Zehn Jahre AOK-Servicestelle Demenz: Eine Musterwohnung für Demenzkranke und Angehörige

Zehn Jahre AOK-Servicestelle Demenz : Eine Musterwohnung für Demenzkranke und Angehörige

Das zehnjährige Bestehen der AOK-Servicestelle Demenz wurde gefeiert. Dabei wurden auch Neuerungen bekannt gegeben, die die Betreuung von Demenzerkrankten und Angehörigen verbessern sollen.

Die AOK-Servicestelle wurde 2008 gegründet. Federführend war hierbei Wilfried Jacobs, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland/Hamburg und momentaner geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für patientenorientierte Versorgungsablaufforschung (kurz IPOV). „Hauptmotiv waren die Beratung und Begleitung von Demenzkranken und ihren Angehörigen“, sagte dieser und weiter: „Einem Kranken kann es nicht gut gehen, wenn es den Angehörigen nicht gut geht.“

Die fünf Redner des Abends, v. l. Detlef Rüsing, Wilfried Jacobs, Stefanie Froitzheim, Günter Wältermann und Waldemar Radtke zeigten bei den Feierlichkeiten die wichtigsten Themen zum Thema Demenz auf. Foto: Mira Otto

Nach dem Umzug der Servicestelle von Aachen nach Jülich richtete die Leitung der AOK-Servicestelle Demenz, Stefanie Froitzheim, mit ihrem Team im Jahr 2017 eine Musterwohnung für Demenzerkrankte in der Servicestelle ein. Dazu Froitzheim: „Die Wohnung zeigt den Betroffenen, wie man kostengünstig eine Wohnung gestalten kann, die Demenzerkrankten Orientierung und Wohlgefühl vermittelt.“

„Allein in NRW gibt es 300.000 Demenzerkrankte. Die Tendenz ist steigend“, sagte Waldemar Radtke, Regionaldirektor der AOK Rheinland/Hamburg. Die enormen Besucherzahlen in der Wohnung und die Wartelisten sprächen für einen sehr hohen Bedarf an Beratung.

„Jetzt ist es soweit“, sagte Stefanie Froitzheim zum Ende der Veranstaltung. „Wir werden das Servicecenter um ein Demenzsimulationscenter erweitern.“ „Eine wunderbare Ergänzung. Volle Kraft voraus“, reagierte Günter Wältermann, der Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland/Hamburg.

Auf Augenhöhe begegnen

Das Team plant in den Räumlichkeiten der AOK auf der Promenadenstraße eine Etage, in der sich die Angehörigen mit der Krankheit auseinandersetzen können. „Wenn ich sehen, spüren und nachfühlen kann, wie es meinem Gegenüber geht, kann ich diesem auf Augenhöhe begegnen“, sagte Radtke zu dem Grund des Projekts.

Ein signifikantes Beispiel zeigte Stefanie Froitzheim im Gespräch mit unserer Zeitung auf. In dem Demenzsimulationscenter wird es auch einen Spiegel geben, der einen selbst stark gealtert zeigen wird. „Wie würden sie sich fühlen, wenn sie vergessen haben, wie alt sie sind und sich dann plötzlich im Spiegel sehen? So können beispielsweise Angstsituationen entstehen, die nicht aufgeklärte Menschen im Umfeld nicht verstehen.“ Der Zeitpunkt der Eröffnung steht noch nicht fest.

Während der Feierlichkeiten klärte Detlef Rüsing, der Leiter des Dialog- und Transferzentrums Demenz der Universität Witten, die Anwesenden über Demenz auf. „Der Mensch ist kein Einzelgänger. Wenn wir kein Gegenüber haben, gehen wir ein“, sagte dieser. Der Mensch habe noch nie so viel über die Krankheit gewusst. Und gleichzeitig werde die Angst vor einer Demenzerkrankung nicht weniger, so Rüsing, der dann anfügte: „Kontakt und Beziehung ist das beste Medikament, das die Lebensqualität von Demenzerkrankten erhält.“

(mio)