geholt.

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